Chemnitzer Schulidee blitzt im Kultusministerium ab

Die Elterninitiative, die eine neue reformpädagogische Bildungseinrichtung in der Stadt etablieren will, sieht ihr Konzept trotz des ersten Dämpfers nicht verloren. Erstmals ist auch ein Standort im Gespräch.

Zweieinhalb Jahre hat der Verein "Gute Schule" an seinem Konzept gefeilt. Am Ende wollen die Initiatoren - Eltern und Pädagogen- neben dem Chemnitzer Schulmodell ein zweites reformpädagogisches Haus in der Stadt etablieren, nicht in freier Trägerschaft, sondern als staatliche Einrichtung.

Zu den Kernpunkten gehören das gemeinsame Lernen von Klasse 1 bis 10 sowie ein jahrgangsübergreifender Unterricht, bei dem Kinder unterschiedlichen Alters zusammen lernen. Des Weiteren legt die Initiative Wert auf eine differenzierte Leistungsbewertung, die sich nach der Entwicklung des Kindes und nicht nach dem Klassendurchschnitt richtet. Auf Schulnoten soll verzichtet werden. All das passt allerdings nicht zum sächsischen Bildungssystem, das unter anderem daran festhält, eine Entscheidung in Klasse4 zu treffen, ob das Kind danach Oberschule oder Gymnasium besucht. Dennoch hat der Verein sein Konzept dem Kultusministerium zur Bewertung vorgelegt - und musste einen Dämpfer einstecken: Mehrere Punkte werden kritisch gesehen, heißt es in der Antwort. Unterm Strich steht: "Das Konzept ist nicht vereinbar mit den Regelungen des Schulgesetzes."

Für die Eltern kein Grund aufzugeben, sagt Marko Rößler, einer der Initiatoren. Der Verein will mit dem Ministerium im Dialog bleiben, ausloten, was vom Konzept umgesetzt, wo nachgearbeitet werden kann. So könnte ein Kompromiss lauten, nicht komplett auf Noten zu verzichten, sondern diese ab Klasse 8 einzuführen. Rößler: "Wir wussten, dass es ein sehr steiniger Weg wird." Die Initiative will das Konzept außerdem in der Öffentlichkeit diskutieren, das nächste Mal bei einer Veranstaltung mit dem Reformpädagogen Otto Herz am 17. Oktober in der Stadtbibliothek im Tietz. Dass das Interesse an der Schulidee groß ist, zeigt, dass die unverbindlichen Anmeldeliste des Vereines laut Rößler 131 Kinder vermerkt.

Darüber hat der Verein auch mit Vertretern von Stadtratsfraktionen diskutiert - während der Freistaat für Lehrinhalte verantwortlich zeichnet, ist die Kommune für die Gebäude zuständig. Momentan steigt die Schülerzahl, weshalb die Stadt aufstockt. Mehrere neue Oberschulstandorte sind bereits beschlossen. Für das Gute-Schule-Konzept würde sich ein Stadtteil besonders eignen: In Altendorf sind Grund- und Oberschule bereits an einem Standort etabliert - theoretisch. Praktisch lernen die Grundschüler derzeit woanders, weil in Altendorf kein Platz für sie ist. Deshalb will die Stadt neben dem bestehenden Gebäude bis 2021 ein neues Schulhaus bauen, bestätigt Baubürgermeister Michael Stötzer. Drei Millionen Euro seien dafür vorgesehen. Mit den neuen Räumen wäre das Vereinskonzept der Gemeinschaftsschule gut umzusetzen, sagt auch Joachim Siegel, bildungspolitischer Sprecher der Links-Fraktion, die die Idee unterstützt. Dennoch bleibt er aufgrund der sächsischen Schulpolitik skeptisch, was die Umsetzung betrifft. Die Elterninitiative will in Kürze mit Altendorfer Schulleitung und Eltern ins Gespräch kommen, sagt Rößler.

Der Verein hatte sich zudem in die Debatte um das neue sächsische Schulgesetz eingemischt, das im kommenden Jahr in Kraft treten soll. Gespräche gab es dazu mit Handwerkskammer sowie Industrie- und Handelskammer, die ebenfalls ein längeres gemeinsames Lernen fordern. Dem schlossen sich nach Aufruf des Vereines auch Unternehmen der Region an, darunter der weltweit agierende Maschinenbauer Niles-Simmons. Der geschäftsführende Gesellschafter Hans. J. Naumann unterschrieb die Forderung an den sächsischen Landtag, die Gemeinschaftsschule als optionale Schulform im Gesetz aufzunehmen. Eine Entscheidung über den Bildungsweg der Kinder nach Klasse 4 sei zu früh. Momentan seien zuviele Oberschüler zu leistungsschwach, um den späteren beruflichen Anforderungen gerecht zu werden, sagt der Präsident der Handwerkskammer, Dietmar Mothes.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
1Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

  • 2
    0
    DerKuckuck
    04.10.2016

    Achso auf Noten verzichten. Und wie soll dann ein neutrale objektive Leistungsbewertung aussehen. Steht auf dem Zeugnis dann nur noch "Wir glauben der kann Rechnen". Noten find ich wichtig und das waren sie auc für mich als Schüler um mich selbst einzuschätzen. Was ich aber richtig finde die Trennung der Schullaufbahnen in der 4ten abzuschaffen. Das ist Käse. Manche Schüler entwickeln sich erst später, können dann in der 8ten zum Gymnasium nicht mehr aufholen. Bis zur 8ten sollten alles zusammen bleiben.



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...