Der neue Südring aus der Vogelperspektive

"Freie Presse" zeigt Bilder und Videos einer Straße, die es noch gar nicht gibt: Auf den Aufnahmen ist einer der noch zu bauenden Abschnitte des Südverbundes zu sehen. Anwohner fürchten schon jetzt ein Verkehrschaos.

Frühestens 2021 werden die Bauarbeiten für den neuen Abschnitt des Südrings zwischen Augustusburger Straße und der B 169 (Frankenberger Straße) bei Hilbersdorf beginnen. Die Bau- und Planungsfirma Deges rechnet mit einer etwa vier Jahre langen Bauzeit der sechs Kilometer langen Trasse. Voraussichtlich 2025 sollen die ersten Fahrzeuge über die Straße, die dann die Bezeichnung B107 erhält, rollen. Die Leser der "Freie Presse" können aber schon heute sehen, wie der neue Südring einmal aussehen wird. Videos und Fotos zeigen den Streckenabschnitt zwischen Augustusburger Straße und B 169. Dort, wo in der Realität noch Feld und Wiesen sind, haben die Planer virtuell die neue Straße lange vor ihrer Fertigstellung mit Brücken, Auf- und Abfahrten, Kreuzungen und Lärmschutzwänden entstehen lassen. Die Videos hat die Deges produziert - sie zeigen den neuen Abschnitt sowohl im Flug aus der Vogelperspektive als auch aus Sicht eines Autofahrers.

Die Fahrt beginnt an der Kreuzung Augustusburger Straße. Während linkerhand das Wohngebiet Walter-Klippel-Straße passiert wird, ist die erste Überquerung - eine Fledermausbrücke mit Wanderweg - am Horizont zu sehen. Weiter geht es in Richtung Euba. Nach der Ampelkreuzung Eubaer Straße wird die rund 71 Millionen Euro teure Trasse schmaler. Statt vier Fahrspuren - je zwei pro Richtung - gibt es nur noch drei Spuren, zwei führen Richtung B 169/A 4. Kurz darauf fährt das Auto unter der Brücke hindurch, die die Beutenbergstraße über den Südring führt. Anschließend steht dem Verkehrsteilnehmer nur noch eine Fahrspur zur B 169 zur Verfügung. Dafür erhält nun der Gegenverkehr mit zwei Spuren mehr Platz. Weiter geht es an Feldern und Wiesen vorbei, an den Seiten der Straße sind teilweise Erdwälle oder Wände zu sehen, um Lärmbelastungen zu mindern. Sehr kurvenreich wird die Straße vor ihrer Einmündung in die B 169 in Ebersdorf.

Die Videos waren der Hingucker in der Informationsversammlung zum Weiterbau des Südrings am Mittwochabend. "Selbst für uns Planer haben die Videos einen Aha-Effekt gebracht", so Projektleiter Werner Breinig. Er spricht von einem besseren Gefühl, das er mithilfe der Aufnahmen von dem Vorhaben bekomme. Die Visualisierungen würden bei Straßenbauvorhaben von großem öffentlichen Interesse angefertigt und wenn die Betroffenheit der Bürger in Bezug auf Lärm und Umweltschutz groß sei, so Breinig. Zwar sei die Produktion der Videos kostspielig, aber der Aufwand zahle sich aus. "Die Videos sind besser als die technischen Pläne", sagt er.

Die Bürgerversammlung nutzten rund 60 Einwohner, viele von ihnen aus Hilbersdorf, Euba und Adelsberg, um Fragen zum Bau der Trasse zu stellen. Am stärksten brannten ihnen die Themen Lärmschutz, Verkehrsdichte und der Weiterbau des Südrings zur A 4 unter den Nägeln. Rund 20.000 Fahrzeuge sollen laut Prognosen nach Fertigstellung täglich auf dem neuen Abschnitt unterwegs sein. Zehn bis 15 Prozent davon werde Schwerlastverkehr sein, kündigte Werner Breinig an.

Dieses Verkehrsaufkommen führe zu Chaos in Oberlichtenau zwischen Gasthof und Brettmühle, befürchteten Anwohner. Dort herrsche schon jetzt starker Verkehr wegen der Nähe zur Autobahn, sagte einer von ihnen. Er fragte, ob deshalb bis zum Bau des letzten Abschnittes zwischen B 169 und der A4 eine Entlastung für Oberlichtenau gebaut werde. Doch das verneinte der Projektleiter. Ein Provisorium, wie es der Bau einer Entlastungsstraße sei, werde es nicht geben, der Verkehr müsse ertragen werden, sagte er. Und fügte hinzu, dass die Planungen für den Bau des Lückenschlusses bis zur Autobahn begonnen hätten. Drei Jahre betrage der Abstand zu den Planungen für den Abschnitt zwischen Augustusburger Straße und B 169.

Ebenfalls negativ beschied der Projektleiter Fragen verkehrsgeplagter Bewohner der Walter-Klippel-Siedlung nach vorzeitigem Baubeginn des Abschnittes vor ihrer Haustür. Eine Aufsplittung in mehrere Teilstücke funktioniere nicht. "Die Arbeiten gehen so nicht schneller voran." Baubürgermeister Michael Stötzer kündigte die Sanierung der Eubaer Straße an. Bevor die Stadt mit den Planungen beginne, wolle sie aber das Planfeststellungsverfahren für den Südring abwarten, so Stötzer.

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