Kilometerlanges Geländer verärgert vor allem Naturfreunde

Knapp die Hälfte des 5,7 Kilometer langen Abschnitts zwischen Wittgensdorf und Markersdorf ist mit Metallrohren begrenzt. Kritiker zweifeln die Notwendigkeit an.

Markersdorf.

Das Ehepaar Baumann aus Chemnitz hat den fertiggestellten Chemnitztalradweg zwischen Wittgensdorf und Markersdorf getestet - allerdings lag da noch kein Schnee. "Überall Metallgeländer - so wie auf einer großen Wartezone am Flughafen oder in einem Fußballstadion", sagt der Radfahrer. Noch schlimmer sei der Eindruck von der Chemnitztalstraße aus. Das Landschaftsbild "des wunderschönen Chemnitztales" sei dort komplett zerstört worden.

Kilometerweit sehe man nur das Geländer. Damit werde massiv in ein Naturschutzgebiet eingegriffen, fügt er hinzu. Das Chemnitztal sei ein Kleinod vor den Toren von Chemnitz. Jetzt befürchtet er, dass auch das Schweizertal zerstört werde, wenn der Radweg weitergebaut wird. Baumann bezweifelt die Rechtmäßigkeit des Vorgehens.

Insgesamt werden 2,6 Millionen Euro auf dem 5,7 Kilometer langen Abschnitt der ehemaligen Eisenbahntrasse investiert, sagt Isabel Siebert, Sprecherin des zuständigen Landesamtes für Straßenbau und Verkehr. Etwa 2,5 Kilometer der Trasse sei mit einem Geländer versehen worden, auf einer Strecke von 300 Meter auch beidseitig. Sie begründet die kilometerlange Reihe an Metallrohren mit Richtlinien wie der Empfehlungen für Radverkehrsanlagen - kurz ERA. Eine seitliche Sicherung gegen Absturz und Abkommen vom Weg sei an abfallenden Böschungen von mehr als drei Metern Höhe zum Gewährleisten der Verkehrssicherheit zwingend vorgeschrieben, ergänzt sie. Art und Umfang der Geländer entsprechen den geltenden technischen Vorschriften, fügt sie hinzu. Besondere gestalterische Auflagen in Verbindung mit Belangen des Naturschutzes oder des Landschaftsbildes seien bei der Genehmigung des Bauvorhabens unter Einbeziehung aller Träger öffentlicher Belange nicht auferlegt worden. Christel Römer von der Burgstädter Regionalgruppe des Naturschutzbundes sagt, dass ihr bisher keine Kritik zum möglichen zerstörten Landschaftsbild bekannt sei.

Peter Gwiasda aus Köln hat die Richtlinie ERA erarbeitet. Er kenne den Radweg aber nicht. "Die ERA sind Empfehlungen, von denen in begründeten Fällen abgewichen werden kann." In dem Papier wird beispielsweise benannt, dass eine Sicherung über Brücken und Stützwänden vorzunehmen ist. Mit konkreten Neigungswinkeln und Höhen werden die Vorgaben präzisiert.

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) als Vertreter der Radfahrer hat sich die Strecke mit dem Geländer auch schon angeschaut. "Die Trasse hat viele Brücken und Böschungen", sagt Thomas Lörinczy vom ADFC Chemnitz. Das komme daher, weil der Weg auf der Strecke der ehemaligen Chemnitztalbahn verläuft. Deshalb sei es wichtig, Begrenzungen vorzunehmen, damit bei einem Sturz nichts Schlimmeres passiert. Sicherheit gehe vor, fügt er hinzu. Er sei froh, dass der Freistaat in das Anlegen von Radwegen investiert. Lörinczy hofft, dass es nicht mehr so lange dauert, bis man von Chemnitz ins Muldental fahren kann. "Aber wir waren nicht in die Planung einbezogen", ergänzt sein Vereinskollege Alexander Borck. Das Geländer erhalte sicher keinen Schönheitspreis, sagt er. Aber wenn die ERA-Richtlinien das vorschreiben, sei eine Einhaltung auch aus versicherungstechnischen Gründen notwendig. "Mir persönlich sagt das Geländer auch nicht zu", sagt er, es nehme dem Radwegabschnitt etwas von der Idylle.

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2Kommentare
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  • 3
    1
    dwt
    12.01.2017

    Es gab Zeiten da hat man solches mit der Natur verbunden.
    Heute ist es nur noch mittel zum Zweck.

    Ein Geländer welches seinen Sinn erfüllt. Ganz nach Richtlinie, fertig.

    Vom Stil oder Geschmack ist nichts mehr übrig geblieben.

  • 2
    2
    ClausMi
    11.01.2017

    Mir gefällt der neue Radweg auch mit Geländer.



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