Eine Klassenkameradin auf vier Pfoten

Den Unterricht in der Grundschule Harthau besucht mehrmals in der Woche auch eine Hündin. Nicht nur die Schüler profitieren von ihrer Anwesenheit.

Es ist kurz nach 9 Uhr, als Schulhündin Sanny in die Klasse 1 hereinspaziert und freudig durch die Reihen tappt, während Klassenlehrerin Aileen de Vries den Unterricht beginnt: "Als erstes machen wir unseren Erzählkreis, aber denkt daran: Sanny ist da, und sie mag es gar nicht, wenn es laut ist oder alle durcheinander rennen". Nach und nach stehen die 23 Grundschüler auf und setzen sich leise im Kreis auf den grünen Teppich. Die weiße Samojede-Hündin mit dem freundlichen Gesicht legt sich direkt in die Mitte, als wollte sie den Wochenenderlebnissen der Kinder lauschen.

"Diese Rasse ist bekannt für ihr Lächeln, wodurch die Tiere freundlich wirken und die Kinder kaum Angst haben. Außerdem sind diese Hunde vom Wesen her sehr geduldig und zuverlässig", berichtet Sandra Radenheuser-Haase, die sich als gelernte Erzieherin unter anderem um die Motivation der Kinder und um die Entwicklung ihrer sozialen Kompetenzen kümmert.

Seit Beginn des Schuljahres 2016/2017 ist sie an der Harthauer Grundschule tätig, und zwar im Auftrag des Solaris-Förderzentrums, das das Projekt der Schulsozialarbeit 2006 an acht Schulen startete. Die Idee des Schulhunds sei allerdings ihre eigene. Bereits als Kind verliebte sich Sandra Radenheuser-Haase in die Rasse Samojede. Mittlerweile besitzt sie zwei der weißen, flauschigen Vierbeiner: "Zwei- bis dreimal in der Woche nehme ich Sanny mit in die Schule, wo sie abwechselnd für jeweils eine Unterrichtsstunde in den Klassen ist".

Nachdem alle Kinder die Erlebnisse des sonnigen Wochenendes erzählt haben, beginnt der Sachkundeunterricht. Als wäre es das Normalste der Welt, schleicht die weiße Vierbeinerin unterdessen wieder durch die Reihen und freut sich über kleine Streicheleinheiten an jedem Tisch, an dem sie vorbeikommt. Obwohl sich Sanny frei im Klassenzimmer bewegt, kann Lehrerin Aileen de Vries in Ruhe unterrichten. "Es ist für mich sogar eine Unterstützung, wenn Sanny bei uns ist, denn dann ist es ruhiger".

Die Schulhündin unterstützt die Grundschüler aber nicht nur mit ihrer bloßen Anwesenheit. Sie wird auch für Lernspiele eingesetzt, vermittelt den Kindern sogar abseits des Unterrichtspensums Wissen. Zum Beispiel beim Füttern: "Ich brauche mal jemanden ganz Mutiges", ruft Sandra Radenheuser-Haase in die Klasse. Mira ist eine der mutigen Schüler, die sich gemeldet haben. Sie legt ihren Kopf auf den Bauch der Hündin, um das Tier zu fühlen und zu hören, während die Erzieherin der Hündin Leckerlis gibt. "Es ist sehr schön, wenn Sanny dabei ist. Durch sie ist man entspannter und kann besser lernen", sagt die Siebenjährige. Bei einem anderen Spiel geht es um Sinneswahrnehmungen: Ein Schüler versteckt im dicken Fell der Hündin Klammern, die ein Mitschüler mit verbundenen Augen ertasten muss. "Dadurch wird ein positives Miteinander gefördert und der Zusammenhalt in der Klasse verbessert sich", beschreibt Sandra Radenheuser-Haase die Wirkung solcher Spiele. "Außerdem ist in den Klassenzimmern sauberer geworden, seit Sanny in die Schule kommt. Denn die Kinder wissen, dass, wenn sie Müll herum liegen lassen und der Hund diesen frisst, er krank wird".

Nicht nur die Kinder und Lehrer sind von den positiven Wirkungen der Samojede-Hündin überzeugt: "Wir haben das Einverständnis aller Eltern gebraucht, damit Sanny mit in die Klassen darf. Die meisten haben gleich zugestimmt, und mittlerweile sind alle von dem Schulhund überzeugt", sagt die stellvertretende Schulleiterin Ramona Naumann. Von rechtlicher Seite gab es bis auf die Erlaubnis der Eltern keine Einschränkungen, weshalb Sanny seit einem halben Jahr nicht mehr aus dem Schulalltag wegzudenken ist.

Für die Hündin sei es zwar manchmal anstrengend, aber die Freude überwiege, ist sich Sandra Radenheuser-Haase sicher: "Auch Sanny freut sich jedes Mal, wenn sie die Schule betritt. Sie beginnt zu bellen und begrüßt jeden, dem sie begegnet". Seitdem die Hündin regelmäßig in die Schule kommt, habe sich nicht nur die Sauberkeit, der Zusammenhalt in den Klassen und das Verantwortungsbewusstsein der Schüler verbessert, sondern auch der Lärmpegel. In den Unterrichtsstunden sei es dank Sannys Anwesenheit elf Dezibel ruhiger geworden . Selbst in den Pausen achten die Kinder darauf, dass die Hündin sich wohl fühlt. "Sogar die Jungs, die sonst immer als erstes auf den Hof rennen, holen sich vorher noch ein paar Streicheleinheiten bei Sanny ab", erzählt Sandra Radenheuser-Haase. Denn neben all ihren Aufgaben ist die Hündin eine Freundin für die Schüler.

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