Rätsel um Militär-Konvoi durch Burgstädt

Eine Kolonne amerikanischer Armee-Fahrzeuge ist vom Weg abgekommen. Warum sie ausgerechnet auf dortigen Landstraßen fuhr, ist ein gut gehütetes Geheimnis.

Burgstädt.

Das kann nicht gut gehen, dachte sich ein Anwohner, als er die schweren und breiten Militärfahrzeuge um die enge Spitzkehre fahren sah. Der amerikanische Konvoi, der vergangenen Donnerstag am frühen Morgen durch Burgstädt fuhr, war offenbar überrascht davon, dass es auf der Chemnitzer Straße an der Brücke über den Brauselochbach wegen einer Baustelle nicht weiter ging. Diesen Eindruck hatte jedenfalls der Augenzeuge. "Die hatten sich regelrecht verfahren. Kein Wunder: Als der Konvoi stand, habe ich gesehen, dass sie mit klassischen Papier-Karten navigiert haben. Mit Google Maps wäre das nicht passiert."

So schlängelten sich Sattelschlepper, Tieflader und Geländefahrzeuge die enge und steile Göppersdorfer Straße hinunter. Dann passierte das Unglück: Ein Lkw streifte das Straßengeländer, überrollte ein Werbeschild und ramponierte den Gehweg. 1000 Euro Sachschaden, bilanziert die Polizei. "Für mich sah es unmöglich aus, dort runterzukommen. Eigentlich ein Wunder, dass nicht mehr passiert ist", sagte der Anwohner.

Erst nach zwei Stunden unfreiwilliger Pause konnten die rund 15 Fahrzeuge ihre Fahrt nach Osteuropa fortsetzen. Sie waren auf dem Weg nach Estland, Lettland, Litauen und Polen, wo noch bis zum 15. Juni die Nato-Übung "Saber Strike 18" stattfindet. Insgesamt verlegen die amerikanischen Streitkräfte dafür rund 2000 Fahrzeuge und 7000 Soldaten aus Süddeutschland nach Osteuropa. Die Göppersdorfer Straße würden Navigationssysteme für diese Route allerdings nicht klassischerweise vorschlagen. Warum waren die Militärfahrzeuge also ausgerechnet in Burgstädt unterwegs? Eine Anfrage bei der Polizei läuft ins Leere. "In solche militärischen Entscheidungen werden wir nicht eingebunden", sagte eine Sprecherin. Ein Pressebeauftragter der Nato verweist darauf, dass das Europäische Kommando der Vereinigten Staaten mit Sitz in Stuttgart zuständig ist. Der Anruf dort wird wiederum an die amerikanische Militärpolizei in Wiesbaden weitergeleitet. Eine Antwort aber gibt es auch dort nicht: "Zu den Bewegungen von Militärfahrzeugen geben wir generell keine Auskunft", heißt es lediglich.

Hauptmann Sebastian Grünberg, Presseoffizier der Wettiner Kaserne in Frankenberg, ist auskunftsfreudiger: "Die Fahrtwege werden üblicherweise vom Logistikkommando der Bundeswehr in Erfurt vorgegeben. Was vorkommen kann, ist, dass die US-Fahrzeuge bei uns in Frankenberg Tankstopps einlegen." Ob dies am Donnerstag auch der Fall war, konnte Grünberg bis Redaktionsschluss allerdings nicht sagen.

Das Logistikkommando in Erfurt wollte zum Fall gar nichts sagen und gab stattdessen das Landeskommando der Bundeswehr in Dresden als Verantwortlichen an. "Die Logistik der Bundeswehr vergibt für Militärtransporte ausländischer Streitkräfte sogenannte Marschkredite. Das ist die Erlaubnis, bestimmte, ausgewählte Straßen im Bundesgebiet zu festgelegten Zeiten zu befahren", erklärt Cornelia Riedel von der Pressestelle des Dresdner Kommandos. Für gewöhnlich würden die Hauptverkehrsstraßen und Autobahnen ausgewählt. Abweichungen könnten unterschiedliche Gründe haben. Im konkreten Fall in Burgstädt könne der Großverband US Army Europe mit Sitz in Wiesbaden Antwort geben. Dort versprach man auf Anfrage der "Freien Presse", sich zu informieren. Eine Antwort lag allerdings bis Redaktionsschluss nicht vor.

Was hingegen klar ist: So lange die Nato-Übung läuft, werden noch häufiger Militärfahrzeuge auf sächsischen Autobahnen und Landstraßen unterwegs sein. "Es bleibt zu hoffen, dass alle in Litauen ankommen", sagt der Burgstädter Anwohner. "Mit ihren alten Straßenkarten werden sie sich bestimmt noch das ein oder andere Mal verfahren."

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1Kommentare
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  • 1
    1
    aussaugerges
    07.06.2018

    Die Aufmarschrouten müssen erkundet werden.
    Wegen dem Rückzug.



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