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KonstantinWecker - Liedermacher

Foto: Harald Tittel/dpa

Zeitlose, friedliche Wut auf die Herrscher

Konstantin Wecker feiert seinen 70. Geburtstag mit "Poesie und Widerstand"

Von Johanna Eisner
erschienen am 13.11.2017

Chemnitz. Im Frühjahr ist Konstantin Wecker 70 geworden - und wundert sich ein bisschen darüber: "Was habe ich nicht alles dafür getan, eben nicht 70 Jahre alt zu werden?", sagte er selbstironisch bei seinem Auftritt am Sonntagabend in der Chemnitzer Stadthalle. Tatsächlich ist er die wohl schillerndste Figur des deutschen Liedermachens, seine Biografie liest sich wie die eines Rockstars: Kokainsucht, Exzesse, Schulden, Haftstrafe. Ein biografischer Widerspruch zum politischen, linken Liedgut des Münchners, doch irgendwie passt es auch zur Anarcho-Attitüde, die er immer wieder betont. Auf der Bühne erzählt er die Schwanks aus seinem ausufernden Leben mit altersmilder Selbstreflexion: Wie er im bodenlangen Nerzmantel durch München lief, weil er für einen Zuhälter gehalten werden wollte und sich im Rollenspiel als Möchtegern-Macho eben selbst ziemlich gut gefiel.

In einer Sache aber bleibt Wecker strikt: Seine Lieder sind politisch wie eh und je - und dabei vielleicht sogar radikaler als zuvor. Dabei wollte er eigentlich nie ein politischer Liedermacher sein, jetzt aber ist es für ihn fast schon zur Notwendigkeit geworden. "Poesie und Widerstand" heißt sein Geburtstags-Album und fasst im Titel gut zusammen, was seine künstlerische Karriere ausmacht - einen Tanz zwischen dem Poetischen und dem Politischem. Den Abend in Chemnitz eröffnet er mit "Sage Nein": "Wenn sie jetzt ganz unverhohlen wieder Nazi-Lieder johlen, über Juden Witze machen, über Menschenrechte lachen, wenn sie dann in lauten Tönen saufend ihrer Dummheit frönen, denn am Deutschen hinterm Tresen muss nun mal die Welt genesen, dann steh auf und misch dich ein: Sage nein!", heißt es in der ersten Strophe. Das Lied ist schon zwanzig Jahre alt - und doch so aktuell.

Wecker, Alt-Achtundsechziger, Anarcho, Antifaschist und Pazifist, singt für eine herrschaftsfreie Welt, schimpft gegen Aufrüstung und Militarismus und gegen Obergrenzen, trägt manchmal eine tolerant bunte Holzkette um den Hals. Er ist einer der letzten großen Protestliedmacher Deutschlands - und steht im großen Gegensatz zur nachgewachsenen Generation von Deutschpoeten, die positionslos durch Gefühlskitsch mäandern und deren Texte so klingen, wie Weichspüler-Werbefilmchen aussehen. Doch auch poetisch stiehlt Wecker ihnen die Schau: Er schreibt keine Lieder, sondern Gedichte, die er später vertont. Berührend sind auch die Geschichten über seinen Vater: Dieser war ein Kriegsdienstverweigerer, verkannter Künstler und erfolgloser Opernsänger, er gab das Talent weiter an den Sohn - der 2017 auf eine 50-jährige Karriere zurückblickt: Gemeinsam mit seiner hervorragenden fünfköpfigen Band führt er durch ein Programm voller Nostalgie und Neuinterpretationen, voller Protest und Poesie - ein warmherziger Abend, der zwar mehr Werkschau als Aufstand, auf jeden Fall aber große Unterhaltung ist.

 
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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