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Auf der Annaberger Straße steht in Höhe der Hausnummer 110 seit gestern nur noch eine Fahrspur in stadtauswärtiger Richtung zur Verfügung. Die Sperrung der anderen Spur ist Teil der Vorbereitung des Abrisses. Mitte dieser Woche sollen die Arbeiten beginnen.

Foto: Andreas SeidelBild 1 / 2

Investoren wollen Gebäude vor dem Abriss retten

Das Ende des Kulturdenkmals an der Annaberger Straße schien besiegelt. Nach Protesten und Kritik gibt es nun eine Idee, wie das Gebäude doch noch gerettet werden könnte.

Von Benjamin Lummer
erschienen am 13.02.2018

Altchemnitz. Bagger sind noch nicht zu sehen. Die Sperrung einer landwärtigen Spur deutet aber auf baldige Arbeiten hin: An der Annaberger Straße 110 haben die Vorbereitungen für den Abriss des Gebäudes begonnen. Ein Abriss, der umstritten ist und für viel Kritik sorgt.

Verschwinden soll die Hälfte eines 110 Jahre alten Gebäude- ensembles. Es steht seit vielen Jahren leer und verfällt. Vergangene Woche hatte das Rathaus den Abriss des Hauses angekündigt. Der sei aus Sicherheitsgründen unvermeidlich, hieß es: Teile des Daches und der Decken in den Obergeschossen seien eingestürzt, hatte die Verwaltung erklärt. Da der Eigentümer der Aufforderung zum Abriss nicht nachgekommen sei, werde nun die Stadt diese Arbeiten übernehmen, die diese Woche beginnen sollten. Die Kosten dafür betragen 53.000 Euro.

Die Ankündigung des Rathauses hatte Diskussionen ausgelöst. Stadtratsmitglieder der Grünen und der Fraktion Vosi/Piraten hatten ein Stopp der Abrisspläne und eine Notsicherung gefordert. Es gebe Interessenten für das Haus, hieß es.

Einer dieser Interessenten ist die Firma Rewobau. Das Baumanagement-Unternehmen mit Sitz in Leipzig ist nach Angaben des Geschäftsführers Dietmar Jung seit fünf Jahren in Leipzig und seit etwa einem Jahr in Chemnitz aktiv. Die Firma kaufe vorrangig Altbauten auf und saniere diese. Derzeit stehe ein Projekt an der Mühlenstraße in den Startlöchern, sagt Jung.

Im vergangenen Jahr hat Rewobau ein Haus an der Zwickauer Straße erworben. "Im Paket mit drin war das Gebäude Annaberger Straße110a", berichtet der Geschäftsführer. Damals habe er auch die andere Hälfte erwerben wollen, die nun abgerissen werden soll. Allerdings sei diese mit vielen Altlasten im Grundbuch belastet, die ein hohes finanzielles und rechtliches Risiko bedeutet hätten, sodass er vom Kauf abgesehen habe, sagt Jung.

Vor wenigen Tagen habe ihn dann die Information erreicht, dass dieser Teil des Hauses abgerissen werden soll, weil er nicht mehr zu retten sei. Das stimme nicht, meint der Investor. "Das Bauamt dramatisiert die Lage. Ein Erhalt ist möglich", sagt der Unternehmer. Zwar seien viele Holzbalken im Haus von Hausschwamm befallen. Die Balken würden bei einer Sanierung aber sowieso entfernt werden, erklärt Jung. "Wenn ich das Haus erwerben kann, ist es für mich kein Problem, eine Kernsanierung durchzuführen." Für beide Gebäudehälften rechne er mit Sanierungskosten von mindestens zwei Millionen Euro. "Noch offen ist, ob wir nur Wohnungen unterbringen würden."

Das Problem: Die Stadt ist nicht Eigentümer des Hauses. Derzeit gehört es einem privaten Besitzer, davor befand es sich 15 Jahre im Eigentum des Freistaates, vertreten durch den Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB). Jungs Vorschlag: Die Stadtverwaltung müsste eine Zwangsversteigerung auf den Weg bringen. Sollte die stattfinden, würde er mindestens 50.000 Euro bieten, um das Haus zu erwerben, kündigt der Investor an. Das habe er dem Baugenehmigungsamt gestern Morgen schriftlich mitgeteilt. Der Vorteil dieses Verfahrens: Die Altlasten aus dem Grundbuch würden verschwinden.

Lars Fassmann hält das ebenfalls für eine gute Lösung. Er habe gestern mit dem Baugenehmigungsamt über Rettungsideen gesprochen, sagt der Stadtrat und Investor. "Die Verwaltung hat Angst, dass sie das Gebäude sichert und dann steht es nur rum." Eine Zwangsversteigerung sei eine Lösung, so Fassmann. "Der Mindestbetrag muss aber so hoch angesetzt werden, dass es dem neuen Eigentümer weh tun würde, nichts mit dem Haus anzufangen." 50.000 Euro seien ein entsprechender Betrag, so Fassmann. Er habe der Stadtverwaltung angeboten, Investoren zu suchen, die diese Summe aufbringen, berichtet der Stadtrat. "Und wenn sich niemand findet, mache ich es selbst." Bis es soweit ist, müsste aber die Stadt Sicherungs- arbeiten in Auftrag geben, die laut Fassmann 200.000 Euro, laut Jung etwa die Hälfte kosten würden.

Während sich die Stadtratsfraktion der Linken für einen Abriss ausspricht, plädieren CDU/FDP für den Erhalt. "Wenn das Haus den großen Sturm überstanden hat, dann kann es auch noch vier Wochen stehen bleiben, bis wir eine Lösung haben", sagt Dieter Füsslein. Die Fraktion Vosi/Piraten hat gestern Abend für den Erhalt einen Beschlussantrag gestellt. Ob der Aussicht auf Erfolg hat, ist unklar: Der Stadtrat tagt das nächste Mal am 7. März. Der Abriss soll dem Rathaus zufolge aber bereits Mitte dieser Woche beginnen.

 
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Kommentare
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  • 13.02.2018
    08:26 Uhr

    lfa: Der Bauunternehmer und "Sprecher für Bau und Denkmalschutz" Kai Tietze der Fraktion DIE LINKE sowie der "Sprecher für nachhaltige Stadt- und Regionalentwicklung" Thomas Scherzberg ebenfalls DIE LINKE haben sich schon öffentlich für den Abriss ausgesprochen, da man keine Fehler der Verwaltung erkennen kann.

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  • 13.02.2018
    06:31 Uhr

    ConlinkFinance: Also wenn ein Stadtrat dagegen entscheidet, scheint ihm unsere Stadt ja wirklich egal sein. Dann soll er bitte aus dem Stadtrat ausscheiden. Wenn es eine Lösung für das Gebäude gibt, dann sollte man diese im Interesse von Chemnitz auch ergreifen. Welcher Stadtrat ist gegen Chemnitz und dem Erhalt des Chemnitzer Kulturgut?

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