Kreativmarkt: Warum sich der Eintritt für Männer verdoppelt

Vor allem Frauen zieht es zur Dawanda-Messe. Für ihre Begleiter hatte sich der Veranstalter ein Lockmittel ausgedacht. Aber das ging den Besucherinnen gegen den Strich.

Zahlen Frauen das Doppelte oder Männer die Hälfte? Der reguläre Eintrittspreis zum Kreativmarkt Dawanda beträgt 5 Euro, sagt Thomas Szymkowiak, Sprecher des Veranstalters aus Dresden. Weil sich bei der Messe alles um Selbstgemachtes und Handarbeit dreht, sie also eher eine Fundgrube für Frauen ist, wollte der Organisator mit 2,50 Euro Eintritt den Herren entgegenkommen.

Bei sechs Dawanda-Messen in Chemnitz waren die Männer mit der Hälfte des Geldes dabei. Damit ist nun Schluss. Zur siebenten Auflage am Wochenende sind alle gleich: Jeder zahlt 5 Euro. Warum? "Frauen haben sich beschwert, uns zum Teil beschimpft, manche gleich beim Bezahlen an der Kasse, andere später per Post oder Facebook", erklärt Szymkowiak. Der sich wundert: Bei seinen Auto- und Oldtimermessen sei es umgekehrt, da zahlen Frauen nur die Hälfte - und alle finden's gut.

Im Fall von Dawanda erhielt er Beschwerdebriefe von Frauenbewegungen ebenso wie aus Rathäusern der Städte, wo die Messe gastierte. In Weimar wurde der Männer-Rabatt gar zur Chefsache. Der Oberbürgermeister zitierte im Brief an die Veranstalter das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, das in Deutschland gilt, und forderte ihn auf, die Geschlechterdiskriminierung zu unterlassen. Eine gut gemeinte Geste, so Szymkowiak, drohte vor dem Kadi zu landen. Die Veranstalter wurden unsicher und befragten ihren Hausjuristen. Der habe zwar keinen Gesetzesverstoß erkannt, trotzdem beugen sich die Organisatoren nun dem Druck. Auch dem aus Chemnitz. Bei der Gleichstellungsstelle habe es wegen der unterschiedlichen Eintrittspreise Beschwerden gegeben, die als Diskriminierung aufgefasst wurden, wie die städtische Pressestelle auf Anfrage bestätigte. Das Rathaus wisse zwar, dass dem privaten Messeanbieter keine Vorschriften in Sachen Preisgestaltung gemacht werden können, aber die Vorwürfe der Frauen wurden an ihn weitergeleitet.

Ein Vorteil soll den Herren dann doch nicht genommen werden: ihr Männerparkplatz - ein separater Wartebereich mit Tischkicker und Fußballmagazinen. Wie es heißt, wird dieses Terrain von der Gleichstellungsbeauftragten toleriert.

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3Kommentare
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    PeKa
    20.02.2016

    In Deutschland gibt es offensichtlich noch viele Frauen, die zuviel Zeit haben. Anderenfalls würden die sich wegen solchem Kinderkram nicht ihre Sinne vernebeln.

  • 2
    0
    MuellerF
    19.02.2016

    Boah, was für ne unnötige Aufregeung- einfach ein Preis für alle und feddich - sollte dann allerdings auch für andere Events gelten, zB bei Discos & Clubs, wo Frauen oft entweder gar keinen Eintritt oder ermäßigt zahlen. Und seit wann bitte sind Kreativität & Handarbeit nur "Frauensache"? Umgekehrter Sexismus ist immer noch Sexismus und keine "ausgleichende Gerechtigkeit" !

  • 5
    2
    berndischulzi
    19.02.2016

    Gleichstellungsbeauftragte, auch solche Nichtsnutze. Und mit Gleichberechtigung haben Frauen wohl ein Problem. Denn das Beispiel bei Autoveranstaltungen ist ja deutlich.



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