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Seit einem Jahr lernt ein Teil der Altendorfer Kinder in diesen Containern. Etwa doppelt so groß wie diese Anlage soll die mobile Unterrichtseinheit werden, die die Stadt auf dem Gelände der Oberschule "Am Flughafen" errichten lassen will - ein Millionenprojekt.

Foto: Andreas Seidel

Platznot in Schulen - Stadt bestellt Unterrichts-Container

Nach Altendorf und Glösa bekommt jetzt die dritte Chemnitzer Schule mobile Klassenzimmer. Weitere Standorte sollen folgen. Auf Dauer aber reicht das nicht, sagt der Kämmerer.

Von Mandy Fischer
erschienen am 13.01.2018

Wie viele Grund-, wie viele Oberschüler werden in Chemnitz künftig lernen? Wie viele Schulen braucht die Stadt? Nach der derzeitigen Platznot in den Chemnitzer Kitas - neun neue Krippen und Kindergärten werden gegenwärtig gebaut - zeichnet sich nun auch ein Engpass in den Lerneinrichtungen ab. Mit dem Schuljahr 2019/20 werden zusätzlich 15 Klassen erwartet, das sind annähernd 400Schüler mehr als bislang, erklärten gestern Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig und Kämmerer Sven Schulze.

Wie die Stadt darauf reagiert, soll der überarbeitete Schulnetzplan aufzeigen, der Jahresende vorliege. Eines sei schon jetzt sicher: Die vorhandenen Schulstandorte reichen nicht aus. Mehr Geburten, Zuwanderung und Inklusion - diese drei Schlagwörter nennt Schulze als Begründung für die erwartet höhere Schüleranzahl. Besonders im Heckert-Gebiet wird ein Anstieg prognostiziert. Derzeit wird deshalb die in den 1980er-Jahren errichtete und später geschlossene Schule an der Arno-Schreiter-Straße in Markersdorf saniert. Im Herbst soll sie als Oberschule wieder in Betrieb gehen. Doch auch diese Kapazität reicht perspektivisch nicht, so Schulze. Deshalb wird an der Schule "Am Flughafen" aufgestockt. Dort werden ab 2019 neun neue Klassenräume benötigt. Im Gebäude sind die Möglichkeiten ausgereizt. Deshalb will die Stadt auf Container zurückgreifen. In ihrer nächsten Sitzung sollen die Stadträte zwei Millionen Euro freigeben, damit die Unterrichtsmodule für die Einrichtung in Kappel bestellt werden können. Das Schulgelände biete ausreichend Platz. Vorgesehen ist, dass mit der mobilen, zweistöckigen Anlage Unterrichtsräume, Lehrerzimmer, Garderobe, Gruppenraum und Toiletten geschaffen werden. Ein Provisorium, das immerhin bis zu zehn Jahre dauern könnte, sagt Schulze.

Die Kappler Containeranlage werde etwa doppelt so groß wie jene, die seit einem Jahr in Altendorf steht, in der die Grundschüler lernen. Bereits seit mehr als zwei Jahren wird ein Teil des Unterrichts in Glösa in mobilen Klassenräumen abgehalten - mit absehbarem Ende. Für einen Schulanbau ist im November der Grundstein gelegt worden. Auch in den Schulen in Schönau und Gablenz wird es in absehbarer Zeit zu eng, sagt Schulze. Dort soll die Kapazität ab übernächstem Jahr erhöht werden, ebenfalls mit Containern. Jeweils 200.000 Euro werden laut Beschlussvorschlag jetzt für die Planungen freigegeben.

Das seien ebenfalls nur Übergangslösungen, sagt der Kämmerer. "Ich gehe fest davon aus, dass die Stadt neue Schulen bauen muss." Zwei würden im Oberschulbereich benötigt. Eine davon ist bereits beschlossene Sache. Sie wird auf dem Hartmannplatz gebaut bei geschätzten Kosten von 20 Millionen Euro. Wo die zweite stehen könnte, das soll Bestandteil der Schulnetzplanung sein, ebenso wie eine Aussage zur künftigen Chemnitzer Grundschul-Landschaft. Auch für die Erst- bis Viertklässler werden neue Häuser gebraucht, so Schulze. Wie viele? "Noch nicht abschätzbar", sagt er. Bei der Suche nach Standorten würden auch Gebäude einbezogen, die vor Jahren als Schule stillgelegt wurden. Häufig aber sei eine Sanierung annähernd so teuer wie eine neue Schule. Für den Neubau einer zweizügigen Grundschule setzt der Kämmerer etwa sechs bis sieben Millionen Euro an.

Ein verlässliche Vorhersage, wie viele Kinder die Chemnitzer Schulen in den nächsten Jahren besuchen werden, sei schwierig, sagt Oberbürgermeisterin Ludwig. So könnten gehandicapte Kinder nach neuer Schulnovelle auch eine Regelschule besuchen. Wie viele Eltern aber von der Möglichkeit Gebrauch machen, sei nicht absehbar. Ludwig spricht insgesamt von einer Gratwanderung bei der Schulnetzplanung. "Wir wollen für ausreichend Plätze sorgen, aber auch keine Überkapazitäten schaffen." Dennoch, so Ludwig: "Neue Schulen zu bauen, ist eine der schönsten Aufgaben, die eine Stadt haben kann".

Der Schulnetzplan lag noch nicht immer auf dem Tisch von Kämmerer Schulze. Er bekam ihn übertragen, weil sein Bürgermeister-Kollege Philipp Rochold seit längerer Zeit krank ist. Deshalb soll das gesamte Schul- und Sportamt dem Schulze-Dezernat zugeordnet werden - vorerst bis Ende September. Im Herbst läuft die Amtszeit von Rochold regulär aus.

 
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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Kommentare
4
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 14.01.2018
    20:43 Uhr

    1953866: Da verkauft eine Stadt (laut dwt) im Jahr 2017 Schulgebäude. 2017! Da konnte ja auch keiner ahnen, wie viele Schüler es in Chemnitz geben wird. Eine verlässliche Vorhersage sie schwierig und Überkapazitäten wolle man auch nicht, so die OB. Und eine Schulnetzplanung liegt immer noch nicht auf dem Tisch.
    Klar, solche Nebensächlichkeiten wie Schulnetzplanung sind doch auch völlig unwichtig. Hoffentlich hat man von dem Verkauf der Schulen so viel Geld eingenommen, dass es für die (Minimum 10 Jahre Provisorium, es gibt Erfahrungen aus anderen Städten) Container reicht. Container nicht als kurzfristiger Ausweichmöglichkeit, wegen ungeplanter (Brand, Wasserschaden, et cetera) Sanierungen, sondern wegen der Unfähigkeit von städtischen Behörden.
    Man kann nur noch ungläubig den Kopf schütteln!

    0 8
     
  • 14.01.2018
    15:03 Uhr

    dwt: @Raptor:

    Die von dir benannten Gebäude hat die Stadt 2017 verkauft.

    2 4
     
  • 14.01.2018
    01:23 Uhr

    Raptor: Verdammtnochmal,draußen auf der Chopinstr. ecke Neffesta. stehen zwei Schulen die unbedingt renoviert und modernisiert werden müssen. Die Stadt lassen diese mit absicht
    verkommen,verkammeln und verwildern,bis sie einsturzgefährdet sind, damit sie sagen können, wir müssen sie zum Abriss freigeben!!! Jetzt kommen sie mit Container um die Ecke, wie tief sind wir hier alle gesunken?Haben sie das nicht bemerkt!? Jetzt ist das Gejammer gross setzten so ein Text hier rein, das ist beschämend für die Stadt Chemnitz. Nehmen sie die 20 Millionen in die Hände und sanieren sie diese Schulen!!! Noch eins, der Hartmannplatz bleib so wie er jetzt ist und nicht anders. Wir Chemnitzer wollen weiter hin Feste feier.
    Ab Kapplerdrehe bis Sigmar raus könnte die ganze Zwickauerstrasse Glanz und Farbe gebrauchen, hiermit meinte ich alle Häuser die dort lang stehen! Bin zu Tiefs erschüttert.
    Freundliche Grüße von mir

    3 5
     
  • 13.01.2018
    18:16 Uhr

    FP1: Da werden die Kinder im Sommer gebraten. Tolle Politik. Erst werden Schulen geschlossen und dann Container hingestellt. Zustände wie in der 3. Welt.

    2 11
     
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