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Der Klapperbrunnen steht ebenso unter Denkmalschutz wie das Pylonen-Hängedach, das den Wartebereich des Busbahnhofes überspannt. Architektonisch wertvoll oder verzichtbar? Die Chemnitzer haben zumindest das Wasserspiel ins Herz geschlossen.

Foto: Andreas Seidel

Busstation: Debatte um Dach und Brunnen

Die Fläche des Busbahnhofes soll bebaut werden. Vorher will die Stadt zwei Denkmale umsetzen. Das Vorhaben ist umstritten.

Von Mandy Fischer
erschienen am 03.07.2017

Er ist einst als Experimentalbau der Deutschen Bauakademie errichtet worden und galt nach seiner Fertigstellung als der modernste Omnibusbahnhof Europas. Es ist das 1200Quadratmeter große Dach, freitragend und an Stahlseilen hängend, weshalb dieses Bauwerk an der Straße der Nationen bis heute als architektonische Besonderheit gilt. Die Chemnitzer selbst reagierten ob der seinerzeit sehr modernen Architektur deutlich weniger euphorisch als die Experten auf den Neubau, haben sich mit den Jahren aber an Betonpfeiler und Seile gewöhnt. 2018 jährt sich die Eröffnung des Busbahnhofes zum 50.Mal.

Bis dahin werden Regional- und Fernbusse auch noch dort abfahren. Auf Dauer soll der Busbahnhof an dieser Stelle aber keinen Bestand mehr haben. Darin sind sich Stadt und Freistaat inzwischen einig. Derzeit lässt die Landesregierung die alte Aktienspinnerei zur Zentralbibliothek der Technischen Universität (TU) umbauen. Langfristig soll rund um den Schillerplatz ein Kultur- und Wissenschaftsquartier entwickelt werden. Vorgesehen ist unter anderem, dass der Freistaat den Platz vor der künftigen Bibliothek für eine TU-Nutzung umgestaltet. Der Architekturwettbewerb zur Aktienspinnerei hatte bereits einen städteplanerischen Teil beinhaltet. Dieser sieht unter anderem den Bau von zwei weiteren Gebäuden für das Institut für Wirtschaftswissenschaften sowie weitere Hörsäle und Seminarräume vor. Einen Zeitplan gibt es dafür noch nicht. "Keiner vermag heute zu sagen, wann die Umgestaltung des Platzes beginnen wird", sagte Börris Butenop, Leiter des Stadtplanungsamtes, jüngst vor Stadträten. Dennoch hat der Bauausschuss einen Bebauungsplan für den Bereich Schillerplatz/Aktienspinnerei beschlossen. Darin ist klar definiert, dass für den Busbahnhof dort künftig kein Platz mehr sein wird. Zugleich ist festgelegt, wie mit den als historisch wertvoll eingeschätzten Bestandteilen der zentralen Haltestelle zu verfahren ist.

Dazu gehört nicht nur das Pylonenhängedach, sondern auch der Klapperbrunnen nebenan. Seinen Namen verdankt er der Konstruktion, bei der das Wasser von oben auf große Schalen fließt, die unter der Last umkippen und sich mit klapperndem Geräusch wieder entleeren. Beide, Dach und Brunnen, stehen unter Denkmalschutz und haben Bestandsschutz. Weil sie aber wegen der späteren Bauvorhaben dort nicht bleiben können, schreibt der Bebauungsplan vor, dass für sie ein anderer geeigneter Standort zu finden ist. Aus Sicht von Butenop ist für Ab- und Aufbau dann der Freistaat verantwortlich.

Reiner Amme, als sachkundiger Bürger Mitglied im Bauausschuss, könnte sich das Pylonendach als "Scharnier zur Zentralbibliothek" vorstellen. Dafür müsste es verschwenkt werden. Es sei aufgrund seiner Konstruktion um bis zu 90Prozent drehbar. Chemnitzer Bürger hingegen würden das denkmalgeschützte Hängedach des Terminals wohl weniger vermissen als den Klapperbrunnen, wie eine Umfrage ergeben hat.

Für völlig absurd hält Sandro Schmalfuß, Gründer der Initiative Stadtbild Chemnitz, die Entscheidung des Standortwechsels. Er stellt das gesamte Vorhaben in Frage. Aus seiner Sicht hätte sich die Fläche hinter der Aktienspinnerei in Richtung Zöllnerplatz wesentlich besser geeignet, um für TU-Zwecke entwickelt zu werden. Gleichzeitig hätte der Busbahnhof bleiben können. Vor einigen Monaten allerdings ist das von Schmalfuß favorisierte Grundstück verkauft worden. Der Immobilien-Fachmann zweifelt zudem an der Umsetzung: "Wie soll das Dach abgebaut werden, ohne es dabei zu zerstören?" Über technische Details haben sich Stadt und Freistaat noch nicht abgestimmt. Tatsächlich aber scheint es Unbekannte in der Rechnung zu geben: Im Bebauungsplan wird zum Pylonendach eingeschätzt, dass nicht kalkulierbar sei, welche Schäden am Bauwerk langfristig auftreten und "ob eine bewahrende Sanierung mit wirtschaftlich vertretbarem Aufwand möglich sein wird".

Für Schmalfuß ist das gesamte Vorhaben noch aus einem anderen Blick fragwürdig: Mit dem Umzug des Busterminals sollen die Denkmale Dach und Brunnen weichen. Gleichzeitig ist vorgesehen, am Hauptbahnhof den ebenfalls unter Denkmalschutz stehenden Wasserturm abzureißen, weil diese Fläche wiederum gebraucht wird, um den neuen Busbahnhof zu etablieren.

Die Denkmalschutzbehörde hat zwar den Abriss vorerst nicht genehmigt - ein Grund, weshalb der Umzug des Busterminals derzeit auf Eis liegt. Grundsätzlich aber hält die Stadt an den Umzugsplänen fest, heißt es aus dem Bauamt. Das wäre eine Rückkehr für den Busbahnhof. Vor Eröffnung des Standortes an der Straße der Nationen 1968 fuhren Regional- und Stadtbusse am Hauptbahnhof ab.

 
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Kommentare
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Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 03.07.2017
    21:02 Uhr

    Hankman: Ich kann nicht nachvollziehen, warum der Busbahnhof dort unbedingt weg soll. Aber für den Fall, dass es dabei bleibt und die beiden Denkmäler wegmüssen, hätte ich zwei Vorschläge: 1. Den Klapperbrunnen auf dem Markt aufstellen! Für diesen Standort wurde doch immer ein Brunnen gesucht, und keine der bisherigen Ideen war überzeugend. 2. Das Pylonendach des Busbahnhofs könnte man abbauen und am neuen Standort des Busbahnhofes wieder aufbauen (bzw. originalgetreu nachbauen). Irgendwas zum Unterstellen braucht man ja auch dort.

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  • 03.07.2017
    19:30 Uhr

    karstenp: Ja, das ist konzeptionell perfekte Planung, nur Laien können so entscheiden, Chemnitz beraubt sich seiner eigenen Kultur und Entwicklung, weiter so!!!!

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