Zwischen Dorfbühne und Stadion

Sascha Stiehler und Antonio Lucaciu - zwei einer neuen Generation regional verwurzelter Nachwuchskünstler

Zwickau/Plauen.

Jazz ist kreative Improvisation und ständige Kreation. Das Musikerduo Sascha Stiehler (Piano) und Antonio Lucaciu (Saxofon) aus Zwickau und Plauen haben das praktisch zu ihrer Lebensphilosophie gemacht. Die beiden stehen mit Popgrößen wie Clueso, Norman Sinn und Udo Lindenberg auf der Bühne, betreiben unter dem Namen Egolaut ein Plattenlabel und ein Künstlerhaus in Leipzig. Für Oktober organisieren der 27- und der 28-Jährige ein Festival, das Plauen fünf Tage lang in eine blühende Kulturlandschaft verwandeln soll. Mit ihnen sprach Sebastian Münster.

Freie Presse: Woher kennen Sie sich, und wie sind Sie zur Musik gekommen?

Antonio Lucaciu: Wir kommen beide aus musikalischen Elternhäusern. Meine Eltern sind beide Geiger im Theater Plauen-Zwickau. Saschas Papa ist Musikpädagoge. Seine Mutter singt in etlichen Chören. Das heißt, wir sind sehr zeitig mit Musik in Verbindung gekommen. Auch wenn wir Jazz studiert haben, haben wir bis 14 eigentlich nur mit Klassik zu tun gehabt.

Sascha Stiehler: Kennengelernt haben wir uns beim Musikwettbewerb "Jugend jazzt" mit 15 oder 16. Es gab sofort einen gemeinsamen Spirit zwischen uns. Im Landesjugendjazzorchester haben wir dann zusammen gespielt. In Zwickau gab's nicht so viele andere, mit denen ich diese Leidenschaft teilen konnte.

"Die Vielfältigkeit an Situationen in unserem Alltag ist unglaublich. "

Sascha Stiehler Musiker

Sie scheinen das Netzwerken und Organisieren zu lieben. In Leipzig haben Sie den Liveclub Telegraph gegründet, heute eine der wichtigsten Adressen für Jazz in der Messestadt.

Stiehler: Wir haben von Anfang an alles selbst organisiert. 2007 haben wir mit dem Quartett "Change Request" unsere erste Platte aufgenommen. Wir haben Fotos geschossen, Konzerte gebucht und Pressetexte geschrieben. Die Leipziger Jazzszene war für eine Stadt dieser Größe zu zersplittert. Es gab nicht den einen Liveclub für alle. Also wollten wir die Szene bündeln. Einen Club, der die Jazzmusiker der Stadt beheimatet. 2010 hat der Telegraph eröffnet. Betrieben wird der Club bis heute vor allem von Freiwilligen, Studenten der Musikhochschule und vom Jazzclub Leipzig.

Seit wann gibt es Egolaut, und was genau ist das?

Lucaciu: Der Telegraph war wie ein Abschluss. Wir haben der Leipziger Jazzszene Danke gesagt und sind weitergezogen. Danach hat sich alles verändert. 2010 haben wir unser Musiklabel gegründet - Egolaut. Auf einem Jazzkonzert habe ich Clueso kennengelernt, mit dem ich noch heute Musik mache. Und Sascha war mit Norman Sinn als Support bei der Grönemeyer-Tour 2011 unterwegs. Damals ist so viel passiert. Für uns hat sich eine ganz neue musikalische Szene geöffnet.

Heute machen Sie Musik, organisieren Touren und Konzerte, haben ein Plattenlabel und betreiben mit dem Egolaut-Haus eine Einrichtung, in der es für so ziemlich jede kreative Dienstleistung eine Adresse gibt. Was ist eigentlich Ihr Beruf?

Stiehler: Nach außen bin ich der Musiker. Ich bin kein Festival-Organisator und auch kein Labelchef. Ich bin Musiker, der halt auch was anderes macht. Wir kreieren unseren eigenen Beruf. Aber ich würde jetzt nicht gerade die Steuererklärung für eine Baufirma machen.

Sie tanzen auf vielen Hochzeiten. Ist es das, was Ihnen an Ihrem Job gefällt?

Stiehler: Die Vielfältigkeit an Situationen in unserem Alltag ist unglaublich. Sodass ich mir sicher bin: Es gibt keinen besseren Beruf. Wir haben für den Evangelischen Kirchentag 2013 als Duo Stiehler/Lucaciu ein Auftragswerk geschrieben. Das Stück haben wir dann vor 300.000 Menschen aufgeführt. Vor zwei Wochen haben wir bei der "Kunstakte Hartha" gespielt. Das war so richtig auf'm Dorf. Es waren 40 Leute da, es gab Wiener oder Fettbemme.

Welche Verbindung haben Sie zu Clueso und dem Zughafen Erfurt?

Lucaciu: Für Clueso bin ich Studiomusiker. Wir machen zusammen aber auch in vielen Städten regelmäßig Spontankonzerte auf der Straße. Clueso und der Erfurter Zughafen haben uns finanziell und ideell viele Jahre unterstützt. Clueso hat mich schon auf viele Konzerte mitgenommen. Zu Udo Lindenberg oder Wolfgang Niedecken. Er hat uns sehr viele Türen geöffnet.

"Ich würde das

Festival in Plauen gern etablieren."

Antonio Lucaciu Musiker

In Plauen organisieren Sie vom 7. bis 11. Oktober das Egolaut-Festival. Was ist das, und wie kam es dazu?

Lucaciu: Ich fühle mich meiner Heimatstadt Plauen sehr verbunden und wollte ihr einfach etwas zurückgeben. Bereits seit zwei Jahren spielen wir als Duo Stiehler/Lucaciu jedes Jahr im Plauener Theater - immer ausverkauft. Dieses Jahr wollen wir noch einen Schritt weitergehen. Das Egolaut-Festival ist unser erstes eigenes Festival. Das war ein krasser Kraftakt. Denn mein Wunsch war es, alle Kulturinstitutionen und Bühnen zusammenzubringen. Wir haben auf die Beine gestellt: an acht Veranstaltungsorten 16 Veranstaltungen in fünf Tagen. Bei drei Konzerten spielen wir selbst mit. Wir haben Förderung vom Bund und vom Freistaat bekommen. Deshalb kosten neun der Konzerte auch keinen Eintritt.

Wer spielt beim Egolaut-Festival?

Lucaciu: Bands, die wir toll finden. Bekannte, Kollegen, Freunde, mit denen wir teilweise schon gespielt haben, etwa Max Prosa und Hundreds oder der junge Gitarrist Bertram Burkert. Am meisten freuen wir uns auf unser Abschlusskonzert als Duo Stiehler/Lucaciu am 11. Oktober im Theater. Es werden einige Überraschungsgäste mit dabei sein.

Soll das Festival eine einmalige Sache bleiben oder eine feste Größe in der Region werden?

Lucaciu: Ich würde das gern etablieren. Aber das kann ich nicht allein machen. Das geht nur mit Förderung und perspektivisch auch mit Unterstützung durch die Stadt.

www.egolaut.de

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