Hightech-Basteln (nicht nur) für Profis

Mit Laser oder Säge: In der offenen Werkstatt auf dem Sonnenberg wurden letzte Weihnachtsgeschenke gefertigt. Dort stehen Geräte, die für den Hausgebrauch zu teuer wären.

Unscheinbar wirkt die Hinterhofhalle von außen, doch sie birgt einige Schätze: Laser-Schneider, eine zwei Tonnen schwere CNC-Fräse, Sägen und 3D-Drucker - das Chemnitzer Fabrikationslabor, kurz Fablab, ist ein Paradies für Technikfreunde. Am Samstag haben sich etwa 30 Neugierige nicht nur die Werkstatt an der Philippstraße angeschaut, sondern auch ihre Ideen für Weihnachtsgeschenke realisiert.

Maik Jähne, Mitgründer des Fablabs, hat schon immer gern gebastelt. "Im Laden finde ich nie das, was ich möchte. Also muss ich es halt selbst machen", sagt er: Möbel, Spielzeug für seinen Sohn oder eben Weihnachtsgeschenke. Die offene Werkstatt ist aber mehr als ein Spielplatz für fortgeschrittene Hobbybastler. Die Idee der Fablabs, die es seit 2009 in Deutschland gibt: Technik und Wissen werden geteilt, Zugang zu Technologien für alle, vom Studenten bis zum Rentner. Daraus sollen neue Ideen, neue Blickwinkel entstehen. Die meisten Geräte im Fablab sind Dauerleihgaben von Firmen oder Privatleuten, die die Kapazitäten der Maschinen nicht ausnutzen können und sie nicht im Keller verstauben lassen wollen.

Selbst gemachte, individuelle Geschenke zeigen Wertschätzung, findet Maik Jähne. Mit dem Knowhow im Fablab und Technik, die früher nur Profis zur Verfügung stand und für die meisten Privatleute unbezahlbar war, lässt sich vieles umsetzen, was sonst kaum möglich gewesen wäre. Der Laser brennt dank computerunterstützter Technik den Schwibbogen mit Wunschmotiv ins Holz, der 3D-Drucker erschafft in wenigen Minuten das vorher auf dem Tablet gemalte Polizeiauto: "Basteln" im digitalen Zeitalter.


Filigranes mit dem Laser

Mini-Schwibbogen: Dieses aus Holz gelaserte Kunstwerk nahmen Melanie und Mirko Günther mit nach Hause. Es ist das Weihnachtsgeschenk für die Schwägerin. Selbst gemachte Gaben haben bei den beiden Schwarzenbergern Tradition. "Kaufen kann jeder", so Mirko Günther. Für ihn sind Geschenke ein Dankeschön für das vergangene Jahr. "Es geht nicht darum, sich gegenseitig zu übertrumpfen." Er schenke lieber weniger, dafür mit Bedacht. (ulab) Fotos (4): U. Abraham


Winterliches mit der Säge

Schneemann: Diesen Gesellen hat Mohammd Shamali mit der Laubsäge gefertigt. Der Syrer ist gelernter Tischler, der Umgang mit Holz ist ihm vertraut. Das Fablab sei für den Asylbewerber eine gute Gelegenheit, mit Deutschen in Kontakt zu kommen und die Sprache zu lernen. Mitgründer Maik Jähne plant ein Projekt, in dem Flüchtlinge beispielsweise Schwibbögen herstellen und verkaufen. Der Erlös soll Organisationen in diesem Bereich zugutekommen. (ulab)


Einzigartiges aus Glas

Bilderrahmen: Mehrere Runden hat der Laser-Schneider gebraucht, um die charakteristischen Kurven des Sachsenrings in die Acrylglasplatte zu brennen. Marie-Luise Wintermantel hatte genaue Vorstellungen: Die Studentin aus Chemnitz mag keine unpersönlichen Weihnachtsgeschenke, die Platte wird ein außergewöhnlicher Bilderrahmen für ihren Freund. Die beiden haben sich vor drei Jahren an der Rennstrecke in Hohenstein-Ernstthal kennengelernt. (ulab)


Gemaltes aus dem Drucker

Spielzeug: Gemaltes Wirklichkeit werden lassen - mit dem 3D-Drucker kein Problem. Der kleine Chemnitzer Moritz Scholz (4) konnte ein eigenes Polizeiauto mit nach Hause nehmen. Auch Moritz' Mutter war begeistert von den Möglichkeiten in der offenen Werkstatt: Ihr Mann hat begonnen, für Moritz ein Parkhaus und eine Feuerwehr aus Holz zu sägen. Das werde er ab jetzt im Fablab tun, statt in der Wohnung. Platz und verschiedene Sägen stehen dort zur Verfügung.(ulab)

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