Der Tafel fehlen Geld und Helfer

Seit 20 Jahren versorgt der Verein arme Menschen mit preiswerten Nahrungsmitteln. Jetzt braucht die Organisation selbst Hilfe.

Schönau.

Die Idee hinter der Tafel ist simpel: Bedürftige erhalten preiswert Lebensmittel, die sonst auf dem Müll landen würden. Immerhin werden in Deutschland laut einer Studie mehr als 300 Kilogramm genießbarer Lebensmittel weggeschmissen - und das jede Sekunde.

Um dem etwas entgegenzusetzen, gründete Christiane Fiedler mit fünf ehrenamtlichen Mitstreitern die Tafel Chemnitz. Aktuell kommen etwa 140 Familien pro Woche in die Ausgabestelle an der Zwickauer Straße, so Fiedler, die mittlerweile Geschäftsleiterin ist. Hilfe von der Tafel erhalte, wer etwa Arbeitslosengeld II, Sozialhilfe oder auch Asylleistungen bekommt. Durch die Flüchtlingskrise im Jahr 2015 sei die Anzahl der Leute, die die Tafel aufsuchen, um ein Fünftel gestiegen.

Doch jetzt gerät die Tafel selbst in Not. Die Geschäftsführerin spricht von einem schwierigen Jahr, das hinter dem Verein liege. Das Spendenaufkommen sei zurückgegangen, wie schon im Vorjahr. Staatliche Unterstützung erhalte der Verein keine. Die Ausgaben belaufen sich laut Fiedler jährlich auf etwa 132.000 Euro. Die Spenden decken diese Kosten nicht. 2016 nahm die Tafel 41.000 Euro ein, 2015 waren es 45.000Euro. Zudem zahle jeder Abholer zwei bis fünf Euro pro Essensausgabe. "Die Höhe hängt von der Menge der Nahrungsmittel und der Anzahl der Personen ab", sagt Fiedler. Eine Bezahlung sei wichtig, um den Menschen auf Augenhöhe zu begegnen, die sich nicht als Almosenempfänger fühlen sollen.

Um die Lebensmittel heranzuschaffen, arbeite die Tafel mit mehr als 50 Supermärkten und Discountern, sechs Bäckereien und weiteren Geschäften zusammen. Der Verein erhalte Lebensmittel, die noch genießbar seien, aber aus dem Verkauf genommen wurden. "Dazu gehören Produkte vom Vortag oder Obst und Gemüse, das nicht mehr so gut aussieht und von Kunden eher liegen gelassen wird", sagt Fiedler. Auch falsch etikettierte Lebensmittel liegen bei der Tafel. "Am häufigsten überlassen uns die Märkte Wurst, Käse, Joghurt oder andere weniger lang haltbare Produkte."

Sorgen um die Bekömmlichkeit seien unbegründet. "Wie jeder andere Lebensmittelhändler auch, sind wir zur lückenlosen Einhaltung der Kühlkette verpflichtet", so Fiedler. Die Tafel verfügt über zwei Transportfahrzeuge mit Kühlräumen. Damit seien zwei festangestellte und ein ehrenamtlicher Fahrer an sechs Tagen in der Woche von 7 bis 16 Uhr unterwegs. Viel zu wenig, wie Fiedler findet. Sie sucht händeringend weitere Fahrer. Aufgrund der Arbeitszeiten sei die Tätigkeit ungeeignet für Studenten und Berufstätige. Infrage kommen würden Rentner, die etwas hinzuverdienen wollen, aber auch belastbar sind. Sie müssten mit anpacken, die Transporter be- und entladen. Doch nicht nur Fahrer werden gesucht, sondern auch Helfer, die Lebensmittel in der Ausgabestelle sortieren, sagt die 57-jährige Chefin. Das Ehrenamt werde mit einem Euro pro Stunde vergütet.

Hartz-IV-Empfänger sieht die Geschäftsleiterin nicht nur als potenzielle Nutzer der Essensausgaben. Sie könnten auch in den Bundesfreiwilligendienst bei der Tafel einsteigen. Ein Verdienst von bis zu 200Euro pro Monat sei möglich, ohne dass es Abzüge beim Arbeitslosengeld gebe.

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17Kommentare
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  • 4
    1
    Pedaleur
    11.01.2018

    @Interessierte: Können Sie diese Staaten, die sich explizit um ihre Armen kümmern, mal mit konkreten Unterstützungsbeispielen aufzählen? Bitte nicht gleich mit DDR anfangen.
    Die Tafel- Grundsätze sagen etwas über die Finanzierung aus.
    Die Grundsätze sind Punkt 3 abschließend formuliert: https://www.tafel.de/ueber-uns/unsere-werte/tafel-grundsaetze/
    Soweit ich weiß, werden auch Ehrenamtliche gefördert. Es gibt in Sachsen Programme dafür. Aber wenn es keine Menschen gibt, die sich engagieren wollen (weil es ihnen eben mindestens genauso, vermeintlich sogar schlechter geht und selber auch nix bekommt), nützt es auch nichts!
    Wenn unsere Vorfahren genauso gedacht hätten, wir hätten weder DRK, Diakonie oder ASB.
    Dass die Spenden zurückgehen, ist vielleicht sogar ein Wohlstandsproblem. Die Schere geht auseinander und die Verantwortung und Solidarität verloren.

  • 4
    6
    gelöschter Nutzer
    10.01.2018

    @HHCL: Hallo HHCL! Um das leidige Thema abzuschließen:
    Ich mache weder alle noch jeden verantwortlich, nur den Staat. Ein Leben lang gearbeitet für ein Almosen an Rente. Wenn ich mit einer Rente abgespeist werde, zum Leben zu wenig zum Sterben zuviel, dann läuft was quer. Bei angemessener, ausreichender Rente WÄRE die Tafel (Spenden) überflüssig. Es können/wollen nicht alle in den Parteien untertauchen und sich Pensionen schenken (nicht verdienen) lassen.
    Und für die sogenannten "Zugereisten" soll mal das Begrüßungskomitee was locker machen. ENDE--AUS und Tschüß

  • 1
    3
    HHCL
    10.01.2018

    Mir kam nur die Vermutung, da Sie in Ihrem Kommentar vom 8.1. alles und jeden für ihre Probleme verantwortlich zu machen scheinen.

  • 3
    3
    gelöschter Nutzer
    09.01.2018

    @HHCL 08.01. 15:44 : Nee, aber was hat das mit der Tafel zu tun ??
    Kurz zu Ihrer Frage: Vati und Mutti haben mich großgezogen, mich zur Schule geschickt, mir ne Lehre organisiert, mich zur Truppe geschickt, mir ne Frau gesucht, Vati hat meine Kinder gemacht, Mutti wäscht immer noch meine Wäsche u.s.w. Soll ich weitermachen? So eine dämliche Frage. Thema verfehlt - 5 - setzen . Ich glaube mich zu erinner--- hier gehts um die Tafel und nicht um Lebensläufe der hier Schreibenden. Es zwingt Sie keiner meine Kommentare zu lesenn. Und werden Sie bitte nicht persömlich!

  • 8
    1
    Freigeist14
    08.01.2018

    Soeben kam im mdr-Radio, daß die Chemnitzer Tafeln freiwillige Helfer suchen. Worauf warten Sie noch,Interessierte@? Wer anderen hilft,ohne nach einer Gegenleistung zu fragen,ist allgemein zufriedener.

  • 3
    5
    HHCL
    08.01.2018

    @Vandanser: Waren Sie eigentlich für irgend einen Abschnitt Ihres Lebens selbst verantwortlich?

  • 5
    6
    Interessierte
    08.01.2018

    Das ist schon ein Armutszeugnis , dass man Armut und hungernde Leute in diesem reichen Land hat , wo es uns doch so gut geht ...
    Aber dass nun diese Armenküche auch noch an Armut leidet , ist schon ein starkes Armutszeugnis , über das man gar nicht gern spricht ...

    Das Spendenaufkommen sei zurückgegangen, wie schon im Vorjahr.
    Staatliche Unterstützung erhalte der Verein - keine ....
    ( das bedeutet doch , dass der reiche Staat sich gar nicht um die Armut der Bevölkerung im Land kümmert und diese Leute verhungern würden , wenn nichts gespendet würde ?
    ( ich habe aber chon gehört , das man sich um die Armut in anderen Ländern und um deren Menschen kümmert ...

    Waren diese Leute damals auch mit auf der Straße und wollten das Westgeld und im Kapitalismus leben ...
    Oder sind das die , die keine Christen waren und keine christlichen Westverwandten eingeladen hatten und somit gar nicht auf der Straße waren und nun aber das Nachsehen haben ?

  • 4
    5
    gelöschter Nutzer
    08.01.2018

    @HHCL:Ich habe doch eindeutig geschrieben "Ich spende nicht". Wer gibt mir denn was wenns mir schlecht geht? Wenn ich von den paar Kröten, die ich als EU-Rentner beziehe, noch was abgegen würde bleibt nichts zum überleben. Kann ich mich also auch gleich auf Nimmerwiedersehen verabschieden (aber nicht nach Malle). Wir, also alle Rentner, haben hier im Land keine Lobby. Außer den ehem. Staatsdienern, welche sich fürstliche Pensionen aus dem Steuersäckel genehmigen. Ich hatte es ja schon geschrieben, 100te Sesselfurtzer schröpfen die Staatskasse, beziehen im Nachhinein immense Pensionen. Wir als Bürger Normalo gucken in die Röhre expl. in leere Geldbörsen und sollen zur Tafel rennen. Es tut mir leid für die, welche auf die Tafel angewiesen sind. Aber solange der Staat für allen Möglichen Unfug Geld hat, eine angemessene Grundrente verweigert, gibts von mir nichts. Merkelche Devise "Wir schaffen das". Nur wie???

  • 8
    4
    1953866
    07.01.2018

    @HHCL in Bezug auf fehlende Gelder finde ich den Hinweis dass es Tafeln gibt die Spenden einer demokratisch in den Bundestag gewählten Partei ablehnt schon wichtig.
    Bemerkenswert auch die bisher 6 "roten Daumen" für den Beitrag von ArndtBremen am 06.01.2018 um16:20 Uhr; "Diese Kinder urteilen nicht über Menschen und deren Parteizugehörigkeit. Sie sind einfach nur dankbar."
    Da wünschte ich mir von den "roten Daumen" schon eine Begründung.

  • 9
    5
    HHCL
    07.01.2018

    Da geht es im Artikel um Bedürftige und in den Kommentaren findet sich nichts außer der Diskussion um die "bösen Parteien" und was man von ihnen halten soll. Naja.

    @Vandanser: Wenn Sie wirklich spenden wollten, würden Sie auch eine Möglichkeit finden, dies an der Bürokratie vorbei zu tun.

  • 11
    10
    gelöschter Nutzer
    07.01.2018

    Ich zum Beispiel spende für Nichts und Niemanden. Wer garantiert mir denn, das die Spende auch die Bedürftigen erreicht und nicht zweckentfremdet untergeht? Es gibt genügend Beispiele wo die Bürokratie mehr als die Hälfte der Spende auffrißt.
    Wenn der, ach so reiche Staat, nicht das Geld fürs Ausland, Zuzügler und Diäten für 100te Abgeordnete verpulvern würde wäre eine Unterstützung Bedürftiger kein Problem. Die Arbeit von Christiane Fiedler und dessen Helfern in allen Ehren, aber es wäre doch für den Staat sicher kein größeres Problem wenigsten das sogenannte "Ehrenamt" zu entlohnen. Nicht großzügig aber wenigstens angemessen. Das Geld ist ja da ( siehe Kosten für Asyl).

  • 11
    1
    cn3boj00
    06.01.2018

    Ich finde es einfach pervers, wenn Spenden für Bedürftige auch nur im geringsten mit Partein und Politik in Zusammenhang gebracht werden. Das gilt auch für solche Bemerkungen wie von @ArndtBremen. Ich denke, dass jede Spende von Privatpersonen akzeptiert werden. Noch nie wurde ich nach meiner Prteizugehörigkeit (hab auch keine) gfragt.

  • 9
    5
    1953866
    06.01.2018

    @Blackadder, ich unterstütze seit Jahrzehnten ehrenamtlich, aber auch finanziell, deutsche und ausländische Jugendliche. Allerdings ist den Organisationen meine politische Einstellung unbekannt. Ich werde mich jetzt outen, meine Unterstützung wird abgelehnt und zack fließt dann für diese Organisationen das Geld in Strömen. Das wird sich auf alle Fälle rentieren, fragt sich nur für wen.

  • 8
    8
    ArndtBremen
    06.01.2018

    @Blackadder: Ich spende regelmäßig an eine afrikanische Kinderhilfsorganisation. Diese Kinder urteilen nicht über Menschen und deren Parteizugehörigkeit. Sie sind einfach nur dankbar.

  • 8
    12
    Blackadder
    06.01.2018

    @ Herr Bremen: Es würde sich eventuell mehr rentieren, eine Spende der AfD abzulehnen. Die Tafel Sonnenberg hat 100? abgelehnt und 2700? extra an Spenden eingenommen.

  • 7
    10
    Hinterfragt
    06.01.2018

    Gelder für eine beleuchte "Dreckschleuder", bebilderte Gullydeckel, ... sind ja auch wichtiger ...

  • 5
    12
    ArndtBremen
    06.01.2018

    Nimmt denn die Chemnitzer Tafel auch Spenden von AfD Mitgliedern? Anderswo wird sowas ja kategorisch abgelehnt.



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