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Vereinschefin Christiane Fiedler und Lisabeth Gerlach, ehrenamtliche Mitarbeiterin, entscheiden, welche Lebensmittel genießbar sind.

Foto: Toni Söll

Der Tafel fehlen Geld und Helfer

Seit 20 Jahren versorgt der Verein arme Menschen mit preiswerten Nahrungsmitteln. Jetzt braucht die Organisation selbst Hilfe.

Von Andreas Klinger
erschienen am 06.01.2018

Schönau. Die Idee hinter der Tafel ist simpel: Bedürftige erhalten preiswert Lebensmittel, die sonst auf dem Müll landen würden. Immerhin werden in Deutschland laut einer Studie mehr als 300 Kilogramm genießbarer Lebensmittel weggeschmissen - und das jede Sekunde.

Um dem etwas entgegenzusetzen, gründete Christiane Fiedler mit fünf ehrenamtlichen Mitstreitern die Tafel Chemnitz. Aktuell kommen etwa 140 Familien pro Woche in die Ausgabestelle an der Zwickauer Straße, so Fiedler, die mittlerweile Geschäftsleiterin ist. Hilfe von der Tafel erhalte, wer etwa Arbeitslosengeld II, Sozialhilfe oder auch Asylleistungen bekommt. Durch die Flüchtlingskrise im Jahr 2015 sei die Anzahl der Leute, die die Tafel aufsuchen, um ein Fünftel gestiegen.

Doch jetzt gerät die Tafel selbst in Not. Die Geschäftsführerin spricht von einem schwierigen Jahr, das hinter dem Verein liege. Das Spendenaufkommen sei zurückgegangen, wie schon im Vorjahr. Staatliche Unterstützung erhalte der Verein keine. Die Ausgaben belaufen sich laut Fiedler jährlich auf etwa 132.000 Euro. Die Spenden decken diese Kosten nicht. 2016 nahm die Tafel 41.000 Euro ein, 2015 waren es 45.000Euro. Zudem zahle jeder Abholer zwei bis fünf Euro pro Essensausgabe. "Die Höhe hängt von der Menge der Nahrungsmittel und der Anzahl der Personen ab", sagt Fiedler. Eine Bezahlung sei wichtig, um den Menschen auf Augenhöhe zu begegnen, die sich nicht als Almosenempfänger fühlen sollen.

Um die Lebensmittel heranzuschaffen, arbeite die Tafel mit mehr als 50 Supermärkten und Discountern, sechs Bäckereien und weiteren Geschäften zusammen. Der Verein erhalte Lebensmittel, die noch genießbar seien, aber aus dem Verkauf genommen wurden. "Dazu gehören Produkte vom Vortag oder Obst und Gemüse, das nicht mehr so gut aussieht und von Kunden eher liegen gelassen wird", sagt Fiedler. Auch falsch etikettierte Lebensmittel liegen bei der Tafel. "Am häufigsten überlassen uns die Märkte Wurst, Käse, Joghurt oder andere weniger lang haltbare Produkte."

Sorgen um die Bekömmlichkeit seien unbegründet. "Wie jeder andere Lebensmittelhändler auch, sind wir zur lückenlosen Einhaltung der Kühlkette verpflichtet", so Fiedler. Die Tafel verfügt über zwei Transportfahrzeuge mit Kühlräumen. Damit seien zwei festangestellte und ein ehrenamtlicher Fahrer an sechs Tagen in der Woche von 7 bis 16 Uhr unterwegs. Viel zu wenig, wie Fiedler findet. Sie sucht händeringend weitere Fahrer. Aufgrund der Arbeitszeiten sei die Tätigkeit ungeeignet für Studenten und Berufstätige. Infrage kommen würden Rentner, die etwas hinzuverdienen wollen, aber auch belastbar sind. Sie müssten mit anpacken, die Transporter be- und entladen. Doch nicht nur Fahrer werden gesucht, sondern auch Helfer, die Lebensmittel in der Ausgabestelle sortieren, sagt die 57-jährige Chefin. Das Ehrenamt werde mit einem Euro pro Stunde vergütet.

Hartz-IV-Empfänger sieht die Geschäftsleiterin nicht nur als potenzielle Nutzer der Essensausgaben. Sie könnten auch in den Bundesfreiwilligendienst bei der Tafel einsteigen. Ein Verdienst von bis zu 200Euro pro Monat sei möglich, ohne dass es Abzüge beim Arbeitslosengeld gebe.

 
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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Kommentare
17
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 11.01.2018
    16:47 Uhr

    Pedaleur: @Interessierte: Können Sie diese Staaten, die sich explizit um ihre Armen kümmern, mal mit konkreten Unterstützungsbeispielen aufzählen? Bitte nicht gleich mit DDR anfangen.
    Die Tafel- Grundsätze sagen etwas über die Finanzierung aus.
    Die Grundsätze sind Punkt 3 abschließend formuliert: https://www.tafel.de/ueber-uns/unsere-werte/tafel-grundsaetze/
    Soweit ich weiß, werden auch Ehrenamtliche gefördert. Es gibt in Sachsen Programme dafür. Aber wenn es keine Menschen gibt, die sich engagieren wollen (weil es ihnen eben mindestens genauso, vermeintlich sogar schlechter geht und selber auch nix bekommt), nützt es auch nichts!
    Wenn unsere Vorfahren genauso gedacht hätten, wir hätten weder DRK, Diakonie oder ASB.
    Dass die Spenden zurückgehen, ist vielleicht sogar ein Wohlstandsproblem. Die Schere geht auseinander und die Verantwortung und Solidarität verloren.

    1 4
     
  • 10.01.2018
    10:55 Uhr

    Vandanser: @HHCL: Hallo HHCL! Um das leidige Thema abzuschließen:
    Ich mache weder alle noch jeden verantwortlich, nur den Staat. Ein Leben lang gearbeitet für ein Almosen an Rente. Wenn ich mit einer Rente abgespeist werde, zum Leben zu wenig zum Sterben zuviel, dann läuft was quer. Bei angemessener, ausreichender Rente WÄRE die Tafel (Spenden) überflüssig. Es können/wollen nicht alle in den Parteien untertauchen und sich Pensionen schenken (nicht verdienen) lassen.
    Und für die sogenannten "Zugereisten" soll mal das Begrüßungskomitee was locker machen. ENDE--AUS und Tschüß

    6 4
     
  • 10.01.2018
    08:50 Uhr

    HHCL: Mir kam nur die Vermutung, da Sie in Ihrem Kommentar vom 8.1. alles und jeden für ihre Probleme verantwortlich zu machen scheinen.

    3 1
     
  • 09.01.2018
    07:50 Uhr

    Vandanser: @HHCL 08.01. 15:44 : Nee, aber was hat das mit der Tafel zu tun ??
    Kurz zu Ihrer Frage: Vati und Mutti haben mich großgezogen, mich zur Schule geschickt, mir ne Lehre organisiert, mich zur Truppe geschickt, mir ne Frau gesucht, Vati hat meine Kinder gemacht, Mutti wäscht immer noch meine Wäsche u.s.w. Soll ich weitermachen? So eine dämliche Frage. Thema verfehlt - 5 - setzen . Ich glaube mich zu erinner--- hier gehts um die Tafel und nicht um Lebensläufe der hier Schreibenden. Es zwingt Sie keiner meine Kommentare zu lesenn. Und werden Sie bitte nicht persömlich!

    3 3
     
  • 08.01.2018
    17:36 Uhr

    Freigeist14: Soeben kam im mdr-Radio, daß die Chemnitzer Tafeln freiwillige Helfer suchen. Worauf warten Sie noch,Interessierte@? Wer anderen hilft,ohne nach einer Gegenleistung zu fragen,ist allgemein zufriedener.

    1 8
     
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