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Der Tatort: Die Ein- und Ausfahrt des Parkhauses am Vita-Center. Dort wurde im November 2016 eine Polizeibeamtin von einem flüchtenden Autofahrer verletzt. Dem 28-Jährigen drohen mehrere Jahre Haft. Die Staatsanwaltschaft geht vom Versuch eines Tötungsverbrechens aus. Foto: Andreas Seidel

Foto: Andreas Seidel

Prozess um versuchten Totschlag an junger Polizeibeamtin

Der Vorfall am Vita-Center hätte der 30-Jährigen beinahe das Leben gekostet. Dass es zu dem Drama kam, war purer Zufall.

Von Michael Müller
erschienen am 13.06.2018

Er hat ein handfestes Drogenproblem, immer wieder Ärger am Hals und betrachtet Polizisten offenbar als seine Feinde. Bei Facebook jedenfalls zeigt er sich immer wieder mit der einschlägig bekannten Abkürzung einer international verbreiteten, gegen Polizisten gerichteten Parole. War es diese demonstrativ zur Schau gestellte Abneigung, die Ende 2016 einer jungen Polizeibeamtin um ein Haar das Leben gekostet hätte? Oder doch eher die Panik eines jungen Mannes, der mit einem gestohlenen Auto unterwegs war und sich von der Polizei umstellt sah?

Anderthalb Jahre nach einem Aufsehen erregenden Vorfall im Parkhaus des Vita-Centers muss sich ein 28-Jähriger nun wegen versuchten Totschlags vor dem Landgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, damals mit dem Auto auf eine 30 Jahre alte Polizeibeamtin zugerast zu sein, um sich einer Kontrolle zu entziehen. Die Frau wurde von dem Wagen erfasst und verletzt, ihr Kollege rettete sich mit einem Sprung zur Seite.

Dass die Polizei dem Mann und dem Anfang 2016 in Lichtenstein gestohlenen VW Scirocco auf die Spur gekommen war, wollte der Zufall. Mit dem auffälligen Auto hatte er sich in dem Parkhaus ausgerechnet neben das Privatfahrzeug eines Polizeibeamten gestellt. Der erkannte ihn beim Einsteigen, ließ sich aber nichts anmerken und fuhr davon. Außer Sichtweite informierte er umgehend seine Kollegen und bat um Überprüfung des Mannes.

Als der bemerkte, dass Polizei im Anmarsch ist und sich an der Ein- und Ausfahrt des Parkhauses postiert, ergriff ihn offenbar Panik. Mit hoher Geschwindigkeit, so schilderten Zeugen vor Gericht, soll er in dem mehrstöckigen Gebäude herumgekurvt sein - offenbar auf der Suche nach einer Möglichkeit zu entkommen. Als er die nicht fand, habe er Gas gegeben - auf die Polizisten zu. Die anschließende Verfolgung blieb erfolglos.

"Es war mir klar, dass er sich nicht ergeben wird", gab einer der Beamten zu Protokoll, der den Angeklagten bereits aus anderen Ermittlungen kannte. Und die haben es durchaus in sich. Insbesondere die Beziehung des Mannes zu einer jungen Chemnitzerin soll immer wieder für Polizeieinsätze gesorgt haben. "Es ging um Körperverletzung, Sachbeschädigung, Diebstahl, alles Mögliche", schilderte sie am Dienstag den Richtern. "Er kam einfach nicht damit klar, dass ich seine Gefühle nicht erwidert habe." Vor allem, wenn er unter Drogen stand, sei er "regelmäßig durchgedreht".

Trotzdem suchte er immer wieder die Nähe zu der jungen Frau - und sei es, indem er sich über das Dach eines Sechsgeschossers auf den Balkon ihrer Wohnung herabließ und dort von draußen die Scheibe der Tür einschlug. "Wir hofften alle, dass er irgendwann eingesperrt wird", erinnerte sich eine frühere Nachbarin an die immer wiederkehrenden Probleme in dem Haus.

Der Hilferuf einer anderen Bewohnerin war es schließlich, der drei Tage nach dem Vorfall im Vita-Center zur Verhaftung des Mannes führte. Obwohl er die Tür zur Wohnung der Ex-Freundin noch mit Möbeln verbarrikadiert hatte, habe er sich schließlich widerstandslos abführen lassen, schilderte einer der damals beteiligten Beamten. Auf dem Polizeirevier habe man später auch den Fahrzeugschein des gestohlenen VW gefunden - versteckt unter der Einlegesohle seines Schuhs.

Der Prozess wird kommende Woche fortgesetzt. Dann will sich der Angeklagte erstmals selbst zu den Vorwürfen äußern.

 
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