Ex-Autohaus-Chef soll Mitarbeiter mit Drogen bezahlt haben

In 150 Fällen soll der Inhaber des mittlerweile geschlossenen Unternehmens Crystal statt Geld als Entlohnung ausgehändigt haben. Deswegen steht er nun vor Gericht - nicht zum ersten Mal.

Es war ein Zufallsfund, der alles ins Rollen brachte. Im Oktober 2016 brachte eine junge Frau ein Etui mit einer kristallinen Substanz zur Polizei. Das Behältnis hatte sie in einem Auto gefunden, das ihrem Ex-Arbeitgeber gehörte. Schnell stellte sich heraus, dass es sich um die Droge Crystal handelte. Ein Kriminalbeamter machte den Besitzer der Drogen ausfindig und lud ihn vor. In der Vernehmung räumte der Mann den Besitz ein - und erhob zugleich schwere Vorwürfe: Die Drogen habe er als Gegenleistung für seine Tätigkeit von seinem Arbeitgeber erhalten - und das nicht nur einmal.

Bei diesem Arbeitgeber handelt es sich um Christian Weise, den früheren Inhaber des Autohaus Weise. Er muss sich seit gestern vor dem Amtsgericht wegen Besitzes und illegalem Handels mit Drogen verantworten. Der 49-Jährige soll zwischen Januar 2014 und Februar 2017 wöchentlich etwa zwei Gramm Crystal an seinen damaligen Mitarbeiter übergeben haben - anstelle einer Bezahlung: "Durch die für ihn kostengünstigere Variante wollte er Gewinn erzielen", sagte der Staatsanwalt. Mit ihm angeklagt ist der frühere Mitarbeiter, dem der Drogenfund im Auto zugeordnet wurde. Ihm wird der illegale Erwerb von Betäubungsmitteln vorgeworfen.

Letzterer räumte die Vorwürfe ein. "Das ist alles richtig", sagte der 36-Jährige. Er sei im Dezember 2013 zum Autohaus gestoßen. Während der Arbeit habe er mitbekommen, dass der Geschäftsführer Kokain konsumiere. Er selbst sei süchtig nach Crystal gewesen. Einmal wöchentlich sei ein ihm bekannter Drogendealer in den Firmenräumen aufgetaucht, behauptete der Mann. So habe sich einvernehmlich die Bezahlung mit Drogen ergeben. Warum er Drogen statt Geld angenommen habe, wollte der Staatsanwalt wissen. "Als Drogensüchtiger gehen Sie den Weg des geringsten Widerstands", antwortete der Chemnitzer, der seinen Chef als einen seiner damals engsten Freunde bezeichnete. Er schied nach eigenen Angaben im Oktober 2014 aus der Firma aus, habe aber später wieder Kontakt zu seinem Ex-Chef gehabt.

Christian Weise wies die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurück. "Das ist Rufmord, frei erfunden und gelogen", sagte er und sprach von "einem schlecht erzählten Märchen". Der mit ihm angeklagte Mann sei für ihn tätig, aber nicht angestellt gewesen, berichtete der 49-Jährige. Er habe ein Büro im Autohaus erhalten und von dort aus unter anderem die Firmen-Internetseite gepflegt. Auch als das Autohaus wegen Zahlungsunfähigkeit im August 2015 geschlossen wurde, habe er noch ab und an kleine Aufgaben erhalten. So sollte er beispielsweise Verkaufsbelege sichten und beim Ausräumen der Gebäudes helfen, erklärte der Unternehmer.

Drogen habe er ihm dafür allerdings nie gegeben. Stattdessen habe er ihm eine Wohnung zur Verfügung gestellt, die er nutzen konnte, ohne dafür Miete bezahlen zu müssen, sagte Weise. Der von seinem Ex-Mitarbeiter als Drogendealer bezeichnete Mann sei ein Kunde des Autohauses gewesen, so der Unternehmer. Allerdings berichtete eine Zeugin, die im Autohaus tätig war, dass der Geschäftsführer ab und an Kokain konsumiert habe.

Weise steht binnen eines Jahres das zweite Mal vor Gericht. Im März 2017 war er wegen gewerbsmäßigen Betrugs in 14 Fällen sowie Veruntreuung von Arbeitsentgelt in sechs Fällen zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt worden; die Strafe war zu zwei Jahren Bewährung ausgesetzt worden. Zudem musste Weise 300 Stunden gemeinnütziger Arbeit leisten. Nach Auffassung des Gerichts hatte er Kunden und Banken geprellt, sodass ein Schaden von mindestens 100.000 Euro entstand.

Das Autohaus Weise war lange Jahre eines der bekanntesten der Stadt. Von 1991 bis zur Schließung 2015 sollen von hier aus 46.000 zumeist gebrauchte Autos einen neuen Besitzer gefunden haben.

Das gestern begonnene Verfahren wegen Drogenhandels wird kommende Woche fortgesetzt.

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