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Die rechte Hälfte des Gebäudeensembles an der Annaberger Straße, das Haus mit der Nummer 110, wird ab der nächsten Woche abgerissen.

Foto: Andreas Seidel

Gefahr im Verzug: Stadt lässt Kulturdenkmal abreißen

Aus Sicherheitsgründen wird eine Hälfte des Gebäudes abgetragen. Kritiker werfen der Verwaltung kollektives Versagen vor.

Von Sandra Häfner
erschienen am 09.02.2018

Etwas mehr als 100 Jahre alt ist es geworden, jetzt wird es abgerissen: das Haus Nummer 110 an der Annaberger Straße. Es ist eine Hälfte eines Gebäude-Ensembles, das seit vielen Jahren leer steht und verfällt. Trotz wechselnder Besitzer änderte sich am Erscheinungsbild wenig: Fensterscheiben sind kaputt, die Fassade bröckelt, hinter dem Gebäude wächst ein kleiner Wald. Die Stadt hat gestern angekündigt, die stadtwärts stehende Hälfte abzureißen. "Das Baugenehmigungsamt hat den Abbruch angeordnet", so die Stadtverwaltung. Das sei wegen des schlechten baulichen Zustandes aus Sicherheitsgründen unvermeidlich. Da der Eigentümer der Aufforderung zum Abriss nicht nachgekommen sei, werde nun die Stadt diese Arbeiten übernehmen. Die Kosten dafür betragen 53.000 Euro, so ein Sprecher der Verwaltung. Ob die Stadt auf dem Geld sitzen bleibt, ist unklar. Die Verwaltung werde sich auf jeden Fall an den Eigentümer wenden und versuchen, das Geld zurückzubekommen, so der Sprecher.

Ein Gutachter war zu dem Schluss gekommen, "dass ein Erhalt und eine Sanierung mit vertretbarem Aufwand nicht mehr zu realisieren sind", so die Verwaltung. Teile des Dachs, der hölzernen Dachkonstruktion und Decken in den Obergeschossen seien eingestürzt. "Es regnet rein, der Hausschwamm breitet sich aus", so der Sprecher. Durch den Echten Hausschwamm und andere holzzerstörende Pilze seien tragende Bauteile so stark beschädigt, "dass die Standsicherheit des Gebäudes nicht mehr gegeben ist", heißt es. Das stelle eine Gefahr für die Öffentlichkeit dar. Die Abrissarbeiten inklusive der Räumung der Schuttberge und einer Giebelsicherung für die andere Haushälfte beginnen laut Verwaltung am Montag und sollen bis 2. März dauern. Eine der zwei landwärts führenden Spuren der Annaberger Straße wird gesperrt.

Am Vorhaben der Stadt wird Kritik laut. "Schade, damit wird die architektonische Einheit des Ensembles zerstört. Die andere Haushälfte hat dann keine Chance", sagt Sandro Schmalfuß von der Initiative "Stadtbild Chemnitz". Das Ensemble sei um 1909 von einem Brauereibesitzer errichtet worden, so Schmalfuß. Er ist überzeugt, dass man es hätte retten können. Das sieht Lars Fassmann ähnlich. Der Unternehmer und Stadtrat, der selbst alte Häuser kauft und saniert, ist sicher: "Retten kann man das Haus auf jeden Fall." Er wirft der Stadt kollektives Versagen vor. 2011 habe er die erste E-Mail an die Verwaltung geschrieben, sie aufgefordert, sich um das Haus zu kümmern, sagt er. Regelmäßig habe er die Stadt erinnert, "das denkmalgeschützte Gebäude unter allen Umständen zu erhalten". Eigentümerin war die Stadt nie. Derzeit gehört es einem privaten Besitzer, davor befand es sich 15 Jahre im Eigentum des Freistaates, vertreten durch den Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB). "Das Denkmal hat man sehenden Auges kaputtgehen lassen", sagt Fassmann. Auch die Stadt kritisiert den SIB. Trotz mehrfacher Aufforderung durch das Baugenehmigungsamt seien Sicherungsmaßnahmen an dem Gebäude nicht erfolgt, so ein Sprecher. Aber auch der neue Eigentümer sei der Pflicht zum Erhalt nicht nachgekommen.

 
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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Kommentare
12
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 09.02.2018
    19:02 Uhr

    Blackadder: @ ArndtBremen: 1989 dürfte ich noch gar nicht wählen.

    2 4
     
  • 09.02.2018
    18:09 Uhr

    ArndtBremen: @Black...: Ich denke, Ihr Wahlverhalten wird sich durch die Wende 1989 nicht verändert haben. Ihre Kommentare sprechen da eine recht eindeutige Sprache. Das finde ich aber auch gut so, weil das was mit konsequentem Bewusstsein zu tun hat.

    5 1
     
  • 09.02.2018
    13:03 Uhr

    Blackadder: @Interessierte: Herr Runkel hatte bei der letzten Wahl zum OB hier 15%, woher sollen denn auf einmal mehr kommen?

    2 4
     
  • 09.02.2018
    12:20 Uhr

    Interessierte:
    Wenn ich mich auch mit auf die Frau OB beziehe , dann ist es schon traurig , wie sie mit zusieht , wie ´ihre Stadt´ so nach und nach abgerissen , sprich - vernichtet wird .
    Und ´die Stadt bin ich` , diese Frau ist ja nun weg , man weiß nur nicht , welchen Anteil sie daran hat .

    Da kann man nur froh sein , das ´ein Chemnitzer` das L-Haus gegenüber genommen und somit gerettet hat , wo doch auch dort ´jemand` zumindest die Hälfte des Hauses abreißen wollte , Superstararchitekten waren das wohl ...
    Ich kann mich noch gut entsinnen , als man dort noch in diese Gaststätte ( Jagdhaus ) gehen konnte ?

    Und ich könnte mir durchaus einen anderen OB vorstellen , manche hatte den immer ´liebevoll` Ritter genannt ?.

    7 3
     
  • 09.02.2018
    12:15 Uhr

    Olbernhauer: Ich doch ein kleiner Schritt zu einem schönen Chemnitz.
    Wenn ihr alles stehen lasst, verliert ihr nie den Titel: ''Stadt der Ruinen''.
    Man kann und muss nicht alles sanieren.

    9 4
     

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