Rätsel um verschwundenes Paket

Seit knapp zwei Wochen erwartet eine tunesische Ärztin eine Postsendung mit wichtigen Unterlagen, ohne die sie in Deutschland nicht arbeiten kann. Das Päckchen ist derzeit nicht auffindbar, die Spur verliert sich in Bayern.

Täglich geht Hiba Bassir* zur Packstation an der Ecke Bernsdorfer Straße/Wartburgstraße. Doch das Päckchen, auf das die 28-Jährige so händeringend wartet, wurde bisher nicht geliefert. Es enthält wichtige Unterlagen, die die Tunesierin für die Ausübung ihres Berufes benötigt. Sie will in Chemnitz als Allgemeinmedizinerin arbeiten. Das Studium der Medizin hatte sie wie auch ihre Doktorarbeit in Tunesien abgeschlossen. Und genau diese wichtigen Nachweise liegen in dem verschollenen Päckchen, zum Beispiel ihr Diplom. Ohne diese Dokumente kann sie in Deutschland weder eine wichtige Prüfung ablegen noch eine Anstellung finden. "Ich benötige die Papiere für Bewerbungsgespräche, die Termine sind schon vereinbart. Die Ärzte wollen mein Diplom sehen", erklärt Hiba Bassir.

Am 22. November hatte ein befreundeter tunesischer Arzt das Päckchen beim Paketversand DHL in einem Ort in Niedersachsen abgeschickt. Er hatte kurz zuvor im Auftrag von Hiba Bassir die Dokumente in Tunesien von der dortigen deutschen Botschaft beglaubigen lassen. Wegen neuer Vorschriften sei dies nötig gewesen, sagt Hiba Bassir: "Ich wollte die Papiere nicht von Deutschland per Post nach Tunesien schicken." Die Gefahr, dass das Paket über die Ländergrenzen verloren geht, war ihr zu groß. Nachdem ihr Bekannter wieder zurück in Deutschland war, machte er das Päckchen mit den Unterlagen fertig und schickte es auf den Weg nach Chemnitz. Darin befindet sich nicht nur Bassirs Diplom als Doktor der Medizin im Original, sondern auch die beglaubigte Kopie des Diploms von der Botschaft, zudem das Diplom im Original in deutscher Übersetzung, eine Kopie ihres Reisepasses sowie eine Kopie ihres Aufenthaltstitels. Doch das Päckchen kam in Chemnitz nicht an. Als Hiba Bassir nachforschen wollte, teilte ihr DHL mit, dass dies nur der Absender tun könne. Dieser fand heraus, dass das Päckchen am 25. November ausgeliefert worden ist - doch nicht in Sachsen, sondern an Weltbild, ein Buchhandels-Unternehmen mit Sitz im bayerischen Augsburg. "Dort habe ich angerufen und erfahren, dass die Firma falsch zugestellte Post automatisch an den Absender zurückschickt", so die Tunesierin. Doch bei ihrem Bekannten in Niedersachsen kam die Sendung bisher nicht an und auch nicht bei ihr in Chemnitz.

Dabei benötige sie die Unterlagen dringend. "Ich habe schon jetzt viel Zeit verloren." Im Oktober vergangenen Jahres war Hiba Bassir nach Chemnitz gekommen. "Nicht als Flüchtling", betont sie. An der Technischen Universität hatte ihr Mann eine Anstellung gefunden, als seine Frau folgte sie ihm nach Deutschland. Die vergangenen Monate nutzte die Medizinerin, um Deutsch zu lernen, das sie mittlerweile sehr gut beherrscht. Nun will sie sich zur Fachsprachenprüfung anmelden. Diese ist notwendig, um als Ärztin zu arbeiten. "Doch dafür benötige ich die Unterlagen in dem Päckchen", sagt sie. Auch bei Vorstellungsgesprächen für ein Praktikum seien die Dokumente wichtig und ebenso für den Erhalt der Berufserlaubnis.

DHL forscht derzeit nach dem Verbleib der Sendung, teilte ein Sprecher mit, nachdem ihm "Freie Presse" das Problem geschildert hatte. Unmittelbar nach Erhalt der Anfrage habe man mit der Zustellstation von DHL in Chemnitz Kontakt aufgenommen, so der Sprecher. Doch bis zum gestrigen Abend gab es noch keine Information über den Verbleib der wichtigen Sendung.

* Name von der Redaktion geändert

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