Die tanzenden Häuser vom Kaßberg

Der Standort gilt als Top-Lage, seine Bebauung ist seit Jahren in der Diskussion. Nun legt die Chemnitzer Siedlungsgemeinschaft ihre Pläne vor. Und die dürften für Aufsehen sorgen.

Hamburg hat seit einigen Jahren seine "Tanzenden Türme", einen Bürokomplex aus Stahl und Glas mit auffällig geknickter Fassade. In Prag zieht ein "Tanzendes Haus" mit geschwungenen Linien seit Mitte der 1990er-Jahre die Blicke auf sich. In Chemnitz soll nun auf dem Kaßberg gleich eine "Tanzende Siedlung" entstehen.

So jedenfalls nennt die Chemnitzer Siedlungsgemeinschaft (CSg) ihr bislang außergewöhnlichstes Neubauprojekt, das in den kommenden Jahren auf einem weitgehend brach liegenden Areal in erstklassiger Lage verwirklicht werden soll: am oberen Ende der Kaßbergauffahrt, zwischen West- und Hohe Straße, nur ein paar Minuten Fußweg vom Herzen der Stadt entfernt. Die kleine Siedlung wird aus mehrstöckigen Wohngebäuden mit einer außergewöhnlich unregelmäßigen Fassadengestaltung bestehen und eingefasst sein in ein parkähnlich gestaltetes Außengelände mit eigenem Zugang. Läuft alles optimal, könnten Ende des kommenden Jahres auf dem Areal die ersten Arbeiten beginnen und ein Jahr später die ersten Umzugswagen anrollen, sagt CSg-Vorstandschef Ringo Lottig.

Der Entwurf der Furoris Gruppe, ein Zusammenschluss aus Architekten und Ingenieuren aus Chemnitz, hat sich in einem von der Genossenschaft initiierten Ideenwettbewerb durchgesetzt. Baubürgermeister Michael Stötzer saß mit in der Jury. Er spricht von einem selbstbewussten Auftritt an einem exponierten Standort im Stadtgebiet und lobt den "lockeren, spielerischen Umgang" mit der als schwierig geltenden, weil sehr unterschiedlichen Bebauung ringsum. Die geplante Gebäudegruppe greife sowohl Elemente der für den Kaßberg typischen Villen auf, harmoniere zugleich aber auch mit den benachbarten Wohnblocks aus DDR-Zeiten.

Mit den eigenwilligen Gebäudeformen sollen nicht zuletzt die drehenden Bewegungen des städtischen Verkehrs aufgenommen werden, wie sie sich an der Kaßbergauffahrt oder der Theaterstraße gut beobachten lassen, erläutert Architekt Rico Sprenger. "Die Gebäude sehen von jedem Standort anders aus", verdeutlicht er.

Insgesamt sollen laut Siedlungsgemeinschaft 35bis 40 hochwertige Mietwohnungen sehr unterschiedlichen Typs entstehen, ausgerichtet zumeist mit Blick nach Süden oder in Richtung Stadtzentrum. Letzte Details zur genauen Anzahl und zu den Grundrissen sollen im Zuge der nun anstehenden Feinplanung entschieden werden. Auch die Höhe der Mieten stehe noch nicht fest.

Mit der Gestaltung des Außengeländes hat die Siedlungsgemeinschaft das Büro des Chemnitzer Landschaftsarchitekten Stefan Leiste betraut, das bereits an einem neu entstandenen Wohnpark in Bernsdorf mitgearbeitet hat. Die Idee dahinter sei an beiden Orten eine zeitgemäße Umsetzung des alten Genossenschaftsgedankens, erläutert CSg-Vorstand Dennis Keil. "Wir wollen unsere Mitglieder in einer Gemeinschaft zusammenbringen - auch über den Freiraum."

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11Kommentare
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  • 3
    0
    Suedbahnhof
    04.09.2016

    Der vorgestellte Entwurf ist erstklassig, endlich einmal wieder anspruchsvolle Architektur! Schade, dass für das Conti-Rathaus nicht etwas ähnliches in Betracht kam und nur mehr wieder eine versatzsteuckhafte Mixtur aus genormten Fensterzeilen, Baumarktanmutung und Moebelhausfassadenelementen hingenommen wurde.

    Mir erscheint der Entwurf wie eine strukturelle Fortsetzung eines Teils der siebziger Jahre der represantativen DDR-Architektur (Es greift -unbewusst- Elemente des Wohngebaeudes Ecke Karl-Marx-Allee/StraNa bzw. des Palasts d.R. auf).
    .
    Und Bauhaus in C?: Aus dieser Epoche sind einige Bauten in der Vorkriegszeit entstanden und prägen teilweise die Wohnstrukturen im Lutherviertel/Gablenz. Exemplarisch sind auch das AOK Gebäude am Schlossteich und das Stadtbad.

  • 2
    0
    Blackadder
    04.09.2016

    Kein "Bauhaus-Mist" in Chemnitz? Schon mal vom Schloßbergmuseum zum Küchwald gelaufen? ;-)

  • 4
    1
    acals
    04.09.2016

    @fp2013: Da es in Chemnitz, DER Stadt der Moderne keinen "Bauhausmist" gibt kann man Ihnen Ihren Kommentar nachsehen.
    Selber habe ich 5 Jahre in der grössten erhaltenen Bauhaussiedlung auf dt. Boden in ??? gewohnt. Der Kassberg-Entwurf dagegen: Find ich super, ich hoffe er kommt, steht Chemnitz gut zu Gesicht - ist so etwas wie das Salz in der Suppe ... aufm Kassberg

  • 4
    1
    crankshaft49
    03.09.2016

    Schade, der grüne Außenbereich vom Aaltra wird wohl nicht mehr der Selbe sein :( Man kann nur hoffen, dass wegeb der neuen Anwohner keine Konzerte entfallen wegen "Ruhestörung"

  • 0
    6
    fp2012
    03.09.2016

    @Hankman:
    "ei dem Haus in der Agricolastraße mit seinen Quader-Formen war ich lange skeptisch, weil es direkt auf schöne alte Jugendstil-Architektur traf. Aber mittlerweile hat sich das Auge daran gewöhnt. Unterm Strich ein gelungenes Gebäude."
    Hallo? Gehts noch? Dieser Bauhaus-Mist hat auf dem Kaßberg nichts, aber auch gar nichts verloren. Das passt zusammen wie Feuer und Wasser.

  • 4
    3
    Hankman
    03.09.2016

    Die CSg hat auf dem Kaßberg bereits zwei Neubauprojekte realisiert. Bei dem Haus in der Agricolastraße mit seinen Quader-Formen war ich lange skeptisch, weil es direkt auf schöne alte Jugendstil-Architektur traf. Aber mittlerweile hat sich das Auge daran gewöhnt. Unterm Strich ein gelungenes Gebäude. Der andere Neubau ... na ja. Nun also wieder ein ambitioniertes Projekt. Könnte an dieser Stelle sehr gut funktionieren. Allerdings bin ich auf die Wohnungsgrundrisse gespannt - und auf die Mieten. Der Blick auf das Stadtzentrum ist toll, aber das Grundstück liegt an einer Hauptstraße, daneben befindet sich ein Gymnasium. Man ist also "mittendrin". Und noch ein Tipp, liebe CSg: Eure bisherigen Kaßberg-Neubauten sind auch schon Dunkelgrau/Weiß. Es gibt noch andere Farben!!

  • 9
    1
    lmah
    03.09.2016

    Gefällt mir sehr gut. Da hat die CSg Mut bewiesen und keine Einheitsatchitektur gewählt. Die Lage ist absolut perfekt! Die Nähe zur Innenstadt und doch eher ruhig gelegen.
    Was die Mietpreise betrifft sind diese in Chemnitz (auch für Neubauten) auf einem sehr moderaten Niveau. Aber wenn man nicht raus kommt aus seiner Stadt, kann man das auch nicht wissen.

  • 3
    0
    kauzig
    03.09.2016

    Nett - sofern man es nicht an anderen Stellen wiederholt. Aehnliche Architektur nur in gerader Bauweise gibt es im Westen genug aus den 60er/70er Jahren..

  • 0
    13
    Heckertbewohner
    03.09.2016

    Dass der Bau vom Aussehen her in die Lage passt, da habe ich meine Zweifel. "Hochwertige" Wohnungen für hochwertige Menschen. Normale können sich die Miete da bestimmt nicht leisten.

    Und unser grandioser Baubürgermeister mit in der Jury, oh Mann...

  • 3
    9
    Zodafe
    03.09.2016

    Genau... Und dann am besten solche überteuerten Mieten wie in den anderen Neubauten der CsG. Sinnlos!

  • 8
    1
    WolfgangPetry
    03.09.2016

    Sieht gut aus. Das Wort Freiraum hat in diesem Zusammenhang jedoch nichts verloren, es steht für umkommerzielle Alternativkultur. Und die benachbarte Musikkneipe Aaltra wird sich dann mit hoher Wahrscheinlichkeit einen neuen "Freiraum" suchen müssen.



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