Gefährliche Bakterien im Klinikum Chemnitz am Küchwald nachgewiesen

Im Sommer 2015 war der Neubau der Inneren Medizin eröffnet worden. Ein Jahr später sind dort Keime entdeckt worden, die gegen Antibiotika resistent sind. Inzwischen scheint die Quelle des Erregers gefunden.

Am Städtischen Klinikum Chemnitz ist es bereits Mitte Juni zur Belastung mit multiresistenten Keimen gekommen. Betroffen ist nach Informationen der "Freien Presse" das Haus 35 am Standort Küchwald. Hierbei handelt es sich um den im vergangenen Jahr eröffneten Neubau der Inneren Medizin III, wo die Abteilungen Hämatologie, Onkologie sowie Stammzelltransplantation untergebracht sind.

Die Keime sind laut städtischem Gesundheitsamt bei insgesamt zwölf Patienten nachgewiesen worden. Dabei handelte es sich nach Angaben der Behörde "um schwerstkranke Menschen mit einer schweren Beeinträchtigung des Immunsystems". Bei zwei dieser Patienten, die laut Gesundheitsamt "an den Folgen ihrer schweren Krebserkrankung verstorben sind", seien die Keime ebenfalls nachgewiesen worden.

Die Klinikleitung hat nach Angaben des Gesundheitsamtes Maßnahmen ergriffen, um gegen die Keimbelastung vorzugehen und die Ursachen zu ermitteln. Alle Patienten und Patientenzimmer seien dabei auf die Keime untersucht worden. Die Gegenmaßnahmen beruhten auf den Empfehlungen des Berliner Robert-Koch-Instituts, also der zentralen Einrichtung der Bundesregierung auf dem Gebiet der Krankheitsüberwachung und -prävention. Alle betroffenen Zimmer seien demnach untersucht und aufbereitet worden; ein Teil sei weiterhin gesperrt. Wie viele Räume noch von der Sperrung betroffen sind, teilte das Gesundheitsamt nicht mit.

Nach Angaben des Klinikums Chemnitz handelt es sich bei dem festgestellten Keim um den Typ Pseudomonas aeruginosa. Das ist ein Bakterium, das wegen seines Stoffwechsels und seiner Zellmembranstruktur gegen verschiedene Antibiotika resistent ist. Dadurch lässt es sich bei den betroffenen Patienten nur schwer behandeln.

Nachgewiesen wurde der Keim laut Klinikum in den Stationen K35C, K35D sowie K35E. Dort befinden sich nach Angaben der Einrichtung Patienten, die aufgrund ihrer Erkrankungen sowie der durchgeführten Therapien überwiegend stark immungeschwächt und daher durch mikrobielle Krankheitserreger überdurchschnittlich bedroht seien. Ein Sprecher des Klinikums betonte, dass die spezifischen Hygieneanforderungen, die durch die Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention am Robert-Koch-Institut vorgegeben sind, beim Neubau des Gebäudes umgesetzt worden seien.

Laut Klinikum sind Experten der internen Abteilung Krankenhaus- und Umwelthygiene eingeschaltet, um die Ausbreitung des Erregers zu verhindern. Als Quelle des Keims sei demnach ein Waschbeckensiphon ermittelt worden. Es liege die Vermutung nahe, hieß es aus dem Klinikum, dass ein Patient die Bakterien in dem Waschbecken hinterlassen habe.

Bei den aufgetretenen Todesfällen sei ein Zusammenhang mit der Infektion durch den Erreger "schwierig zu belegen", heißt es auf eine Anfrage der "Freien Presse" aus dem Klinikum. Zum einen sei der Erreger bei den betroffenen Patienten nicht durchgehend nachweisbar gewesen, zum anderen müsse die Schwere der Grunderkrankung berücksichtigt werden.

Zugleich weist das Klinikum Kritik an seiner Informationspolitik zurück. Über das Auftreten des Erregers seien das Gesundheitsamt der Stadt Chemnitz "zu jedem Zeitpunkt vollumfänglich" informiert gewesen, erklärte die Geschäftsführung des Klinikums, das wiederum zu 100 Prozent der Stadt Chemnitz gehört. Zugleich seien mit den Verantwortlichen des Gesundheitsamtes und der Sächsischen Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen Sofortmaßnahmen beschlossen worden. Dazu zählten spezielle Desinfektionsvorgaben, technische Veränderungen am Waschbecken sowie ein ständiges Beobachten der betroffenen Nasszelle, teilt die Geschäftsführung mit. Zudem seien die behandelnden Ärzte, die zuständigen Pflegekräfte und die Mitarbeiter der Reinigung entsprechend informiert, geschult und mit Handlungsanweisungen ausgestattet worden. Die Benutzung des betroffenen Waschbeckens habe man zunächst untersagt, später sei ein neues Becken eingebaut worden. Gegenwärtig sei das betroffene Patientenzimmer nicht belegt. Diese Anordnung werde laut Klinikum solange aufrechterhalten, bis der Erreger "nachweislich vollständig" beseitigt worden ist.

Bei den aktuell stationär behandelten Patienten ist laut Klinikum der spezifische Erreger nicht nachgewiesen worden. In Planung seien weiterhin "umfängliche weitere Desinfektionsmaßnahmen des betroffenen Patientenzimmers, die die Einbeziehung externer Firmen erfordern".

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