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Geduldsprobe auf der Leipziger Straße: Die ohnehin stark frequentierte Ausfalltrasse ist momentan an mehreren Stellen eingeengt, zum Beispiel an der Einmündung zur Bergstraße (Foto). Im Berufsverkehr sollte der Stau immer eingeplant werden.

Foto: Toni Söll

Baustellenchaos und Umleitungen: Chemnitz steht im Stau

Auf fast allen Ausfallstraßen, aber auch in vielen Stadtteilen stockt der Verkehr. Kaum zu glauben: Laut Rathaus werden alle Arbeiten vorab untereinander abgestimmt.

Von Michael Müller
erschienen am 10.10.2017

Endlich mal mit anderen Großstädten mithalten können - dieser Komplex plagt so manchen Chemnitzer. Zumindest, wenn es um die nicht vorhandene Starbucks-Filiale geht, um besonders angesagte Läden zum Einkaufen oder um ein florierendes Nachtleben. Auf andere Elemente von Urbanität hingegen würde man hierzulande liebend gern verzichten. Derzeit wohl vor allem auf die in Umfang und Anzahl eher ungewohnten innerstädtischen Staus.

Anderswo in erster Linie schlicht durch hohes Verkehrsaufkommen ausgelöst, scheint das Problem in Chemnitz derzeit weitgehend hausgemacht - durch eine Vielzahl gleichzeitig eingerichteter Baustellen. Allein mehr als 40 große und bedeutende Straßen sind laut Tiefbauamt in diesen Wochen betroffen, viele kleinere Verkehrsbehinderungen in den Wohngebieten oder auf Straßen mit eher geringer Bedeutung noch gar nicht mitgerechnet. Sie behindern den Straßenverkehr zum Teil massiv und führen bisweilen zu weiträumigen Umleitungen.

Und nicht selten sind auch diese offiziellen Umleitungsstrecken wiederum mit weiteren Baustellen belegt. Die Folge: Neue Staus und Ampelschaltungen, die den Verkehr nur noch bedingt zu steuern in der Lage sind. Wer derzeit am Fuße des Kaßbergs etwa von der Limbacher Straße nach links auf die Barbarossastraße abbiegen möchte, kommt derzeit oft auch bei grüner Ampel nicht voran. Der Grund: Eine Baustellenampel kurz hinter der Kreuzung stoppt den Verkehr.

"Es ist kaum möglich, ohne Umleitung mit dem Auto von A nach B zu kommen", staunt ein Neu-Chemnitzer. Der Mittvierziger lebt und arbeitet erst seit einigen Monaten in der Stadt und wundert sich, an wie vielen Stellen zeitgleich Fahrbahnen saniert, neue Haltestellen errichtet, alte Kanäle erneuert oder unterirdische Leitungen ausgetauscht werden. In einem ist er sich mit vielen alteingesessenen Chemnitzern einig: "Einen wirklich koordinierten Eindruck macht das nicht."

Gefragt, was er im Vergleich zu anderen Großstädten am Standort Chemnitz schätze, äußerte ein erfolgreicher Jungunternehmer vor einigen Jahren: "Dass man hier in einer halben Stunde mit dem Auto vom einen Ende der Stadt ans andere gelangen kann, ohne großartig im Stau zu stehen." Auch dies habe etwas mit Lebensqualität zu tun, meinte er. Von diesem Standortvorteil aber ist im Moment nicht mehr viel zu spüren. Wer in der Stadt unterwegs ist, muss sich auf deutlich längere Fahrzeiten einstellen als gewohnt. Vom Bahnhof auf den Kaßberg kann es da schon mal an die 30Minuten dauern,auch außerhalb des Berufsverkehrs. Zu Fuß würde man kaum mehr Zeit benötigen.

Alternativen oder Schleichwege zu finden, ist in vielen Fällen aussichtslos. Denn nahezu alle großen Ausfallstraßen sind derzeit von Baustellen und Einschränkungen betroffen, und das oft über Wochen oder gar Monate hinweg. Auch mehrere wichtige Querverbindungen zwischen den Stadtteilen sind gesperrt, wie etwa die Emilienstraße (Schloßchemnitz/Hilbersdorf) und die Hofer Straße (Sonnenberg).

Im Rathaus scheint man sich der besonderen Situation durchaus bewusst zu sein. "Die derzeitige Belastung der innerstädtischen Straßen durch Baustellen ist als sehr hoch einzuschätzen", bestätigt ein Sprecher auf Anfrage. Und er versichert: Die Baumaßnahmen seien durchaus langfristig untereinander abgestimmt worden, in koordinierten Bauablaufplänen, zeitlich und räumlich nach den jeweiligen fachlichen Rahmenbedingungen.

Dass es dennoch zu "Belastungsspitzen" komme, sei nicht zuletzt auf Verzögerungen bei einzelnen länger dauernden Bauprojekten zurückzuführen, heißt es. Um die Belastung in Grenzen zu halten, würden einzelne Vorhaben ganz bewusst innerhalb der Schulferien angegangen, wenn das innerstädtische Verkehrsaufkommen etwas niedriger ist. Aktuell sei dies unter anderem bei der Deckensanierung auf der Theaterstraße der Fall, ebenso bei den Arbeiten im Bereich Carola-/ Bahnhofstraße.

Das Grundproblem aber wird den Chemnitzern noch länger erhalten bleiben. Allein die Arbeiten im Bereich Bahnhofstraße/Zentralhaltestelle dauern noch bis Frühjahr kommenden Jahres.

Eine Übersicht zu Baustellen, die den Verkehr im Stadtgebiet behindern, finden Sie jeden Montag in der "Freien Presse".

 
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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Kommentare
3
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 10.10.2017
    23:15 Uhr

    Steuerzahler: Nein, die Zinsen spielen bei der Konzentration auf den Herbst keine Rolle! Eher die Arbeitsweise und Schnelligkeit der Stadtverwaltung und deren Einstellung zum motorisierten Verkehr in Chemnitz!

    0 3
     
  • 10.10.2017
    11:08 Uhr

    Haecker: An den Zinsen kann es tatsächlich kaum liegen, wohl aber an der langen Dauer vieler Tiefbauarbeiten.

    0 3
     
  • 10.10.2017
    08:33 Uhr

    Pixelghost: In Chemnitz wird im letzten Quartal des Jahres das Geld ausgegeben. Vorher bleibt es schön auf den Konten liegen. Doch Zinsen gibt es doch wohl gar keine mehr, oder?

    0 2
     
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