In Chemnitzer Wohngebieten gilt fast durchweg Tempo 30

Das Rathaus sieht kaum noch Potenzial für das Ausweisen weiterer Zonen. Dennoch werden immer wieder neue Forderungen laut.

Unter den in Deutschland gängigen Verkehrszeichen war Nummer 274.1 in den zurückliegenden Jahren in Chemnitz besonders gefragt - die Tempo-30-Zone. Die Anzahl der im Stadtgebiet ausgewiesenen Bereiche, in denen nicht schneller als 30Kilometer pro Stunde gefahren werden darf, ist seit dem Jahr 2004 um gut ein Drittel gestiegen - von einstmals knapp 150 auf mittlerweile mehr als 200. "Entsprechend der Beachtung verkehrsrechtlicher Möglichkeiten sind somit nahezu alle Wohngebiete in Chemnitz verkehrsberuhigt", bilanziert die Stadtverwaltung - und spricht von einem Erfolg in der Verkehrsentlastung der Wohnviertel.

Die Konsequenz: Das Potenzial ist mittlerweile weitgehend ausgereizt. Ohne wesentliche Änderungen im Hauptnetz der Straßen, die weiteren Durchgangsverkehr aus den Wohngebieten abziehen, gebe es kaum noch Möglichkeiten, zusätzliche Tempo-30-Zonen auszuweisen, heißt es aus dem Rathaus. Abgesehen von neu entstehenden Wohnsiedlungen könnten bestenfalls bereits vorhandene Tempo-30-Zonen um angrenzende Straßenabschnitte erweitert werden.

Im vergangenen Jahr war das beispielsweise im Yorckgebiet der Fall. Dort wurde eine bestehende Tempo-30-Zone auf der Fürstenstraße in Richtung Sonnenberg erweitert und mit einer weiteren Zone zusammengelegt. Nicht zuletzt Eltern von Schülern und die Leitung der anliegenden Montessorischule hatten sich für diesen Schritt immer wieder stark gemacht. Das Ergebnis: Heute gilt fast im gesamten Yorckgebiet Tempo 30, ähnlich wie auf dem Kaßberg sowie großen Teilen des Sonnenbergs und der Stadtteile Adelsberg und Grüna.

Der Fall ist nicht untypisch. "Die meisten Anregungen für die Ausweisung der Tempo 30-Zonen kommen aus der Bürgerschaft", erläutert Baubürgermeister Michael Stötzer. Auch bei der im vergangenen Jahr eingerichteten Zone Inselstraße/ Abteiweg auf dem Schloßberg sei die Initiative von einer Kindertagesstätte ausgegangen. Andernorts wurden insbesondere vor Schulen Tempo-30-Abschnitte eingerichtet.

Aber bringt derlei Verkehrsberuhigung tatsächlich mehr Sicherheit? "Statistische Unfallzahlen für die Strecken mit Tempo 30 vor Schulen und Kindergärten liegen keine vor", antwortet Baubürgermeister Stötzer auf eine entsprechende Anfrage von CDU-Stadtrat Alexander Dierks. In Elternbefragungen zu Themen der Schulwegsicherheit würden Tempo-30-Beschränkungen jedoch in der Regel als Sicherheitsgewinn wahrgenommen.

Doch längst nicht jeder Autofahrer hält sich an die Vorgaben. Das zeigen die Geschwindigkeitskontrollen, die das städtische Ordnungsamt und hin und wieder auch die Polizei vornehmen. Allein auf der Adelsbergstraße wurden seit Jahresbeginn fast 400 Fahrzeugführer mit Buß- oder Verwarngeldern belegt, weil sie schneller als die erlaubten 30km/h unterwegs waren. Seit 2016, so Ordnungsbürgermeister Miko Runkel, wurden dort insgesamt mehr als 1300 Bußgelder in Höhe von fast 30.000 Euro fällig.

Geht es nach den Chemnitzer Grünen, dann könnte Tempo 30 im gesamten Stadtgebiet zur Regel werden. "Wir können uns generell Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit vorstellen, während Tempo 50 nur auf Ausfallstraßen und in Gewerbegebieten erlaubt wäre", heißt es vom Stadtverband. "Damit würde nicht nur das Leben der Chemnitzerinnen und Chemnitzer stärker geschützt, sondern unsere Stadt attraktiver und lebenswerter."

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2Kommentare
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  • 3
    3
    cn3boj00
    03.04.2018

    @Deluxe: Sie gehören wohl auch zu denen, für die die StVO nur empfehlenden Charakter hat und die mit 60 durch die Wohngebiete düsen? Und das auch noch wegen der Umwelt? Wenn die Abgasbelastung spürbar zunimmt, dann ab 130-140 auf der Autobahn, wo nix mehr mit Drehzahl 2000 ist...

  • 7
    5
    Deluxe
    03.04.2018

    Toller Vorschlag - und so typisch grün!
    Wenn dann alle im 2. Gang ihre 30 zuckeln statt im 4. oder 5. Gang Tempo 50-60 fahren, gibt's endlich einen Grund für Fahrverbote, weil die Abgasbelastung ins Unermeßliche steigt.
    Um grüne Wellen muß man sich ja in Chemnitz zum Glück keine Gedanken machen - es gibt sowieso keine.

    Super Plan!



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