Finanznot: CFC will offenbar Stadionbetreibung abgeben

Weil die Lizenz für die 3. Liga in Gefahr ist, sucht der Club nach Sparpotenzial. Für leichte Entspannung in der Vereinskasse hat der Stadtrat gesorgt.

Skeptiker hatten von Beginn an gewarnt - noch bevor das sanierte Stadion eröffnet worden ist: Die Betreibung der Anlage wird für den Chemnitzer Fußballclub eine Mammutaufgabe, ein finanzieller Kraftakt. Jetzt - gut zehn Monate später - steht der CFC offenbar vor der Entscheidung, die Stadion-Betreibung abzugeben. Hintergrund ist die nach wie vor prekäre Finanzsituation. Aus Sicht des Deutschen Fußballbundes DFB ist der CFC-Etat für die kommende Saison, der 7,5Millionen Euro umfasst, zu zwei Dritteln nicht untersetzt. Vom Verein aufgelistete Einnahmequellen seien nicht sicher. Deshalb fordert der DFB bis Anfang Juni den Nachweis über 4,6Millionen Euro. Andernfalls ist die Drittliga-Lizenz in Gefahr.

Der CFC will jetzt laufende Verträge anpassen, neue Darlehen aufnehmen und alte Kredite stunden lassen. Des Weiteren hofft er auf den sportlichen Erfolg im Sachsenpokal, wodurch Einnahmen aus Fernsehgeldern akquiriert werden können. Und der Club hat die Betreibung der Community-for-you-Arena als wesentlichen Kostenfaktor ausgemacht, der "enorm hoch ist und damit weit über der Belastungsgrenze" liege, auch im Vergleich zu anderen Stadien in der 3. Liga, erklärte der Verein auf Anfrage. Die Betreibungskosten im ersten Jahr beziffert er auf mehr als eine Million Euro.

Derzeit liegt die Stadionverantwortung bei der Club-eigenen Marketing und Stadionbetriebs-Gesellschaft. Gibt sie die Betreibung ab, wäre der CFC nur noch Mieter. Der Verein rechnet nach "Freie Presse"-Informationen offenbar mit rund 300.000 Euro Mietkosten im Jahr, sodass mindestens 700.000 Euro gespart werden könnten.

Ob und mit wem es konkrete Übernahmegespräche gibt, dazu will sich die Vereinsführung nicht äußern. Nach der jüngsten CFC-Finanzkrise Ende 2016 hatte es bereits Veränderungen gegeben: Der städtische Großvermieter GGG übernahm für die Stadion-Betreibergesellschaft die Geschäftsbesorgung und gewann damit auch an Einfluss. Ob es für die GGG jetzt eine Option ist, die Betreibung komplett zu übernehmen, dazu gab Geschäftsführerin Simone Kalew keine Auskunft. Sie ist auch Mitglied des neu gewählten CFC-Aufsichtsrates.

Nach Information der "Freien Presse" sitzt zudem die städtische Veranstaltungsgesellschaft C3, die unter anderem Stadthalle und Messe betreibt, am Verhandlungstisch. Es heißt, sie könnte die Organisation von Veranstaltungen im Stadion- außer Fußballspiele - übernehmen und so für Einnahmen sorgen. Der Verein selbst schätzt ein, dass "Erlöspotenziale, zum Beispiel durch Drittveranstaltungen, bei weitem noch nicht ausgeschöpft sind". Das liege auch an der personellen Struktur der Betreiber-Gesellschaft.

Für etwas Entspannung in der CFC-Kasse hat gestern der Stadtrat gesorgt. Er gab einen Zuschuss über 1,26 Millionen Euro frei - zum zweiten Mal, weil die Landesdirektion die erste Entscheidung beanstandet hatte. Diese Summe ist Bestandteil der vom DFB benannten 4,6 Millionen Euro. Vor der gestrigen Abstimmung meldete nicht nur Dietmar Berger (Linke), dessen Mitgliedschaft im Aufsichtsrat einer Gläubigerbank des CFC Anlass für die Wiederholung des Beschlusses vom Dezember war, Befangenheit an. Auch Gordon Tillmann (FDP), Axel Brückom (SPD) - beide Sponsoren des Vereins - und die CFC-Fanbeauftragte Peggy Schellenberger (SPD) taten vorsorglich dasselbe.

29 Stadträte stimmten für und elf gegen den 1,26-Millionen-Euro-Zuschuss. Damit war dasVotum noch deutlicher als im Dezember, als 35 Räte für und 19 gegen die Freigabe der Summe an den CFC gestimmt hatten. Das Geld stand dem Verein als Entschädigung für die vorzeitige Kündigung des Erbbaurechtsvertrages für das Stadionareal zu, war aber aus politischen Gründen auf Eis gelegt worden. Es ist dem CFC bereits gutgeschrieben worden, erklärte Bürgermeister Miko Runkel.

Vergeblich hatten besonders Almut Patt und Alexander Haentjens (beide CDU) gegen den Zuschuss plädiert, da er ungerecht gegenüber anderen Sportlern und allen Steuerzahlern sei und sich die Finanzlage des CFC seit Dezember eher noch verschlechtert habe. Ein Brief der Vereinsführung an die Stadträte, in dem die aktuelle Situation erläutert wird, komme einem "Offenbarungseid" gleich, sagte Patt. Letztlich folgte aber eine klare Mehrheit Argumenten wie denen von Ralph Burghart (CDU). Der Stadtrat nehme seine Verantwortung wahr, in dem er den Beschluss vom Dezember wiederhole. Und: "Der Ball liegt glasklar beim Management des CFC." Wie Burghart unterstrich auch Detlef Müller (SPD), dies sei der letzte Zuschuss dieser Größenordnung von der Stadt für den Verein.

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9Kommentare
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  • 2
    0
    612115
    04.05.2017

    Medienkompetenz sollte wohl wirklich Schulfach werden, möglichst noch mit zwingender Auffrischung aller paar Jahre auch für Erwachsene. Eine beliebige Wortmeldung in irgendeiner Kommentarspalte ist jedenfalls keine referenzierbare Quelle. Aber ich will mal nicht so sein. Man schaue im nachfolgenden Link, wo im Rahmen des Stadtratsbeschlusses zur Aufwertung des Stadion sogar Geld investiert wurde, um eine Multifunktionsnutzung für Open-Air-Konzerte zu ermöglichen: http://chemnitz.de/chemnitz/media/aktuelles/pressemitteilungen/2015/pd0331_b173.pdf. Dort ist aber auch nachzulesen, dass die zwingend erforderliche Rasenabdeckung (neuer Rollrasen ist sehr teuer) und zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen wohl um die 150.000 Euro kosten würden, so dass das wirtschaftlich wohl nur bei wirklichen Großkonzerten darstellbar wäre.

  • 2
    0
    dwt
    04.05.2017

    Kommentar von 18:50 Uhr:

    Stimmt. Diese, meine Zeilen stammen vom CFC, welcher dieses so aussagte. Ich glaube das war ein Artikel aus der mopo.

    Vielleicht kommt ja nun doch noch etwas Vielfältigkeit in das Stadion.

  • 4
    1
    Blackadder
    04.05.2017

    @612115: Schauen Sie sich mal diesen Artikel und die dazugehörige Diskussion an:

    http://www.freiepresse.de/LOKALES/CHEMNITZ/CFC-Stadion-Gruene-fuer-Konzerte-und-Frauenfussball-artikel9701084.php#kommentare

    Dort kommentiert Nutzer dwt u.a., dass der CFC keine Konzerte wolle, weil es den Rasen kaputt mache.

  • 2
    2
    612115
    04.05.2017

    @Blackadder: Nein, die Nutzung des Stadions für andere Zwecke war noch nie ausgeschlossen. Ich weiß gar nicht, wo solcher Unfug immer wieder herkommt. Der Verein als Pächter hat sogar ein großes Interesse an einer Weitervermietung zu angemessenen Preisen, weil das dringend benötigte Einnahmen generieren würde. Allerdings gibt es zwangsläufig ein paar Einschränkungen, weil Spieltage natürlich freigehalten werden müssen und eine Nutzung der Rasenfläche als Maisfeld auch eher kontraproduktiv wäre :-).

  • 6
    1
    1107686
    04.05.2017

    Ich glaube der Beginn dieser Situation liegt längere Zeit zurück. Zum einen verhärtet sich der Eindruck, dass seit Jahren in der Geschäftsleitung des CFC Betriebswirtschaftliche Defizite vorhanden sind, was sich auch mit der unseriösen Bewirtschaftung eine "Sonderimmobilie" zum Ausdruck bringen lässt. Zum Anderen hat man den Eidruck das unsere OB (Frau Ludwig) hier die Fußballfans als Wähler betrachtet und gewinnen will, sich mit ihren städtischen Firmen, Eins und GGG wo sie als Aufsichtsratsmitglied die Wege der Firmen bestimmen kann, den Nachweis der Richtigkeit erbringen will, hier die richtige Entscheidung des Neubau Stadion gegenüber den Stadträten und somit der Bevölkerung der Stadt Chemnitz durchgeboxt zu haben. Weiterhin kann man bei dieser Diskussion rings um den CFC erkennen, dass im Vorfeld sich keiner - nicht mal der damalige Bauherr GGG - über eine nachhaltige Bewirtschaftung sich Gedanken gemacht hat und nun als die "Heilsbringer" durch die OB ins Obligo genommen wird. Es ist sehr Schade, dass nach wie vor hier nicht mit offenen Karten gespielt wird und somit ein Aushängeschild der Stadt Chemnitz, nämlich der Sport völlig in den Hintergrund gerät. Es ist nur zu hoffen, dass Frau Oberbürgermeisterin sich bei den Chemnitzer -, und -innen bedanken wird, dass Sie ihr eigenes Ego dahingehend befriedigt hat.

  • 10
    2
    cn3boj00
    04.05.2017

    @hkremms: Vielleicht formuliere ich es mal anders, damit Sie es besser verstehen: Die ersten 3 Ligen sind sogenannte Profiligen. Da agieren die Vereine und Sportler (man könnte auch Darsteller sagen) auf kommerzieller Basis. Dabei wird Geld verdient, ausgegeben und muss beschafft werden. Das zu tun steht jedem frei, wie auch jeder ein anderes Geschäft betreiben kann. Aber da hat sich bitte die öffentliche Verwaltung rauszuhalten. Es ist überhaupt nicht einzusehen, wieso sich Kommunalpolitiker mit den Geldproblemen von "Profis" befassen müssen. Und Profifußball ist eben kein Breitensport, bei dem das Geld viel besser aufgehoben wäre. Aber für sportliche Betätigung der Bevölkerung und Sportarten, die tatsächlich auf gemeinnütziger Basis arbeiten ist kein Geld da (siehe Schwimmhallen, auch sehr demokratisch zustande gekommen - aber das Funktionieren von Demokratie in diesem Lande soll hier nicht zur Sprache kommen). Wenn sich die Region Leipzig-Dresden-Zwickau (vergessen wir das Bundesland - war eher geografisch gemeint) 5 Profivereine leisten will dann sollen die bitte selber sehen wie sie sich finanzieren. Letztlich ist dazu auch eine Finanzkraft der Region und eine Sponsoringbereitschaft notwendig, was in Chemnitz offenbar nicht der Fall ist. Ob Kommerz doof ist oder nicht steht hier auch nicht zur Debatte, sondern einfach die Trennung von Kommerz und Breiten- und Vereinssport, der auf öffentliche Gelder dringend angewiesen ist.

  • 6
    2
    Blackadder
    04.05.2017

    @hkrems: War es nicht so, dass eine alternative Nutzung des Stadions, also für andere Sportarten oder Kulturveranstaltungen von vorherein ausgeschlossen wurde?

  • 5
    8
    hkremss
    04.05.2017

    @cn3boj00: "Kein anderes Bundesland im finanzschwachen Osten leistet sich 5 Vereine in drei höchsten Ligen." Was hat das Bundesland mit Fußball zu tun? Sachsen tut schon wenig für den Amateur-Sport und überhaupt gar nichts für den Profi-Sport. Deshalb gammeln ja auch die ehemals großen Sportanlagen in Chemnitz (und anderswo) vor sich hin. Die Stadt kann es alleine nicht stemmen und setzt eigene Schwerpunkte. Fußball ist nach wie vor ein attraktiver Breitensport ein verbindendes Element quer durch alle Bevölkerungsschichten. Die Entscheidung das Stadion zu bauen ist demokratisch zustande gekommen, sehe Sie es endlich ein. Gefällt Ihnen vielleicht nicht, diese Message ist angekommen. Kommerz ist sowieso ganz doof, verstanden. Merkwürdig dann ihr einziger konkreter Vorschlag, zuerst mal den Stadionbetrieb zu privatisieren (=kommerzialsieren), aber sei's drum. Der CFC hat durchschnittlich alle 14 Tage an einem Nachmittag im Stadion eine Veranstaltung. Da bleibt also sehr viel Zeit für alternative Nutzung. Und jetzt seien Sie mal kreativ und konstruktiv und unterbreiten Ihre Vorschläge. Danke vorab!

  • 13
    5
    cn3boj00
    04.05.2017

    Wie viel Geld soll der Steuerzahler noch für Fußball hergeben? Eine Sportart, die längst vom Kommerz beherrscht wird? Kein anderes Bundesland im finanzschwachen Osten leistet sich 5 Vereine in drei höchsten Ligen. Das kann auf Dauer ohne finanzkräftige Sponsoren nicht gut gehen, und die fehlen dem CFC offenbar. Das kann nicht durch öffentlich Mittel kompensiert werden, und ich befürchte, das Geld ist verloren. Man darf sich schon gerne über eine alternative Nutzung des Prestigeobjekts an der Gellertstraße Gedanken machen, dafür wäre eine Privatisierung des Betriebs eine erste Voraussetzung.



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