Problemgegend vor Brückenschlag zur Uni

Viel Brachland, viel Potenzial: Ein rund 42 Hektar großes Areal in Altchemnitz gilt als schlummernder Riese. Dessen Wiederbelebung hat es allerdings in sich.

Altchemnitz.

Das Gelände kann es in seiner Ausdehnung locker mit den größten Gewerbegebieten der Stadt aufnehmen. Und dennoch kennt kaum jemand dieses Stück Chemnitz zwischen Altchemnitzer Straße und der Bahnlinie nach Thalheim und Aue. Der größte Teil des Areals gehörte früher zum VEBSpinnereimaschinenbau. Heute gilt die Gegend als Brachland oder "mindergenutzte" Fläche - ähnlich wie weitere kleinere Areale im Bereich zwischen Südbahnhof und Annaberger Straße - insgesamt 42Hektar.

Die Stadt hat sich auf die Fahnen geschrieben, diesen Zustand zu ändern. Lange Zeit allerdings war unklar, was dort perspektivisch überhaupt möglich ist. Nun hat der Stadtrat zum ersten Mal ein Strukturkonzept beschlossen, das diese Frage für die einzelnen Teilgebiete beantwortet. "Damit soll die Stagnation des Stadtteils beendet und eine positive Entwicklung bewirkt werden", erläutert Stadtplanungsamtsleiter Börries Butenop. Das vorliegende Konzept diene als Grundlage für weitere konkrete Planungen - einschließlich des Baus neuer Straßen.

Denn dies gehört zu den Eigentümlichkeiten der Gegend: Auf einem Großteil der früheren Betriebsgelände gibt es kaum öffentlich nutzbare Wege. Dies wiederum gilt als eine der wesentlichen Ursachen, warum dort seit den 1990er-Jahren so wenig an Entwicklung passiert ist. "Ohne deutliche Verbesserung der Erschließung wird sich auf einem Teil der Flächen auf absehbare Zeit nichts ändern", so Butenop.

Als Vorzugsvariante gilt der mittelfristige Bau einer 1,3 Kilometer langen Durchfahrtsstraße, die von der Altchemnitzer Straße zum östlichen Ende der Heinrich-Lorenz-Straße führt. Mit ihr, so die Planer, könnte die Altchemnitzer Straße auch spürbar von Durchgangsverkehr entlastet werden. Zudem böte sie die Möglichkeit, günstig für die Nutzer einen Geh- und Radweg über eine Brücke zu führen - aus Richtung Treffurthstraße über die Bahntrasse hin zu den an die Fraunhoferstraße angrenzenden Teilen der Uni.

Positive Effekte erhoffen sich die Verantwortlichen nicht zuletzt für den stark gewerblich geprägten Bereich südlich der Altchemnitzer Straße. Dort sehen sie Platz in erster Linie für produzierendes und verarbeitendes Gewerbe, für Handwerker, kleine und mittelständische Unternehmen sowie für Autohändler. Im Bereich nördlich der Altchemnitzer Straße hingegen liegt der Fokus auf hochwertigem Gewerbe, Büros und Dienstleistungen, auf Kreativwirtschaft, Freizeitangeboten - aber auch auf einer Kombination aus Wohnen und Arbeiten.

Von dieser Perspektive wiederum sollen mehrere denkmalgeschützte Gebäude profitieren, deren Rettung ohne das Einrichten von Wohnungen Fachleuten kaum möglich erscheint. Dazu zählen die Brandruine Elsasser Straße 45 (ehemals Fachschule Wirkerei und Strickerei) sowie die früheren Verwaltungsgebäude Altchemnitzer Straße 40 (zuletzt Landesamt für Familie und Soziales) und 46. Angesichts des Zustands der Objekte drängen Immobilienexperten auf baldige Entscheidungen. Sonst drohe ähnliches Ungemach wie zuletzt an der Annaberger Straße 110.

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