Naturschützerin entdeckt neues Biber-Revier im Chemnitztal

Der Nager breitet sich in der Region aus. Am 37 Kilometer langen Fluss gibt es bisher vier sichere Behausungen. Jetzt sind Spuren in einem weiteren Abschnitt gefunden worden.

Garnsdorf/Auerswalde.

Im Schlick des Flussufers sieht Fabiola Brucke die Spuren deutlich: "Mit seinen fünf Zehen, zwischen denen sich an den Hinterpfoten Schwimmhäute befinden, hat der Biber einen charakteristischen Fußabdruck", sagt die 55-jährige Naturschutzhelferin. Sie notiert den Standort und weitere Anzeichen eines Biber-Vorkommens, wie Fraßspuren an Bäumen, in ihr Heft. Später überträgt sie die Werte in eine App einer Datenbank. Die Daten werden an die Untere Naturschutzbehörde übermittelt.

"Da der Biber ausschließlich Pflanzen frisst, kann man ihn gut durch Nagespuren ausmachen", erläutert sie. Die Schneidezähne hinterließen dort eindeutige Spuren. Das Tier ernähre sich von der Rinde und könne auch Bäume fällen, um an höher wachsende Äste und junge Triebe zu gelangen. Gefällte Bäume oder die benagten Baumstümpfe seien eine weitere Form der Fraßspur.

Bei einer Begehung durchkämmt die Krankenschwester in ihrer Freizeit in vier bis fünf Stunden einen Abschnitt des 37 Kilometer langen Chemnitz-Flusses zwischen Chemnitz und der Mündung in die Zwickauer Mulde. Seit knapp vier Jahren ist die Chemnitzerin beim Naturschutzbund Burgstädt in der Naturschutzstation Herrenhaide aktiv und eine von 109 Naturschutzhelfern im Landkreis Mittelsachsen. "Die Natur wird oft stiefmütterlich behandelt", sagt Brucke. Doch sie sei das Wichtigste, die Zukunft. Meistens sei kein Geld da, um die Natur zu erhalten. Deshalb habe sie beschlossen, sich ehrenamtlich zu engagieren. Dabei wirke sie von Anfang an am Biberprojekt mit. Jeweils von Oktober bis April sei sie auf der Suche nach Biber-Spuren im Chemnitztal. Seit 2012 gibt es ein sogenanntes Bibermanagement im Landkreis Mittelsachsen. "Das Zusammenleben von Bibern und Menschen muss gemanagt werden", sagt eine Sprecherin des Landratsamtes.

Naturschützerin Brucke freut sich über den Biber, ein Landwirt ärgert sich über eine gestaute Wiese. Ein Fischotter beispielsweise hat im Biberteich ein Nahrungsbiotop gefunden, Orchideenfreunde bedauern, dass einige ihrer Pflanzen im selben Teich ertrunken sind. Radfahrer ärgern sich, wenn auf dem Chemnitztalradweg umgestürzte Bäume liegen.

Die Interessen sind sehr vielschichtig. Zwischen den Vertretern muss vermittelt werden. Deshalb werden die Biber-Reviere erfasst. Aktuell gibt es in Mittelsachsen 86 Reviere, die aber nicht alle besetzt sind. Der Bestand liegt zwischen 200 und 210 Tieren. Für den Chemnitz-Fluss wurden vier Reviere in Taura-Auerswalde, Diethensdorf, Stein und Göritzhain bereits 2010 festgestellt. In einer Diplomarbeit hatte eine Studentin die Standorte erfasst.

"Ich habe Biber-Spuren in allen vier Revieren entdeckt", sagt Naturschutzhelferin Brucke. Abgenagte Bäume, Fraßspuren und Röhren im Fluss seien typische Kennzeichen. Zweimal habe sie einen Biber selbst zu Gesicht bekommen. "Die Tiere sind nachtaktiv und scheu", sagt Jens Schubert, der Brucke begleitet hat. Das Tier habe sie kurz angeschaut und sei dann untergetaucht.

Fabiola Brucke hat aber ein neues Revier entdeckt. "Das war im Naturschutzgebiet Chemnitzaue bei Draisdorf", sagt die 55-Jährige. Sie habe über Monate das Areal durchforscht und immer wieder Anzeichen von Biber-Vorkommen gesehen. Es könne ausgeschlossen werden, dass es sich dabei um Biber anderer Reviere handelt, erläutert Brucke. Denn ein ansässiger Biber halte sich nur etwa einen bis zwei Kilometer entfernt von seiner Behausung auf. Das Gebiet sei schwer zugänglich und für Wanderer verboten, "weil es dort schützenswerte Arten gibt", sagt Brucke. Es sei nachgewiesen, dass dort, wo der Biber heimisch ist, auch eine große Artenvielfalt besteht. So notiere sie in ihrer App auch Vorkommen von Eisvogel, Wasseramsel, Graureiher, Fischotter und anderen Tieren. "So ein Erkundungsgang ist immer wieder spannend", sagt Brucke.

Sie wolle das neue Revier im Biberjahr 2017/18 registrieren lassen. Laut Landratsamt wird die jährliche Kartierung im Winter 2017/18 durch die Naturschutzhelfer fortgesetzt. "Mit dem fünften Revier sind vorläufig alle Vorkommen an der Chemnitz erschöpft", sagt Brucke. Sie könne sich vorstellen, dass sie künftig auf Biber-Suche an Bächen unterwegs ist, beispielsweise am Kappelbach in Chemnitz und am Holzbach in Murschnitz/Wittgensdorf.

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