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Der Bagger steht bereit, die Abrissarbeiten an der Annaberger Straße ruhen aber.

Foto: Michael Backhaus

Rathaus stoppt Abriss von Kulturdenkmal

Eigentlich sollten noch diese Woche die Bagger rollen. Das wird wohl nicht passieren. Dafür hat die Stadt einen ersten Schritt zu einem möglichen Erhalt eingeleitet.

Von Benjamin Lummer
erschienen am 14.02.2018

Neue Wendung in der Debatte um ein vom Abriss bedrohtes Haus an der Annaberger Straße. Am Montag war eine Fahrspur vor dem Gebäude gesperrt worden; es war der erste Schritt für die Beseitigung des Hauses mit der Nummer 110, das zu einem über 100 Jahre alten Ensemble gehört. Hinter dem Gebäude steht zudem seit gestern ein Abrissbagger. Die Stadtverwaltung hat die Arbeiten nun aber gestoppt. Auf Anfrage teilte das Rathaus gestern Abend mit: "Alle Optionen zum weiteren Verfahren werden nochmals geprüft und abgewogen." Das Gebäude werde indes täglich kontrolliert, sagte eine Sprecherin. Sollte sich der Zustand verschlechtern, werde man sofort "Maßnahmen zur Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit" einleiten, ergänzte sie.

Die Stadtverwaltung hatte vergangene Woche den Abriss des seit vielen Jahren leerstehenden Hauses angekündigt. Der sei aus Sicherheitsgründen unvermeidlich, hieß es: Teile des Daches und der Decken in den Obergeschossen seien eingestürzt, erklärte die Verwaltung. Da der Eigentümer der Aufforderung zum Abriss nicht nachgekommen sei, werde nun die Stadt diese Arbeiten übernehmen. Die Kosten dafür betragen 53.000 Euro.

Die Ankündigung hatte Diskussionen ausgelöst. Stadtratsmitglieder der Grünen, der Fraktion Vosi/Piraten und zuletzt auch der CDU/FDP hatten sich für einen Erhalt ausgesprochen, während die Linken für einen Abriss plädieren; die SPD hat sich bislang noch nicht positioniert. Am Montag hatte zudem der Stadtrat und Investor Lars Fassmann (Vosi/Piraten) nach eigenen Angaben mit dem Baugenehmigungsamt über Rettungsideen gesprochen. Sein Vorschlag: Die Stadt soll das Gebäude, das einem Privateigentümer gehört, sichern; die Kosten dafür schätzt er auf 200.000 Euro. Zugleich sollte das Rathaus eine Zwangsversteigerung mit einem Mindestgebot von 50.000 Euro anstreben. Der Vorteil dieses Verfahrens: Die im Grundbuch eingetragenen Altlasten, die für einen möglichen Investor ein rechtliches und finanzielles Risiko bedeuten, würden verschwinden.

Der Eigentümer der zweiten, nicht vom Abriss bedrohten Haushälfte erklärte sich daraufhin bereit, die Mindestsumme zu bieten. Der Erhalt des Gebäudes sei möglich, wenn beispielsweise von Hausschwamm befallene Holzbalken entfernt würden, sagte Dietmar Jung, Geschäftsführer der Firma Rewobau mit Sitz in Leipzig. Sollte sein Unternehmen die Haushälfte erwerben, wolle er das gesamte Ensemble in einem Zug sanieren, kündigte der Investor an, der nach eigenen Angaben seit vergangenem Jahr mehrere Altbauten in Chemnitz erworben hat.

Das Rathaus sieht darin offenbar einen möglichen Weg zum Erhalt des Kulturdenkmals. "Ein Antrag auf Zwangsversteigerung wurde vorsorglich gestellt", teilte die Pressestelle mit.

 
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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Kommentare
11
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 15.02.2018
    09:46 Uhr

    Hinterfragt: @bürgerenergie; "...An exponierter Stelle stehen auch - nur ein kleiner Auszug: ..."

    Eben, warum hat die Stadt bei diesen Problemobjekten "Skrupel" die Initiative zu ergreifen und sich durchzusetzen?
    Bei privat sanierten Gebäuden hat man doch auch keine Skrupel dem Eigentümer des "städtischen Willen" aufzuzwingen!
    Beispiel: Hausgiebel welcher mit einer Werbung versehen werden sollte.
    https://goo.gl/Pukp1Y

    1 1
     
  • 15.02.2018
    01:13 Uhr

    bürgerenergie: @Hinterfragt: Ja, genau deshalb habe ich eine kritische Anfrage auch ausdrücklich begrüßt. Und wenn Sie von "Wenn ICH als Stadtrat ..." schreiben, dann empfehle ich Ihnen wie vielen anderen eben genau solch ein Engagement. Die nächste Kommunalwahl ist schon im kommenden Jahr.
    Ansonsten: An exponierter Stelle stehen auch - nur ein kleiner Auszug: Talsperre Euba, Freibad Erfenschlag, Haus Einheit, Schützenhaus Siegmar u.v.a.m. ...

    1 2
     
  • 14.02.2018
    14:24 Uhr

    Hinterfragt: @bürgerenergie; Das hat nichts mit Bashing zu tun.
    Wenn ich als Stadtrat durch die Stadt gehe oder fahre sehe ich doch solche Problembauten, oder etwa nicht.
    Was hindert einen Stadtrat daran, auf der nächsten Stadtratssitzung auf diese Sachen aufmerksam zu machen und das zur Not immer wieder?

    Und gerade dieses Objekt steht an exponierter Stelle und nicht in einer hinterverwinkelten Nebengasse.

    4 6
     
  • 14.02.2018
    13:56 Uhr

    bürgerenergie: @Hinterfragt: Die "Zuspitzung" der Situation ist bekannt geworden, indem die beabsichtigten Abrissarbeiten durch die Verwaltung bekannt gegeben worden sind. Kenntnis zum Objekt hatten viele mit Sicherheit bereits zuvor - wie zu vielen anderen Denkmalen und etlichen anderen Themen auch. Ich denke, mit Stadträte-Bashing kommen wir im Sinne des Denkmalerhalts nicht weiter. Mit fairer, kritischer Nachfrage, ob darauf genug Fokus liegt, aber sicher schon ...

    1 6
     
  • 14.02.2018
    13:23 Uhr

    Hinterfragt: @bürgerenergie, "...erst in der letzten Woche auch den Stadträten bekannt geworden ist..."

    wenn dem so ist, lässt das tief in die Arbeit und das Interesse der Stadträte für/ an Chemnitz blicken...

    5 5
     

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