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Schauspieler Markus Lerch vom Schauspielhaus Leipzig beschrieb in einer szenischen Lesung am Mittwochabend im Lokomov den Ursprung und die Auswirkungen des Hasses in der Sprache.

Foto: Toni Söll

Hass in der Sprache - Die Brutalität der Worte

Bei einer Veranstaltung im Lokomov erzählen ein Schauspieler, ein Politiker und ein Flüchtling, wie weit verbale Anfeindungen gehen können.

Von Joseph Wenzel
erschienen am 02.02.2018

Es ist ein Satz gewesen, der im Leben von Jürgen Kasek alles auf den Kopf stellte: "Wir klagen an!" Zusammen mit seiner privaten Adresse als Steckbrief veröffentlicht im Internet und mehrere tausend Mal geteilt in den sozialen Medien. So beginnt der Landesvorstand der Grünen auf einer Veranstaltung am Mittwochabend im Lokomov, seine persönliche Erfahrung mit dem Hass in der Sprache zu schildern.

Kasek ist selbst eine polarisierende Figur. Immer dort präsent, wo er Hass und Rassismus ausmacht. So auch am 4. Juli 2016 auf einer Demonstration gegen das Legida-Bündnis in Leipzig. An diesem Abend wurde ein Ordner des Bündnisses angegriffen und schwer verletzt. Für die Legida-Anhänger sei schnell klar gewesen, dass Kasek den Überfall veranlasst habe. Was sich dann seine Bahnen brach, nennt der Leipziger eine beispiellose Hetzjagd. Begonnen habe es mit Hasskommentaren auf seinem Profil in den sozialen Medien. "Kasek an den Strick" oder "Aufhängen, den Hund" sei dort geschrieben worden, sagt der 37-Jährige. Dann seien Neonazis, so Kasek, vor seiner Wohnung mit einem Transparent aufgetaucht. Darauf sei der Spruch: "Kasek, Auftragskiller!" zu lesen gewesen. Eine ständige Polizeistreife habe daraufhin seine Wohnung bewacht. Schließlich habe die Kindergärtnerin seiner Tochter ihm gesagt, sie hoffe, dass niemand erfährt, wer der Vater ist. Denn dann sei auch das Wohl des Kindes gefährdet. Schließlich habe ihm die Polizei geraten, an einigen Tagen nicht mehr die Wohnung zu verlassen, da ein Überfall von Rechten zu vermuten sei. Eine Situation, die Angst erzeugt, bis hin zur Paranoia, beschreibt der 37-Jährige.

Auf der Suche nach den Ursachen dieser verbalen Anfeindung zeichnet Markus Lerch, Ensemblemitglied am Schauspielhaus Leipzig, eine Historie des Hasses in der Sprache. Von den Schriftstellern der Antike bis zum Nationalsozialismus, den er die "größte Sprachkatastrophe der Geschichte" nennt, sei Hass in der Sprache präsent gewesen. Noch heute wirken die toxischen Sprachreste des nationalsozialistischen Vokabulars, sagt Lerch. "Worte sind wie Arsen, die unsere Kommunikation schleichend vergiften, bis der Hass im Gesagten manifest ist", sagt Lerch. Doch wo liegt der Übergang von der Sprache zur Tat, fragt der Schauspieler abschließend das Publikum.

Thaer Ayoub kann eine Antwort auf diese Frage geben. Der Syrer war ein Jahr in einem Foltergefängnis inhaftiert gewesen, bevor er nach Deutschland flüchtete. Hass habe er sowohl in Syrien als auch in Deutschland erlebt und Hass fühle er auch selbst, wie er sagt. Denn "ich kann die Menschen, die mich folterten, nicht lieben", so der 28-Jährige. Hass sei nur ein Gefühl, aber verletzen würde die Tat und dazu zähle auch das gesprochene Wort. Es sei unmöglich, die Menschen zu belehren, nicht zu hassen. Doch es gebe Wege, mit dem Hass in der Sprache umzugehen. Für Ayoub ist das die Poesie. Er hat seine Erfahrungen in einem Gedichtband verarbeitet.

 
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