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Wolfgang Weidlich ist seiner Heimatstadt, vor allem der Bibliothek, treu geblieben. Bücher bestimmten sein Leben in vielerlei Hinsicht.

Foto: Andreas Seidel

Ein Leben lang der Stadtbibliothek verbunden

Ein ehemaliger Verleger hat einst einen Förderverein für eine Chemnitzer Institution gegründet. Obwohl er in Frankfurt lebt.

Von Jana Peters
erschienen am 06.12.2017

Ohne ihren Förderverein wäre die Stadtbibliothek nicht das, was sie ist, sagt Direktorin Elke Beer. Die 175 Mitglieder "sind eine ganz wichtige Säule, ohne die wir einige Bereiche nicht mehr realisieren könnten", sagt sie. Leseförderung, Vermittlung von Medienkompetenz, Vorlesen in Kitas und Senioreneinrichtungen und ein Lieferservice für immobile Menschen - das und noch viel mehr sei ohne die Ehrenamtler, die außerdem Spenden für den Erhalt alter Bücher sammeln, nicht denkbar.

Dass der Verein heute eine so feste Größe ist, verdankt die Bibliothek Wolfgang Weidlich. Der 89-Jährige wurde in Chemnitz geboren. Seine Mutter hatte nach dem Zweiten Weltkrieg eine kleine Leihbücherei aufgebaut. Weidlich, der eine Buchhändlerlehre absolviert hatte, wollte daraus gern eine Buchhandlung machen. "Aber das hat nicht geklappt", erinnert er sich. Im Schaufenster habe er oft das Gegenteil von dem präsentiert, "was gewollt war". Er sei also zu westlich gewesen. Die Behörden seien hinter ihm her gewesen. "Freunde waren schon verhaftet worden", sagt er. Also ging er 1951 in den Westen, quasi über Nacht.

Er ließ sich in Frankfurt am Main nieder, wo er 1956 den Weidlich-Verlag gründete. Er verlegte über 500 Titel, darunter historische Bildbände, deutsche Kulturgeschichte und landeskundliche Bücher. Sein Verlag war der einzige, der in Westdeutschland thematisch auf Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt spezialisiert war. Anfang der 1980er-Jahre verkaufte er seinen Verlag.

Nie losgelassen hat Weidlich seine Heimatstadt. In Frankfurt traf er sich regelmäßig mit Freunden und früheren Kollegen, auch aus Chemnitz. Als die politische Wende kam, sah er die Möglichkeit, mit seinen Kontakten in die Verlagsszene der Stadtbibliothek in Chemnitz zu helfen. 1992 gründete er mit fünf ehemaligen Schulfreunden den Verein "Förderer der Stadtbibliothek Chemnitz" in Frankfurt. Für Elke Beer, die 1992 amtierende Bibliotheks-Direktorin war, kam die Hilfe mehr als recht, aber absolut unverhofft. "Wir mussten die Bücher mit sozialistischem Gedankengut aussortieren. Für neue Bestände fehlten aber die Mittel", erinnert sie sich. Weidlich organisierte, dass Verlage der Bibliothek Bücher schenkten. Ganze Kleintransporter voller Bücher fuhren nach Chemnitz. Weidlich selbst füllte über Jahre hinweg regelmäßig seinen Kofferraum mit Büchern und fuhr sie nach Chemnitz.

1996 wurde der Sitz des Vereins nach Chemnitz verlegt. "Es wurde zu viel", sagt Weidlich. Beer fügt hinzu, dass es auch darum ging, mehr Mitglieder vor Ort zu gewinnen. Die Bibliothek habe sich seit damals stark gewandelt, wozu der Förderverein wesentlich beigetragen habe.

Noch heute spendet Weidlich übrigens Bücher. Die kommen nun aus seiner privaten Sammlung. Da sie zu alt für die Bibliothek sind, werden sie beim Schnäppchenmarkt verkauft. "Vom Erlös kaufen wir neue Bücher", beschreibt Beer.

 
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