Bundesverdienstkreuz für Ingrid Mössinger

Die Museumschefin versteht die Auszeichnung als Ansporn

Berlin.

Am Ende schart Bundespräsident Joachim Gauck die Geehrten zum Gruppenfoto um sich. 29 Bundesbürger sind an diesem Vormittag am Berliner Dienstsitz des Staatsoberhaupts im Schloss Bellevue zusammengekommen, um die höchste zivile Auszeichnung der Republik entgegenzunehmen: den Bundesverdienstorden. Die Ehrung geht sowohl an weniger bekannte Engagierte aus ganz Deutschland als auch an so illustre Persönlichkeiten wie den ehemaligen Tagesthemen-Moderator Ulrich Wickert für seine Kinderstiftung, den ehemaligen DDR-Bürgerrechtler Wolfgang Templin für dessen Aufklärungsarbeit zur SED-Geschichte und an den aus Äthiopien stammenden Historiker und Bestseller-Autor Asaf-Wossen Prinz Asserate für seinen Beitrag zur Entwicklungshilfe. Auch der inzwischen in den USA lebende Musikwissenschaftler und einstige Leiter des Bach-Archivs Leipzig, Christoph Wolff, steht in Bellevue bereit für das Erinnerungsfoto mit Gauck.

Überdies ist unter den Ausgezeichneten eine Frau, die die sächsische Museumslandschaft in den vergangenen zwei Jahrzehnten nachhaltig geprägt hat: Ingrid Mössinger, die Generaldirektorin der Kunstsammlungen Chemnitz. Gauck würdigt die Kunstgeschichtlerin als eine Kuratorin, die die Kunstsammlungen "zur ihrem Lebenswerk und Sachsen damit um eine internationale Attraktion reicher gemacht hat". In der Laudatio heißt es weiter, "dank der herausragenden Aktivitäten" Mössingers seien die Kunstsammlungen "wieder die kulturelle Visitenkarte der Stadt" geworden. Mössingers Arbeit sei "im In- wie im Ausland hoch anerkannt" und habe zur Auszeichnung "Museum des Jahres 2010" geführt. Mössinger sagt nach dem offiziellen Festakt, es gebe "ein großes Missverhältnis zwischen dem Ruf, der Chemnitz überregional vorauseilt, und dem tatsächlichen immensen kunsthistorischen Reichtum, der in dieser Stadt beheimatet ist". Zugleich sei aber auch bei vielen Chemnitzern während der DDR-Zeit das Bewusstsein hierfür abhanden gekommen. Inzwischen ändere sich das jedoch allmählich. "Die Bestände der Kunstsammlungen sind ein Schatz, den es im Interesse der Öffentlichkeit zu heben gilt. Hierrum bemühe ich mich", sagt Mössinger.

Das Verdienstkreuz 1. Klasse könne ihr dabei helfen, beim Werben um neue Projekte Türen zu öffnen. "Es gibt mir Rückenwind für weitere Vorhaben in Chemnitz", sagt Mössinger und lächelt dabei vielsagend. Es scheint, als habe sie schon die eine oder andere Idee im Kopf. Bereits in den vergangenen 20 Jahren, in denen die gebürtige Stuttgarterin nun in Chemnitz aktiv ist, haben sich die Kunstsammlungen erheblich verändert und räumlich vergrößert. So eröffnete in der Villa Esche im Stadtteil Kapellenberg das Henry van de Velde-Museum, im historischen einstigen Sparkassenbau hat die Sammlung Gunzenhauser ein Domizil gefunden. Auch hierfür erhält Mössinger die Auszeichnung. Gauck sagt an Mössinger und alle anderen Geehrten gewandt, mit dem Orden "dankt Ihnen nicht nur Joachim Gauck. Es dankt Ihnen Ihr Land!"

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