Auschwitz-Komitee verleiht Ehrenmedaille an Chemnitzer

Justin Sonder war siebzehn, als ihn die Nazis wegen seiner jüdischen Herkunft ins Konzentrationslager deportierten. Er überlebte und berichtet über diese Zeit an vielen Schulen. Jetzt wollen ihn Azubis zu VW einladen.

In diesem Jahr feierte einer seinen 90. Geburtstag, der in der Zeit zwischen 1943 und 1945 im Vernichtungslager Auschwitz interniert war und dort täglich dem Tod ins Auge blickte: Justin Sonder. Der Chemnitzer mit jüdischen Wurzeln ist nun vom Internationalen Auschwitz-Komitee - einer von Überlebenden des Lagers Auschwitz-Birkenau gegründeten Vereinigung ehemaliger Häftlinge - mit einer Ehrenmedaille ausgezeichnet worden. Sie ist aus Bronze und zeigt auf Vorder- und Rückseite jeweils das Tor des Konzentrationslagers Birkenau - einmal mit Blick von außen sowie einmal von innen. "Die Nazis haben den Häftlingen gesagt, sie würden das Lager nicht durch das Tor, sondern nur durch die Esse verlassen. Die Medaille soll daran erinnern, dass sie nicht Recht behalten haben", erläutert Christoph Heubner vom Komitee die Wahl des Motivs.

Justin Sonder zählt laut Heubner nun zu weltweit rund 400 in dieser Form Ausgezeichneten. Grund der Ehrung ist nach Mitteilung des Komitees, dass Sonder zu denen gehört, die sich als Überlebende nach ihrer Zeit im Konzentrationslager nicht in Schweigen zurückgezogen, sondern ihre Stimme erhoben haben, um Aufklärungs- und Präventionsarbeit zu leisten, vor allem bei Kindern und Jugendlichen. Organisiert vom Gewerkschaftlichen Verein für Kultur, Bildung und Entwicklung in Chemnitz absolvierte Sonder seit 1997 mehr als 500 Veranstaltungen mit etwa 15.600 Schülern, vor allem in Chemnitz und Umgebung.

Die Ehrung fand am Dienstag in der Jugendkirche St. Johannis statt. Gäste waren dort neben Vertretern aus Bundes-, Landes- und Lokalpolitik sowie der Jüdischen Gemeinde Chemnitz auch Auszubildende des Volkswagen-Konzerns. Darunter die 17-jährigen Chemnitzer Lehrlinge Oliver Eichler und Philipp Prause. Sie hatten sich im September an einer von Volkswagen geförderten Projektarbeit in der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau beteiligt und dort Arbeiten zur Erhaltung der Stätte geleistet. Die Zeit vor Ort habe ihn reifer werden lassen und emotional berührt, so Philipp Prause. Oliver Eichler erklärte, dass ihm das Projekt gezeigt habe, wie wichtig es sei, sich dafür zu engagieren, dass etwas wie Auschwitz nie wieder möglich wird. Für beide bot die Veranstaltung Gelegenheit, Justin Sonder erstmals persönlich zu begegnen. Das Aufeinandertreffen brachte die Lehrlinge auf eine Idee. Innerhalb der Ausbildung gibt es für die Lehrlinge bei VW auch eine "Woche gegen Rechts". Und zu der, so schlugen sie mit Blick auf das Wissen des Zeitzeugen vor, sollte Justin Sonder unbedingt einmal eingeladen werden. Der 90-Jährige will seine Aufklärungsarbeit fortsetzen, solange seine Kräfte reichen.

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