Mit Drehsitz und Rampe: Ein neues Auto für Familie Kießl

Über Monate haben Leser der "Freien Presse" dafür gespendet, jetzt ist der rollstuhlgerechte Van fertig. Er kommt genau richtig zu einem wichtigen Geburtstag.

Jana Kießl ist erleichtert. Sie meint das ganz wörtlich, denn ab jetzt muss sie ihre im Rollstuhl sitzende Tochter Sabrina nicht mehr mit eigener Kraft ins Auto hieven. Gestern hat die alleinerziehende Mutter von Drillingstöchtern einen nagelneuen VW Multivan in Empfang genommen, der dank Spenden von Lesern der "Freien Presse" umgebaut werden konnte. "Jetzt wird vieles leichter", sagte Jana Kießl.

Insgesamt sind über den Verein "Leser helfen" 46.500 Euro gespendet worden. Der Anschaffungspreis für das Auto lag bei 38.900 Euro. Die Firma Reha-Automobile in Zschorlau hat den Multivan für 9000 Euro umgebaut. Die Differenz von 1400Euro trägt Familie Kießl selbst.

Vor allem Sabrina Kießl wird von der Anschaffung profitieren. Wie ihre beiden Schwestern Alina und Vanessa lebt sie aufgrund unerwarteter Komplikationen bei der Geburt mit körperlichen Behinderungen. Allerdings sind diese bei ihr deutlich stärker ausgeprägt. Sie ist im Rollstuhl unterwegs und kann seit einer Verschlimmerung ihrer Erkrankung vor zwei Jahren ihre linke Hand fast nicht mehr einsetzen. Das neue Auto hat darum einen Beifahrersitz, der nach außen gedreht und auf und ab gefahren werden kann. Außerdem verbirgt sich hinter der Heckklappe eine Rampe für den Rollstuhl. "Die Sitzbänke im Auto können dank Schienen verschoben oder leicht herausgenommen werden", erklärte VW-Verkäufer Detlef Schmidt bei der Übergabe. Begeistert inspizierten die drei jungen Damen - erst am Sonntag sind sie 18 Jahre alt geworden - das neue Familienauto. "Das ist ein sehr schönes Gefühl", sagte Sabrina Kießl zum neuen Auto, "Mutti kann jetzt viele Wege einfacher mit mir erledigen." Und sie fügt hinzu: "Es ist toll, dass die Menschen dafür gespendet haben, damit unser Leben leichter wird." Ob sie selbst einmal, wie gerade ihre Schwester Vanessa, den Führerschein machen kann, sei noch unklar. "Dafür muss abgewartet werden, ob meine Spastik so bleibt oder schlimmer wird", sagt sie. Den Lebensmut lässt sie sich nicht nehmen: "Ich bin natürlich optimistisch." Ihre Mutter muss sich jetzt umstellen. Bisher fährt sie einen Chevrolet Orlando, der nun verkauft werden soll. "Vor der Haustür haben wir immerhin einen großen Behindertenparkplatz", sagt sie.

Zu dem Auto hinzukommen könnten in nächster Zeit weiterere Hilfsmittel, die Sabrina den Alltag erleichtern. Ein Handbike hat sie bereits getestet; dabei handelt es sich um eine Art Fahrrad, das mit den Armen bewegt wird. Es würde Sabrina ermöglichen, kürzere Wege selbstständig zurücklegen zu können. Zudem soll die 18-Jährige eine Stromhandschiene bekommen, mit der sich ihre verkrampfte Hand öffnen lässt. Derzeit prüfe die Krankenkasse die Finanzierung der Hilfsmittel.

Die Volljährigkeit bringt einige Veränderungen für die Drillinge: Sabrina und Alina werden im September eine Ausbildung im Bereich Büromanagement, ihre Schwester Vanessa in den Zeisigwaldkliniken Bethanien eine Berufsausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin beginnen.

Doch vor dem Ernst des Lebens wird gefeiert: Am Wochenende fährt das neue Auto nach Aue. Dort steigt eine Geburtstagsparty mit Familie und Freunden. (mit micm)

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