Bewaffneter Mann weiter auf der Flucht

Ein 29-Jähriger wird seit mehreren Tagen gesucht, weil er seine Ex-Freundin und deren Familie bedroht haben soll. Am Dienstagabend rückte die Limbacher Innenstadt in den Fokus der Polizei.

Hartmannsdorf/Limbach-Oberfrohna.

Zwei Polizeifahrzeuge halten in der kurzen Verbindungsstraße zwischen den beiden Hauptstraßen von Hartmannsdorf. Mehrere Polizisten in Schutzausrüstung mit Maschinengewehr, Handfeuerwaffe und Helm verlassen die Autos und teilen sich auf. Zu viert gehen sie zu einem Mehrfamilienhaus, kontrollieren den Garten und postieren sich am Eingang. Ein anderer Trupp bewacht das gegenüberliegende Haus.Für einen 79-jährigen Anwohner ein gewohntes Bild: "Seit Sonntag geht das so. Das sind kriegsähnliche Zustände." Er habe die Nacht kaum schlafen können. Rund um die Uhr patrouillieren schwer bewaffnete Polizisten in der Straße. Denn dort hat der Hartmannsdorfer gewohnt. Der 29-Jährige soll seine 33-jährige Ex-Freundin mit zwei Kindern und deren Familie im Limbach-Oberfrohnaer Ortsteil Pleißa bedroht haben. Seit Dienstagnachmittag fahndet die Polizei auch öffentlich mit Foto nach dem Mann, weil von ihm eine Bedrohung ausgeht, sagt Polizeihauptkommissarin Jana Ulbricht. "Der Mann ist wahrscheinlich bewaffnet", ergänzt sie. Ein Nachbar beschwert sich, dass er keine Informationen erhalten hat. "Wir müssen uns doch in Sicherheit bringen, falls geschossen wird."

Seit Sonntagmittag sind etwa 230 Polizisten im Großraum Chemnitz im Einsatz, um nach dem Flüchtigen zu suchen. "Seit Mitte April beschäftigen wir uns mit dem Fall", sagt Ulbricht. Es habe mehrfach Anzeigen wegen Bedrohung gegeben. Am Sonntagmorgen sei es erneut zu einer Konfrontation gekommen, fügt sie hinzu. Der mutmaßliche Täter sei flüchtig. "Seitdem sind wir im Dauereinsatz", sagt Ulbricht. Die Ex-Freundin und deren Familie sei vorsorglich an einen sicheren Ort gebracht worden. "Der Familie geht es gut", sagt Ulbricht. Es sei für sie eine schwierige und belastende Situation. Die Familie des Gesuchten wohnt in der selben Straße wie er. Sein Opa sagt, er wisse nicht, wo sein Enkel ist. Eigentlich hätte er jetzt für eine Spedition fahren müssen. Anwohner beschreiben den jungen Mann als Einzelgänger. Er habe keine Freunde, sei unauffällig, heißt es.

Der Gesuchte soll Mitglied in einem Schützenverein gewesen sein. Sportkollegen bestätigen das, wollen sich aber nicht äußern. Polizeisprecherin Jana Ulbricht erläutert, dass aufgrund von Vorfällen seine Waffen eingezogen und er aus dem Verein ausgeschlossen worden sein soll. Details könne nur das zuständige Landratsamt, das Waffenscheine ausstellt, sagen. Ein befragter Pressesprecher erklärt, dass eine Behörde zu Einzelfällen keine Auskunft gibt. Aber Polizeisprecher Andrzej Rydzik ergänzt, dass in der Wohnung des 29-Jährigen keine Waffen gefunden worden seien. Wahrscheinlich hatte der junge Mann aber die Möglichkeit, sich im Verein Nachschub zu besorgen. "Im Schrank des Schützenvereins fehlt eine Waffe", sagt Rydzik. Ob es sich dabei um eine Maschinenpistole handelt, wie es zunächst hieß, dazu äußert sich der Polizeisprecher nicht. Am Sonntagnachmittag gab es laut Polizei Hinweise darauf, dass sich der 29-Jährige in ein Waldstück an der Autobahn 4 zwischen Gewerbegebiet Pleißa-West und Rabensteiner Wald aufhalte. Die Suche mit einem Hubschrauber und Polizeitrupps wurde bei Dunkelheit eingestellt. Wegen des Regens konnte der Einsatz erst am Dienstagnachmittag fortgesetzt werden. Zu diesem Zeitpunkt erfolgte noch keine Öffentlichkeitsfahndung, weil der entscheidende Amtsrichter zunächst davon ausgegangen war, dass keine unmittelbare Gefahr für Unbeteiligte bestehe, hieß es.

Am Eingang des Gewerbegebietes sammeln sich Polizeitrupps mit Hunden. "Wir durchkämmen den Wald mit reichlich 100 Beamten", sagt Sprecher Rydzik. Auch gepanzerte Spezialfahrzeuge sind im Einsatz. Von einem Hubschrauber aus wird mit einer Wärmebildkamera nach dem Flüchtigen gesucht. Laut Polizei wurde im Wald eine Lagerstätte gefunden, an der sich augenscheinlich Personen aufgehalten haben. Kriminaltechniker sicherten Spuren. Die Suche blieb allerdings erfolglos. Deshalb werden Kontrollen in Pleißa, Hartmannsdorf und Chemnitz, wo am Sonntag sein Auto gefunden worden war, fortgesetzt.

Am Abend kommen die Beamten unter anderem durch einen Hinweis zu der Erkenntnis, dass sich der Gesuchte in der Limbacher Innenstadt aufhalten könnte. Etwa 100 Polizisten mit Maschinenpistolen rücken zur Moritzstraße aus. Es werde untersucht, ob sich der Hartmannsdorfer in einem Gebäude verschanzt habe, sagt Polizeisprecher Rydzik gegen 22 Uhr. Nach Angaben eines Augenzeugen handelt es sich um das Postgebäude, das bis auf die Filiale im Hochparterre leer steht. Gefahr für die Anwohner besteht nach Rydziks Angaben aber nicht, Evakuierungen seien nicht nötig. Ein Spezialeinsatzkommando aus Dresden wird angefordert. Der folgende Einsatz kurz nach Mitternacht bleibt jedoch ohne Erfolg. (mit jop)

 

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1Kommentare
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  • 13
    13
    881924
    12.06.2018

    Und wieder mal schützt ein Richter/in einen pot. Täter völlig verkehrte Welt...



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