Ministerin setzt sich für Viadukt ein

Die Chemnitzer Gegner der Bahnpläne, die Brücke abzureißen, erhalten Hilfe aus Dresden. Eine wichtige Frist lief gestern ab.

Altchemnitz.

Mit Sachsens Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Eva-Maria Stange (SPD), hat sich erstmals ein Mitglied der Sächsischen Staatsregierung für den Erhalt des denkmalgeschützten Eisenbahnviadukts an der Annaberger Straße ausgesprochen. "Dieses einzigartige Bauwerk ist durch seine stadtbildprägende Rolle ein Identitätsfaktor für die Bürgerinnen und Bürger und damit konkrete Industriekultur. Als solches sollte es dringend erhalten werden", teilte die Ministerin gestern per Presseerklärung mit.

Die Ministerin fordert die Bahn auf, ihrer Verantwortung nachzukommen und eine Lösung für den Erhalt und die weitere Nutzung des Denkmals zu finden. Die Sanierung der Brandenburger Brücke in Leipzig oder der Konstruktionen der Berliner U-Bahn, wie über der Schönhauser Allee, seien Beispiele für einen verantwortungsvollen Umgang mit vergleichbaren Bauleistungen aus der Vergangenheit. Dies könne und müsse auch in Chemnitz möglich sein. "Das industriekulturelle Erbe Sachsens ist die Quelle unserer heutigen Wirtschaftskraft. Ohne kluge, innovative Ingenieure gäbe es keine Mobilität. Das Chemnitzer Eisenbahnviadukt ist eng verbunden mit der Geschichte der Deutschen Bahn", begründet Stange.

Im Zuge der Modernisierung der Sachsen-Franken-Magistrale will die Deutsche Bahn AG in Chemnitz das über 100 Jahre alte Eisenbahnviadukt abreißen und durch einen Neubau ersetzen. Seit Bekanntwerden der Abrisspläne engagieren sich Chemnitzer Bürger, Stadtverwaltung und Politiker für seinen Erhalt.

Unterdessen endete gestern die Frist für Einwände gegen die Bahnpläne beim Eisenbahnbundesamt. Lediglich der Stadt Chemnitz und dem Landesamt für Denkmalpflege sei auf Antrag eine Fristverlängerung bis zum 1. April für die Abgabe ihrer umfangreichen Stellungnahmen gewährt worden, sagte Baubürgermeister Michael Stötzer vor Stadträten. Die Stellungnahme der Stadt, an der derzeit "sehr intensiv" gearbeitet werde, soll dem Bauausschuss in einer Sondersitzung am 23. März vorgestellt werden.

Juristen will die Stadt erst einschalten, wenn das Eisenbahnbundesamt den Abrissplänen zustimmt, erklärte Stötzer auf Anfrage. Ob dann Klage eingereicht wird, sei noch nicht entschieden. (su/mib)

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