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Die letzten Kunden sind gestern im Laden an der Ulmenstraße 61 bedient worden. Torten, Plunder und Blätterteig gibt es dort jetzt nicht mehr. Damit gehteine Tradition zu Ende, die 1911 begonnen hatte.

Foto: Andreas Seidel

Konditorei verschwindet nach über 100 Jahren vom Kaßberg

Seit 1911 war die Ulmenstraße 61 eine Adresse für Torten, Gebäck und Kaffee. Jetzt schließen die letzten Besitzer das Geschäft.

Von Jana Peters
erschienen am 11.08.2017

Kaßberg. Ein Stück Torte und eine Tasse Kaffee bestellt die Kundin, "zum hier essen". Doch Verkäuferin Kathleen Bonitz muss sie enttäuschen. Das Café sei schon geschlossen, das Mobiliar zusammengestellt. Sie könne nur noch Waren zum Mitnehmen verkaufen. Es ist spät am gestrigen Nachmittag, die Konditorei an der Ulmenstraße 61 schließt bald - für immer. Schon seit Anfang August war nur noch bis 16 Uhr geöffnet, ab heute bleibt die Tür ganz geschlossen. Die 52-jährige Stammkundin schaut betrübt, als sie das erfährt. Sie sei oft zur Kaffeezeit gekommen und kenne die Konditorei, seitdem sie ein Kind war. "Das war eine gute Adresse hier", sagt sie.

Zu den wenigen Kunden, die gestern noch kamen - die Nachricht von der Schließung hatte sich in den vergangenen Tagen bereits herumgesprochen - gehörte auch Petra Eichler. Sie habe auf Empfehlung von Bekannten einen bunten Tortenteller für Samstag bestellen wollen. Dass die Konditorei schließt könne sie nicht verstehen, "die Gegend hier ist doch so dicht besiedelt", sagte sie.

Seit 1911 war eine Konditorei in dem Eckladen ansässig. In jenem Jahr eröffnete dort die Filiale "Konditorei und Café Efreuna". Der Hauptsitz des 1850 gegründeten Traditionsunternehmens "Emil Freund Nachfolger" befand sich unweit des Johannisplatzes. Doch das dortige imposante Kaffeehaus wurde am 5. März 1945 zerstört und Efreuna verlagerte seinen Sitz komplett in die Filiale an der Ulmenstraße. Dort hielt zuletzt Konditormeister Jürgen Händel die Efreuna-Tradition aufrecht - bis zum Herbst 2012. Der damals 62-Jährige gab das Café und die Backstube auf. Der Name Efreuna war damit nach gut anderthalb Jahrhunderten Geschichte, wurde aber vom nächsten Traditionsunternehmen übernommen. Denn Händel übergab an Branchenkollegin Christine Noack, Inhaberin der 1935 gegründeten Chemnitzer Konditorei Gränitz. Noack, deren Hauptsitz damals noch an der Limbacher Straße war, verlagerte die Produktion an die Ulmenstraße und stellte zwei neue Mitarbeiter in. Sie tue das für ihre zwei Kinder, sagte sie damals. Diese seien auch Konditoren und wollten das Geschäft übernehmen.

Doch es kam anders. Noack beschreibt, dass das Unternehmen Gränitz seit 31. Dezember 2014 ruhe. Mit der Übergabe habe es aus gesundheitlichen Gründen bei einem ihrer Kinder nicht geklappt. Ein Kind allein könne den Laden aber nicht führen, das sei nicht zu schaffen. Darum übernahm Werner Voigt das Geschäft. "Gränitz und Voigt" stand seitdem auf dem Schild, ebenso wie an der Filiale an der Limbacher Straße. Seitdem wurden auch Brot und Brötchen an der Ulmenstraße verkauft. "Ich bin nur noch angestellt", sagte Noack gestern.

Die Filiale an der Ulmenstraße habe nicht genügend Umsatz gebracht, sagte Anja Voigt von der Bäckerei und Konditorei Voigt zu den Schließungsgründen. Was die Ursache dafür sei, könne sie nicht sagen. Das Geschäft werde mit der Filiale an der Bernsdorfer Straße zusammengelegt. Vermutlich werde es gewisse Gränitz-Produkte weiterhin geben, doch welche genau, das sei noch in der Planung. Der Name Gränitz werde dann aber nicht mehr am Laden stehen. Auch an der Limbacher Straße werde er über kurz oder lang verschwinden, sagte Noack.

Auf Dauer ganz auf Torten und Kaffee verzichten müssen die Anwohner allerdings nicht. Im Eckhaus gegenüber, Weststraße 65/67, zieht das Café Emmas Onkel wieder ein. Das 2012 eröffnete Lokal musste im Dezember 2016 vorübergehend schließen, weil das Haus komplett saniert wurde. Mittlerweile werden die Gerüste abgebaut. Café-Inhaber Mathias Weiß sagte, er werde noch in diesem Jahr wieder eröffnen, wann genau stehe aber noch nicht fest.

 
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Konditorei verschwindet nach über 100 Jahren vom Kaßberg
Efreuna - "ein Stück Kurfürstendamm in Chemnitz"
 
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Kommentare
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Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 11.08.2017
    14:35 Uhr

    hkremss: Schade, dass man das traditionsreiche Haus Efreuna am Ende so heruntergewirtschaftet hat. Es konnte ja gar nicht schnell genug gehen, die alten Namen aus den Fenstern zu entfernen. Frau Voigt weiß nicht, was die Ursache für den mangelenden Umsatz war? Vielleicht waren die Produkte (an diesem Standort) nicht gut genug? Vielleicht war der Service zu schlecht? Vielleicht ist man einfach lieber zu Emmas Onkel gegenüber oder zu einem anderen Bäcker/Konditor in der Nähe gegangen, weil dort alles weniger bieder und buttercremig war? Wenn bei strahlendem Sonnenschein niemand auf den Stühlen sitzt und auf der anderen Straßenseite kaum ein Platz zu bekommen ist, dann läuft irgendwas gewaltig schief. Bleibt zu hoffen, dass sich ein neuer Inhaber findet, der mehr damit anzufangen weiß.

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