Neues Wohnprojekt am Zeisigwald

Der Vermieter GGG baut derzeit ein Haus für Menschen mit Demenz um. Ein Pflegeanbieter, der ebenfalls einzieht, ist jetzt noch an einem anderen Standort zuhause.

Yorckgebiet.

Der Wohlstand ist in dem Gebäude im Knick von Heinrich-Schütz-Straße und Zeisigwaldstraße noch nie zuhause gewesen. Zu DDR-Zeiten ein Obdachlosenheim, hielt nach der Wende die Stadtmission in dem Ziegelbau Wohnungen für Menschen vor, die sich anderswo keine Miete leisten konnten. Dann folgte der Leerzug, nachdem die Stadt das Geld dafür gestrichen hatte. Erwägungen, aus dem Haus eine Wohnanlage zu machen, hatte der städtische Großvermieter GGG als Eigentümer wieder verworfen - wegen der Lage direkt neben einer Verpackungsmittelfirma und fehlenden Möglichkeiten für Parkplätze, wie Sprecher Erik Escher erklärt.

Nun sollen in dem Gebäude Wohngemeinschaften entstehen. Nicht irgendwelche, sondern solche, die auf die Bedürfnisse von Personen mit Demenzerkrankungen zugeschnitten sind. In sechs Wohngruppen sollen jeweils fünf Menschen ihren Alltag miteinander verbringen und ein angenehmes und weitgehend selbstbestimmtes Leben führen können, so Escher.

In jedem der um einen Lichthof herum angeordneten Wohnbereiche, die im zweiten und dritten Stock des Gebäudes entstehen sollen, gebe es zwei Bäder, eine Küche zum gemeinsamen Zubereiten der Mahlzeiten, einen Aufenthaltsraum sowie ein Pflegebad. Außerdem habe jeder der künftigen Bewohner ein eigenes Zimmer von einer Größe zwischen 17 und 25 Quadratmetern. Die Gesamtwohnfläche auf den beiden Etagen betrage 1700 Quadratmeter.

Im Erdgeschoss indes ist der Einzug einer Tagespflegeeinrichtung der gemeinnützigen Heim-Gesellschaft vorgesehen, die sich derzeit noch im Ärztehaus an der Scharnhorststraße befindet. Grund für den Umzug seien die zu geringen Kapazitäten am alten Standort, wie Geschäftsführer Karl Friedrich Schmerer betont. An der Zeisigwaldstraße gebe es künftig Platz für zwölf Personen - doppelt so viele wie bislang. Das Pflegepersonal, so der Plan, soll bei Bedarf auch die Bewohner der Wohngemeinschaften in den oberen Stockwerken in deren Alltag unterstützen, wenn dies von den Bewohnern beziehungsweise deren Angehörigen gewünscht sei. Grundsätzlich herrsche dort aber freie Anbieterwahl, so Escher.

Beim Baufortschritt liege man laut Bauleiter Mario Fritzsche gut im Zeitplan. Im Februar begonnen, sei inzwischen der Trockenbau so gut wie abgeschlossen. "Kabel und Rohre sind verlegt. Derzeit laufen die vorbereitenden Arbeiten für Maler und Fliesenleger", sagt Fritzsche. Im Oktober soll das Haus eröffnen, die ersten Interessenten für die insgesamt 30 Wohngemeinschaftsplätze gebe es schon. Die Miete betrage 390 Euro pro Monat in- klusive Betriebskostenpauschale, so Escher.

Bei dem 1,8 Millionen Euro teuren Projekt an der Zeisigwaldstraße handelt es sich dem Unternehmen zufolge um das erste seiner Art in Chemnitz. Es sei aber zu erwarten, dass es nicht das letzte bleiben werde. "Der Bedarf wird sicherlich steigen", sagt Escher. Das liege an der generellen Zunahme des Anteils älterer Personen an der Gesamtgesellschaft, wodurch auch das Auftreten von Demenzerkrankungen steige. Als ein Kompromiss zwischen dem oft nicht mehr möglichen Wohnen allein daheim und dem Umzug in ein Pflegeheim sei das Modell zudem attraktiv. Konkrete Planungen für weitere Standorte gebe es bislang aber nicht, so Escher.

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