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Anke Scheer (links) und Steffi Schröder holen ihre Kinder aus der Kita Lebensbaum ab. In der Garderobe ist es eng. Ein Anbau ist geplant.

Foto: Andreas SeidelBild 1 / 2

Kindergarten überfüllt - Eltern fordern Geld für einen Anbau

Die Baupläne liegen vor. Doch das Geld fehlt für das 2,5 Millionen-Euro-Projekt. Jetzt verwehrt auch die Stadt Burgstädt Hilfe für den Verein, der die Einrichtung betreibt.

Von Bettina Junge
erschienen am 16.05.2018

Burgstädt. Es ist kurz nach 14 Uhr. Der Mittagsschlaf im Kindergarten Lebensbaum in Burgstädt ist beendet. Einige der 60 Mädchen und Jungen im Alter zwischen zwei und sechs Jahren werden von ihren Eltern abgeholt. Auch der zweijährige Liano wartet auf seine Mutter. Steffi Schröder holt ihn und die sechsjährige Schwester Emilia ab. Im Gang herrscht Gedränge. Gleichzeitig hilft Anke Scheer ihrer Tochter Klara beim Anziehen.

Beide Frauen hatten schon ihre ältesten Kinder, die sieben bzw. neun Jahre alt sind, in die Einrichtung der Evangelisch-Kirchlichen Gemeinschaft an der Göppersdorfer Straße gebracht. "Damals war es auch schon beengt", sagt Anke Scheer. Sie habe gehofft, dass ein geplanter Anbau schneller kommt. Seit 2016 gibt es Baupläne. Geplant ist für etwa 2,5 Millionen Euro ein Neubau, sagt Gemeindepastor Tobias Zöllner. Auf den Zeichnungen sind mögliche Varianten für ein zweistöckiges Gebäude mit Übergangsbau für Nebenräume sowie Krippe im Erdgeschoss und Kindergarten im Obergeschoss zu sehen. "Damit könnten wir 15 neue Plätze schaffen", sagt Zöllner. Dabei sollten auch integrative Plätze entstehen, denn ein Teil der sieben Erzieherinnen sei dafür ausgebildet.

Vor 92 Jahren hatten Diakonissen den Kindergarten gegründet. 1985 ließ die Gemeinschaft als Eigentümer das Gebäude sanieren. 1992 wurde der vordere Teil erneuert. Trotzdem fehle es an den nötigen Quadratmetern, um grundlegend etwas zu verändern, sagt Leiterin Gabriele Reinhold, die vor 47 Jahren selbst den Kindergarten besuchte. Aufgrund der Beengtheit sei es nicht möglich, Schlafräume oder Waschräume mit Einzelwaschbecken einzurichten. Deshalb könnten auch erst Kinder ab einem Alter von zwei Jahren aufgenommen werden. Weil es nur ein schmales Treppenhaus gibt, dürften Kinder mit Gehbehinderung nicht betreut werden.

Da der Landkreis Mittelsachsen keine Fördermittel in Aussicht gestellt habe, war vor drei Jahren ein Spendenaufruf gestartet worden, sagt Pastor Zöllner. 36.000 Euro kamen zusammen. Davon kaufte der Kindergarten-Verein mit 33 Mitgliedern ein Nachbargrundstück. Dort könnte der Neubau stehen, erläutert Zöllner. In der Zwischenzeit sei dort der Spielplatz erweitert worden. "Jetzt haben wir die nötige Fläche, aber immer noch kein Geld", sagt er. Deshalb wurde die Stadt Burgstädt, die laut sächsischem Kita-Gesetz für die Kindereinrichtungen zuständig ist, um Hilfe gebeten. Der Verein gab eine Machbarkeitsstudie in Auftrag. Die sollte Möglichkeiten der Finanzierung aufzeigen. Darunter ist auch eine öffentliche-private Partnerschaft (ÖPP). "Damit haben wir schon gute Erfahrungen gemacht", sagt Bürgermeister Lars Naumann. Der Neubau des knapp zehn Millionen teuren Sportbades im Sportzentrum war über ÖPP finanziert worden. Als privater Partner agierte eine Gesellschaft aus Sachsen-Anhalt.

"Eine Kapazitätserweiterung in der Kita ist dringend erforderlich", sagte Naumann zur jüngsten Stadtratssitzung. Die Studie ergab, dass der Erweiterungsbau zwischen zwei und drei Millionen Euro ohne Fördermittel kostet. Der Verein könne das nicht stemmen. Doch auch die Stadt habe dafür nicht das nötige Geld. Eine Finanzierung über ÖPP würde 20 bis 30 Jahre dauern. Das wäre jährlich eine Belastung zwischen 100.000 und 200.000 Euro, so Naumann. Vorerst bezahle die Stadt die Studie für knapp 10.000 Euro als Vereinsförderung.

Außerdem will die Stadt prüfen, ob durch ein neues Stadtumbau-Programm Fördermittel beantragt werden können. Pastor Zöllner bestätigt, dass es dazu bereits Absprachen gibt. Wie eine Sprecherin des sächsischen Kultusministeriums sagt, unterstützen dieses Jahr der Freistaat mit fünf Millionen und der Bund mit 57,2 Millionen Euro Kita-Bauten. Der Jugendhilfeausschuss des Landkreises habe aber für die Kita Lebensbaum kein Geld bewilligt. Die Sprecherin rät, den Antrag zu wiederholen, denn es sei erneut Bedarf angemeldet worden. Zöllner ergänzt, dass der erste Antrag abgelehnt worden sei, weil der Anbau zu groß geraten sei. Ein Architekt überarbeite jetzt die Planunterlagen.

Anke Scheer selbst wurde von 1983 bis 1986 selbst in dem Haus betreut. "Ich bin Christin und da ist mir die Wertevermittlung hier wichtig", sagt die 38-Jährige. Schon damals sei es schwer gewesen, die alte Baracke umzubauen. In der DDR seien kirchliche Einrichtungen benachteiligt gewesen, erklärt sie. Scheer will 2020 ihr drittes Kind Esther auch im Lebensbaum betreuen lassen. "Sofort als ich schwanger war, habe ich einen Platz beantragt", sagt sie. Das bestätigt Leiterin Reinhold. Die Warteliste bei 60 Plätzen sei lang. Bereits bis Ende 2020 seien alle Plätze ausgebucht und für 2021 lägen erste Anmeldungen vor. "Das liegt am guten Konzept", sagt Mutter Steffi Schröder. Sie selbst sei konfessionslos. "Aber hier erfahren die Kinder Wertschätzung, lernen Selbstachtung untereinander und Normen sowie Regeln zu befolgen", erläutert die 34-Jährige. Anke Scheer ergänzt: "Hier bietet jeder dem anderen Hilfe an und nimmt auch Hilfe entgegen." Als Beispiel nennt sie das Anziehen in der Garderobe. "Jeder sucht sich einen Freund, dem er in die Jacke helfen kann."

Doch beim Stichwort Garderobe werden die Mütter nachdenklich und fordernd. "Der Kindergarten platzt aus allen Nähten", sagt Scheer. "Es ist schon traurig, wenn die Kleinen mittags auf Matratzen auf dem Boden schlafen müssen, weil der Platz fehlt", so Steffi Schröder.

 
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