Eltern zahlen kein Essengeld - Kita schickt Kind nach Hause

Werden die Kosten für die Verpflegung nicht beglichen, reduziert die Stadt die Betreuungszeit für Kinder. Für die Eltern kann es noch weitere Folgen geben.

Die Schwierigkeiten kamen für Olaf Ziegner* schneller, als er sie wieder aus der Welt schaffen kann. Vor etwa zwei Monaten teilte die Leiterin der Kita dem Chemnitzer mit, dass für seinen Sohn kein Mittagsessen geliefert worden sei. Auf der Suche nach der Ursache stellte sich heraus: Seine Frau hatte kein Muttergeld erhalten; deshalb konnte die Lastschrift für die Kita-Verpflegung nicht von ihrem Konto beglichen werden. Ziegner überwies selbst die ausstehende Summe an den Essenanbieter Sodexo, wie er sagt, und war der Meinung, das Problem bereinigt zu haben.

Doch statt einer Kita-Verpflegung für sein Kind bekam der Chemnitzer die Aufforderung, den Jungen bereits vor dem Mittagsessen wieder abzuholen. Hinzu kamen zwei Mal fünf Euro Mahngebühren, die der Essenanbieter in Rechnung stellte, und die Forderung, fortan das Essengeld im Voraus zu zahlen, berichtet der Familienvater. Dafür habe er eine Begründung in Erfahrung bringen wollen. "Doch meine mehrfachen Anfragen, warum ich jetzt in Vorkasse gehen muss, blieben bisher unbeantwortet", so Ziegner.

Sein Beispiel ist kein Einzelfall in den kommunalen Kindertageseinrichtungen. In Chemnitz bestehe seit rund 20 Jahren eine entsprechende Regelung, dass Eltern, die mehr als zwei Monate kein Essengeld bezahlt haben, nur noch einen Viereinhalb-Stunden-Platz ohne Verpflegung für ihr Kind erhalten, erläutert eine Sprecherin der Stadt auf Anfrage. Diese Maßnahme sei im Betreuungsvertrag festgehalten und somit den Eltern bekannt, heißt es weiter aus der Pressestelle. Vor der Einführung des Bildungs- und Teilhabepaketes 2011, das Eltern eine finanzielle Unterstützung bietet, seien Änderungskündigungen häufiger vorgekommen. In den vergangenen Jahren gehe die Anzahl jedoch stark zurück, so die Pressesprecherin. Im zurückliegenden Jahr habe es 20 Fälle gegeben, bei denen es kurzzeitig zu Veränderungen der Betreuungszeit kam, weil es Außenstände beim Essengeld gab. Ab einem Zahlungsrückstand von zwei Monaten - dies entspricht bei Vollverpflegung für ein Kind etwa 200Euro - werden diese Maßnahmen ergriffen, so die Pressesprecherin, und weiter: Da die Kinder die Einrichtung zumindest am Vormittag besuchen können und entsprechend gefördert werden, sei der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz erfüllt.

Aus Sicht von Ziegner stehen Aufwand und Nutzen in keinem Verhältnis, wenn er sein Kind für lediglich viereinhalb Stunden in der Kita betreuen lassen könne. Allein die Hin- und Rückfahrt würden zu viel Zeit in Anspruch nehmen. Deshalb hatte er entschieden, dass sein Sohn zu Hause bleibt, bis der Speisedienst wieder ein Mittagsessen liefert. Mittlerweile wird Ziegners Kind wieder ganztägig betreut, die Kosten für die Verpflegung muss der Chemnitzer jedoch weiterhin im Voraus entrichten, wie er sagt.

Auf Anfrage der "Freien Presse" ist George Wyrwoll, Verantwortlicher für Unternehmenskommunikation bei Spodexo, um Aufklärung bemüht. Die von der Firma mit der Abrechnung beauftragte Bank ziehe den Betrag für das Essengeld jeweils zum Monatsbeginn per Lastschriftverfahren ein, so Wyrwoll. Ist das Konto nicht gedeckt, stellt die Bank dem Unternehmen für die Rückbuchung eine Gebühr in Höhe von fünf Euro in Rechnung. "Trotzdem liefern wir weiter; also für insgesamt zwei Monate und gehen damit quasi zwei Mal in Vorkasse", sagt der Kommunikationschef. Erfolgt nach dem zweiten Monat keine Zahlung, mahnt das Unternehmen den Kunden im Abstand von zwei Wochen ab und stellt die Bankgebühr und die Abmahnung in Rechnung. Erst danach werden die Lieferungen gestoppt, schildert Wyrwoll den Ablauf bis zur Essensperre.

Mahnungen habe Ziegner keine erhalten. Doch räumt er ein, dass der Grund dafür auch der Umzug der Familie vor einigen Wochen sein könnte. Weiter sagt Ziegner, dass er verwundert sei, warum er jetzt im Voraus zahlen soll, "obwohl ich doch alle Rechnungen beglichen habe."

Auf diese Frage angesprochen, erklärt Wyrwoll, dass man um ein Vertrauensverhältnis bemüht sei. Erfolgt jedoch über einen längern Zeitraum keine Zahlung, gehe das Unternehmen dazu über, die Kosten für die Kita-Verpflegung im Voraus zu verlangen, so der Kommunikationschef.

*Name von der Redaktion geändert.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...