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Auch der neue Ringbus hat eine Endhaltestelle: Zur Überraschung vieler Fahrgäste umrunden die Busse der Linie 82 die Innenstadt nicht wirklich. Sie verkehren stattdessen jeweils von und bis zur Straßenbahnwendeschleife Technopark (Foto) und fahren dann in die entgegengesetzte Richtung zurück.

Foto: Toni Söll

Neues Liniennetz: CVAG schließt Nachbesserungen nicht aus

Schon kurz nach dem Start des neuen Angebotes gibt es Forderungen nach Änderungen. Die aber dürften nicht so schnell zu erwarten sein.

Von Michael Müller
erschienen am 11.12.2017

Die Feuertaufe kommt erst heute im Berufsverkehr, doch bereits der Start gestern hatte es in sich: Eisglatte Straßen haben in mehreren Stadtteilen die Einführung des neuen Liniennetzes bei Bus uns Bahn begleitet. Mancherorts, wie in Euba oder Gablenz, warteten Fahrgäste am Vormittag zeitweise vergeblich auf den Bus - beziehungsweise, wie viele Autofahrer, auf den Winterdienst.

Aber auch bei der CVAG selbst gab es trotz monatelanger Vorbereitung noch die eine oder andere Anlaufschwierigkeit. So war anfangs an vielen Fahrzeugen keine Liniennummer zu sehen. Andere waren noch mit alten Anzeigen unterwegs ("E 51") oder mit Zahlenkombinationen, die der Fahrplan nicht vorsieht ("814"). "Offenbar ein technisches Problem bei der Umstellung", hieß es. Die Fahrer treffe keine Schuld, die Anzeigen würden zentral angesteuert.

Michael Kühn gehört zu den Mitarbeitern, die auf dem neuen Netz als Erste unterwegs waren. Zum fahrplanmäßigen Betriebsbeginn ging er um 5.26 Uhr mit einem der ersten Ringbusse auf Tour, die nun auf der neuen Linie 82 rund um das Stadtzentrum unterwegs sind. Die Linie bricht mit dem traditionellen Konzept des Chemnitzer Nahverkehrs, wonach der Weg von einem Teil der Stadt in einen anderen in aller Regel über die Zentralhaltestelle führt. "Eine ganz gute Idee", findet Kühn, der zum Kennenlernen der Strecke und ihrer Besonderheiten wie seine Kollegen eigens sogenannte Einweisungsfahrten absolviert hat. "Wenn man die Strecke einmal abgefahren ist, hat man es eigentlich drauf", so der 56-Jährige.

Und die Fahrgäste? Schätzungsweise rund 3000 von ihnen nutzten gestern schon mal die Möglichkeit, die neue Ringbuslinie kostenlos zu testen. Manche machten sich gleich in Familie auf den Weg, andere mit Kamera ausgestattet. Und unterwegs gab es dann durchaus das eine oder andere Aha-Erlebnis. Zum Beispiel, dass auch der Ringbus eine Art Endhaltestelle hat - am Technopark, wo sich auch die Wendeschleife der neuen Straßenbahnlinie 3 befindet. Dort müssen alle Fahrgäste aussteigen, auch wenn sie eigentlich weiterfahren wollen. Denn die Busse sind nicht endlos auf einem Rundkurs um das Stadtzentrum unterwegs, sondern wenden jeweils am Technopark und fahren in entgegengesetzter Richtung wieder zurück. "Anders lässt sich die Einhaltung der gesetzlich vorgegebenen Pausenzeiten für das Fahrpersonal nicht gewährleisten", begründet Uwe Albert, Leiter Produktmanagement, diese Regelung. "Nachvollziehbar, aber trotzdem schade", meinte ein Fahrgast.

Auch anderswo im Umfeld der neuen Verbindungen zu Uni und Technopark dürften noch einige Diskussionen zu erwarten sein. Beispielsweise am Städtischen Friedhof, der nach dem Wegfall der Linie51 in Richtung Reichenhain nun kaum mehr ohne umzusteigen zu erreichen ist - ebenso wie das nahe gelegene Sportforum. "Dabei sind die Schüler von Sportgymnasium, Sportschule und Internat oft mit viel Gepäck unterwegs", geben Eltern zu bedenken.

Deutlich verschlechtert hat sich zudem die Anbindung des etwas abgelegenen Uni-Standorts an der Erfenschlager Straße. Statt wie bisher alle zehn Minuten kommt dort künftig nur noch zweimal pro Stunde ein Bus vorbei (Linie 73). Eberhard Alles, der Kanzler der TU, fordert "konstruktive Gespräche, um den Standort wieder besser anzubinden".

CVAG-Vorstand Jens Meiwald hält derlei Nachbesserungen innerhalb des neuen Netzes nicht für ausgeschlossen. Änderungen würden allerdings wohl frühestens in einem Jahr wirksam, betont er - zum nächsten Fahrplanwechsel im Dezember 2018. Voraussichtlich im Frühjahr soll eine erste Bilanz gezogen werden, so Meiwald. (mit hfn)

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Textfassung stand, dass die Linie 53 zum Uni-Standort Erfenschlager Straße fährt. Das ist falsch. Wir haben den Fehler berichtigt.

 
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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Kommentare
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Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 12.12.2017
    09:41 Uhr

    cn3boj00: @yvonoe: ja es gibt für alles irgendwelche Alternativen. Zum Bahnhof Reichenhain ist der Weg doppelt so lang, und die Fahrzeit 4 mal so lang wie mit der 73. Die Kinder von der Sportschule können auch vor zur Seelenbinder laufen und mit dem Bus nach Altchemnitz runter fahren. Aber sind das wirklich sinnvolle Alternativen, wenn man den ÖPNV attraktiver machen will? Attraktiv wäre es, wenn so wichtige Einrichtungen mit der Straßenbahn erreichbar wären.

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  • 11.12.2017
    23:18 Uhr

    yvonoe: @cn3boj00: laut TU (https://www.tu-chemnitz.de/tu/lageplan/erfen.php) gibt es einen Zugang Richtung Haltestelle Bahnhof Reichenhain den beide Linien anfahren, auch wenn die Haltestelle TU Erfenschlager Straße bestimmt komfortabler ist.

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  • 11.12.2017
    22:11 Uhr

    gelöschter Nutzer: @cn3boj00: Das ist richtig, die Linie 6 taucht auch dort wieder auf. Allerdings hat man vorher in den Medien kommuniziert, dass es die Linie 6 nicht mehr geben werde (https://www.freiepresse.de/LOKALES/CHEMNITZ/Fahrplanwechsel-Das-aendert-sich-ab-Sonntag-bei-Bus-und-Bahn-artikel10072958.php) und de facto gibt es sie auch nicht mehr, da auch im Fahrplan der Linie 6 bei allen(!) Fahrten vermerkt ist: Verkehrt als Linie C11. Was soll also der Etikettenschwindel? Warum lässt man die Medien erst vermelden, dass es nach Jahrzehnten die Linie 6 nicht mehr gebe um sie dann als Karteileiche weiter im Liniennetzplan und in den Fahrplänen zu erhalten? Ich verstehe das Konzept dahinter nicht.

    Dazu kommen dann die weiteren genannten Probleme. Das ganze wirkt wieder nicht besonders gut durchdacht. (Was soll eine Ringlinie, wenn man dann doch umsteigen muss? Warum wird eine Uni-Außenstelle nun nur noch so selten angefahren?)

    1 2
     
  • 11.12.2017
    20:53 Uhr

    cn3boj00: @Felto84: Also wenn ich mir den neuen Liniennetzplan anschaue (den es nur als pdf gibt, noch nicht interaktiv (da gibt es immer noch den alten, man hatte wohl noch keine Zeit das anzupassen? wie lange weiß man das schon?) gibt es weiter die Linie 6.
    @yvonoe: nein das stimmt nicht. Die 53 fährt (wenn der neue Netzplan stimmt) unten die Bernsdorfer Straße lang, nicht die Reichenhainer. Es ist die 73 (nicht wie im Artikel steht 53) welche über die TU Erfenschlager zum Sportforum und weiter zum Campus fährt, und das alle 30 Minuten.
    Die Sportschüler sind besonders hart betroffen, vor allem die, welche zum Training raus an den Küchwald müssen. Früher sind die mit 51+21 gefahren. Jetzt, wenn die Oberschule z.B. 14:05 aus hat, ist der Bus 14:08 weg, dann stehen sie bis 14:38, und haben keine Chance es bis Trainingsbeginn zu schaffen. Sie könnten auch zum Campus laufen, aber sie haben meist ca. 30kg Gepäck zu schleppen! Deswegen muss nun entweder die Schule die Zeiten, oder die Vereine die Trainingszeiten anpassen?
    Ich frage mich warum man die Straßenbahn nicht bis zur Sportschule verlängert hat. Das wäre auch für die vielen Friedhofsbesucher eine große Erleichterung.

    0 5
     
  • 11.12.2017
    19:51 Uhr

    yvonoe: Ich kann die "Recherche" der Freien Presse nicht ganz nachvollziehen. Hätte sich einer mal den Liniennetzplan angeschaut, würde er feststellen, dass zur TU Erfenschlager Straße neben der 53 auch die 73 fährt, wodurch 4 Fahrten pro Stunde statt finden.

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