Andere Vereine im CFC-Stadion: "Der Vorschlag ist blanker Hohn"

Fußballklubs aus der Stadt reagieren mit Befremden auf die Rathaus-Pläne, die Arena am Sonnenberg für andere Teams zu öffnen. Ein Vereins-Chef macht dem Chemnitzer FC statt dessen ein Angebot.

Chemnitz.

Im Vergleich zum Chemnitzer FC ist der BSC Rapid ein eher kleiner Verein. Während der insolvente Drittligist, der in der nächsten Saison nach dem Abstieg nur noch viertklassig spielen wird, mehr als 2500 zahlende Mitglieder aufweist, sind es beim BSC Rapid lediglich 500; die Hälfte davon Kinder und Jugendliche. Und während der CFC ausschließlich fußballerisch unterwegs ist, weist der BSC Rapid Dutzende Sportgruppen und mehrere Abteilungen wie Kraftsport, Kegeln, Tischtennis auf, nur eine davon ist Fußball. Die Kicker sind dabei in der Landesliga unterwegs, das ist die sechsthöchste Spielklasse, und sie treten dort an gegen Teams aus Pirna, Großenhain oder Reichenbach. Die Anlage, wo der Klub seine Heimspiele bestreitet, ist das sogenannte Kappeldrom an der Irkutsker Straße, das Hauptstadion fasst 3000 Zuschauer.

Fraglich scheint da, ob man umziehen will. Nach Plänen der Stadtverwaltung soll das für 27 Millionen Euro errichtete CFC-Stadion im Stadtteil Sonnenberg auch von anderen Fußballvereinen der Stadt genutzt werden können - gegen eine vierstellige Spieltagsmiete, 4000 bis 6000 Euro sind im Gespräch. Für BSC-Präsident Christian Scharf ist dieser Vorschlag "blanker Hohn", wie er am Dienstag der "Freien Presse" sagte. "Wer das gesagt hat, kann es nur als Scherz gemeint haben", fügt er hinzu. Für ihn klinge das alles so, als ob die kleinen Vereine der Stadt "mit ihrem nicht vorhandenen Geld jetzt ausbaden sollen, was der CFC und die Stadt falsch gemacht haben". Schon aus Kostengründen seien für den BSC Rapid Spiele in einem solch großen Stadion undenkbar - "und schon gar nicht, wenn dort noch das CFC-Logo dran hängt", wie er hinzufügt.

Ähnlich äußert sich auch Oliver Reh, Präsident des VfB Fortuna Chemnitz, dessen erste Mannschaft in der Landesklasse West spielt und dort derzeit Tabellenzweiter ist. Die Landesklasse ist die siebthöchste Liga im deutschen Fußball-System. Reh sagt, ein Spiel im großen Stadion wäre für seine Mannschaft sicher reizvoll, allerdings mache das bei einem Punktspiel mit rund 100 Zuschauern überhaupt keinen Sinn. "Da müsste man schon ein Freundschaftsspiel gegen eine richtig große Mannschaft hinbekommen", fügt er hinzu. Generell seien die Kosten für ein solches Spiel "viel zu hoch für einen Verein wie unseren". Statt dessen fielen ihm sofort etliche Dinge ein, die er mit den 4000 Euro Spieltagsmiete anfangen würde - "wenn wir sie denn hätten", so Reh. Ein einziges Spiel im großen Stadion gehöre jedenfalls nicht dazu.

Christian Scharf vom Landesligisten BSC Rapid macht unterdessen einen eigenen Vorschlag: Der CFC könne sehr gern im Stadion an der Irkutsker Straße spielen. "Wir würden das sogar für viel weniger Miete anbieten", sagt er. Die Zuschauerkapazität würde auch für den CFC genügen, so Scharf. Und erst vor kurzem habe man auch Sicherheitsbereiche für bis zu 800 Gästefans geschaffen. Scharf: "Das sollte in der Regionalliga doch reichen."

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5Kommentare
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  • 4
    6
    acals
    06.06.2018

    Rückblickend betrachtet lässt sich auch hier feststellen, dass alleine durch die Art und Weise wie Einsprüche gegen den Stadionbau verbal bedacht worden sind, dieses Projekt keine tragfähige Zukunft haben konnte.
    Ich möchte Ihren Kommentar @ZwischenDenZeilen aufnehmen und erlaube mir darauf hinzuweisen, dass eine Rathausspitze keine Rathausspitze wäre wenn einige Verwaltungsmitarbeiter im Nahmen dieses Spitze etwas posten. Was wir hier lesen dürfen ist von ganz oben abgesegnet, wenn nicht, wäre unsere OB nur noch eine (Ab)Nick-Oma, die die Fäden nicht mehr in der Hand hat.

    Ich möchte weiter vor allem dem im Artikel zitierten Präsidenten des BSC Rapid Chemnitz meinen Respekt ausdrücken - da gehört schon Mumm dazu sich so zitieren zu lassen! Zumal, mit solchen Äusserungen stellt er sich offen gegen die immer wieder gestreuten Anmerkungen, dass ja alle anderen gerade Chemnitzer Fussballvereine wie verrückt leiden weil es dem CFC so schlecht geht.

    An den CFC gerichtet: Ich wünsch Euch sportlichen Erfolg. Habt die Traute und seid ehrlich zu Euch selbst und führt Euch wie Profis auf - die brauchen den kommunalen Steuerzahler nicht.

  • 4
    2
    bürgerenergie
    06.06.2018

    Interessanter Vorschlag am Ende des Beitrags! Damit könnte sich zumindest des CFC als Verein wieder emanzipieren und bliebe nicht auf Gedeih und Verderb dauerhaft auf ungeeignete "Rettungsstrategien" der Stadtspitze mit ihren großen Betrieben angewiesen.

  • 8
    4
    Steuerzahler
    06.06.2018

    Es ist der Irrsinn oder Zynismus des Monats, dass die vielen Vereine, die bei der großzügigen Förderung eines viertklassigen CFC leer ausgingen, jetzt mit für ihre Verhältnisse horrenden Mieten das Stadion nutzen sollen, nachdem die Stadtverwaltung und ihre Räte den Karren in den Dreck gefahren haben. Wann endlich wird das Strafrecht so geändert und angewandt, dass das mutwillige Verschleudern von Steuergeldern (es kann ja niemand sagen, es sei nicht gewarnt worden) strafbar ist.

  • 13
    3
    698236
    05.06.2018

    Vom Grundsatz brauchte die Stadt Chemnitz ein neues Stadion. Das dies nicht im Sportforum geschah, bleibt Geheimnis der der Oberbürgermeisterin. Wenn Prestigeobjekte gebaut werden, dann mit Sinn und Verstand. Leider kommen die Entscheider immer wieder davon. Der Steuerzahler zahlt ohne erkennen zu können, wer wie wann wo die Entscheidung vorbereitet hat.
    Der gesamte Prozess der letzten 2 JAhre bedarf da wohl einer staatsanwaltschaftlichen Aufarbeitung, wenn jetzt die GG-Mieter für Fehlentscheidungen der Oberbürgermeisterin haften sollen. ICh bin schon überrascht, wie leichtfertig Entscheidungen getroffen werden, ohne auf die Bedenken Rücksicht zu nehmen, die seinerzeit gegeben worden sind.

  • 16
    4
    ZwischenDenZeilen
    05.06.2018

    Soviel zum Realitätssinn und zur Bodenständigkeit einiger Verwaltungsmitarbeiter .. langsam wird die Causa CFC-Stadion ein Fall für extra 3 "Irrsinn der Woche". Wer nicht gerade zufällig als Bürger betroffen ist, kann bestimmt laut drüber lachen.



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