An diesen Schulen fällt besonders viel Unterricht aus

Fast 27.000 Schulstunden wurden in Chemnitz im vergangenen Schuljahr nicht gehalten. Doch es gibt zwischen den einzelnen Einrichtungen große Unterschiede.

Für die Schüler der 4. Klasse war es ein Abenteuer, für die Verantwortlichen der Schule eine Verzweiflungstat: Eine Stunde lang durften die Neun- und Zehnjährigen in dieser Woche selbst Mathematik-Unterricht geben - bei Zweitklässlern. Nicht wegen irgendwelcher Projektwochen, sondern weil krankheitsbedingt an der Schule nicht genügend Lehrer verfügbar waren. Immerhin: Ab und an schaute eine Lehrerin vorbei, um zu sehen, wie sich ihre jungen Vertreter schlagen.

Das Beispiel mag aus dem Rahmen fallen, doch die Bilanz der vergangenen Monate fällt an vielen Schulen durchwachsen aus. Der beinahe allgegenwärtige Lehrermangel fordert immer wieder das Improvisationstalent der Lehrer und Schulleiter heraus.

"Ich frage mich allerdings schon, warum an einigen Schulen weit mehr Stunden ausfallen als anderswo", wundert sich ein Elternvertreter der Valentina-Tereschkowa-Oberschule. "Wenn man sich beispielsweise mit Eltern vom Kaßberg unterhält, so scheint dort das Problem weitaus weniger ausgeprägt."

In der Tat zeigt ein Blick auf die offizielle Statistik der Schulbehörden deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Schulen der Stadt. Der für das vergangene Schuljahr ausgewiesene Anteil außerplanmäßiger Ausfallstunden bewegte sich bei den Grundschulen zwischen 0,7 Prozent und mehr als 8Prozent (insgesamt 10.000 Ausfallstunden). An den Oberschulen betrug die Spanne 1,2 bis 6,0 Prozent (9100 Stunden). Am besten schnitten die Gymnasien ab. Dort betrug der Ausfall zuletzt 1,6 bis 5,3 Prozent (rund 7800 Stunden).

Als "tatsächlicher außerplanmäßiger Ausfall" gehen in der Regel jedoch nur solche Ausfallstunden in die Statistik ein, für die keine Vertretung erteilt wurde. Sei es, weil Lehrer oder deren Kinder erkrankt sind, Fort- und Weiterbildungen absolviert werden oder weil - wie im vergangenen Jahr - gestreikt wird. Unterm Strich, und das mag überraschen, gab es in Chemnitz an allen drei allgemeinbildenden Schularten zuletzt weniger Ausfallstunden als im sächsischen Durchschnitt. Allerdings kritisieren Elternvertreter immer wieder, die offiziellen Zahlen bildeten nur die halbe Wahrheit ab. Der Kreiselternrat will deshalb nun auf eigene Faust das tatsächliche Ausmaß des Unterrichtsausfalls ermitteln. "Eine Stichprobe der Ausfallstunden wird derzeit durchgeführt", sagt Vorsitzender Sascha Reichenbach. Die Ergebnisse sollen in einigen Wochen vorliegen.

Örtliche Schwerpunkte, wie von Elternvertretern vermutet, lassen sich bislang allerdings kaum feststellen. Schulen mit überdurchschnittlich viel Unterrichtsausfall finden sich sowohl rund um die Innenstadt als auch am Stadtrand. Ein ähnliches Bild ergibt sich für Einrichtungen mit besonders wenig Ausfallstunden. Auch auf dem vermeintlich bevorteilten Kaßberg gibt es große Unterschiede: Während an der Gebrüder-Grimm-Grundschule nur 2,4 Prozent Ausfallstunden zu Buche standen, waren es an der Pablo-Neruda-Schule schon 4,9 Prozent.

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2Kommentare
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  • 1
    0
    bürgerenergie
    11.02.2018

    Beim Gymnasium des Sohnes ist die Zahl - auch nach seiner Einschätzung - schon realistisch.
    Andererseits darf bei sehr geringen Ausfallzahlen nicht immer an jeder Schule ausgegangen werden, dass dies für eine prima Unterrichtssituation oder gar für geringen Krankenstand bei den Lehrern steht. An manchen Schulen ist es schlicht nicht möglich, offiziell Ausfall anzuzeigen und die nach Hause zu schicken oder garnicht erst kommen zu lassen. Dort werden dann die Kinder in eh schon volle Klassen verteilt --> verschärft die zum Teil katastrophalen Bedingungen nur noch.
    Eine Statistik zum Krankenstand bei den Lehrern daneben gelegt wäre interessant.

  • 7
    0
    cn3boj00
    09.02.2018

    Dieser Statistik kann man keinen Glauben schenken. Unsere Enkel gehen in die Sportoberschule und ins Sportgymnasium. An der Oberschule gibt es so gut wie keinen Ausfall! Am Gymnasium hingegen fallen regelmäßig mindestens 2 Wochenstunden aus, die Quote liegt bei 8-10%, wenn man den Profilsport rausnimmt, der ja von Trainern und nicht von Lehrern gehalten wird. Aber offenbar gibt es Mittel und Wege, die Statistik zu beschönigen.



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