Solarmodul-Diebstahl: Täter flüchten mit größerem Fahrzeug

Der Schaden beträgt mehrere tausend Euro. Jetzt prüft der Eigentümer, ob er die Anlage besser sichern kann. Dafür gibt es eine neue Methode.

Burgstädt.

Die Täter näherten sich im Schutze der Dunkelheit dem Solarpark, der sich am Ende der Peniger Straße in Burgstädt befindet. Sie durchschnitten den Stacheldrahtzaun des knapp 3,5 Hektar großen Areals - etwa so groß wie fünf Fußballfelder. Von den 7000 Solarmodulen stahlen sie 100.

Das war vor reichlich einer Woche. "Die Polizei ermittelt noch", sagt Sprecherin Jana Kindt. Zeugen hätten sich noch nicht gemeldet. Allerdings geht die Polizei aufgrund der Größe und Menge der Module davon aus, dass mehrere Täter mit mindestens einem größeren Fahrzeug unterwegs waren. Sie gibt den Schaden mit mehreren tausend Euro an. Der Diebstahl von Solarmodulen werde hin und wieder registriert. Erfahrungsgemäß würden die Teile illegal verkauft. Das könnte auch in Burgstädt der Fall sein. Diese Deliktart sei in der Region aber kein Kriminalitätsschwerpunkt. Laut einer Statistik registriert die Polizei von 2011 bis Ende 2014 bundesweit etwa 1880 Diebstähle von Modulen oder Zubehör mit einem Schaden von 15 Millionen Euro.

Der Besitzer der Burgstädter Anlage, Manfred Moullion, sagt, dass die Diebe "den Zaun an einer Stelle durchschnitten haben, der von den gegenüberliegenden Häusern schwer einsehbar ist". Moullion ist einer von mehreren Gesellschaftern der Firma Apollon, die Ende 2010 den Solarpark mit einer Leistung von jährlich 1440 Megawatt-Stunden aufgebaut hat. Ein Haushalt verbraucht im Durchschnitt etwa vier Megawatt-Stunden Strom pro Jahr. Damit könnte die Anlage ganzjährig etwa 350 Haushalte mit Strom versorgen. "Durch den Klau hat es aber nirgends Stromausfall gegeben", sagt Moullion. Die Anlage werde vom Unternehmen überwacht. "Kommt es zur Stromunterbrechung, ertönt eine Warnmeldung." Dann fahren Monteure zur Peniger Straße, um den Schaden zu kontrollieren. Bisher seien die Ursache durchgebrannte Sicherungen und durch Wild angebissene Kabel gewesen, erläutert Moullion. Warum die Burgstädter Anlage für Diebe interessant sei, wisse er nicht. "Die Module sind sechs Jahre alt, das ist doch nicht lukrativ", fügt er hinzu.

Wie Frank Fiedler, Geschäftsführer der Firma Second-Sol aus Thüringen, die eine Plattform für den Verkauf gebrauchter Anlagenteile betreibt, sagt, würde der Verkauf immer noch lukrativ auf dem Schwarzmarkt sein. "Als ein Solarpark nach dem anderen gebaut wurde und die Förderung in Deutschland hoch war, war die Anzahl der Diebstähle höher." Vor allem aus Lagercontainern und Lkw seien Module entwendet worden. Jetzt stehen die Anlagen, da werden die installierten Module und Wechselrichter abgeschraubt, ergänzt er. Der Gebrauchtmarkt in Osteuropa wachse. Im Nachbarland Polen gebe es eine Förderung für den Aufbau von Photovoltaikanlagen. Erst vor wenigen Tagen war in Hessen eine Diebesbande auf frischer Tat gefasst worden. Zusammen mit polnischen Fahndern kam die Brandenburger Polizei auf die Spur des Sextetts. Ermittlungen in Polen hatten überdies ergeben, dass sich Banden aus dem Raum Zielona Gora auf den Diebstahl von Solarmodulen aus Deutschland spezialisiert haben. Über ein Netz von polnischen Hehlern werden die Teile vertrieben.

Die Firma Second-Sol hat mit PV-Diebstahl.de eine Sicherheitsdatenbank und ein Sicherheitsetikett mit QR-Code entwickelt. Die Kennzeichnung erfolgt über einen schwer löslichen Foliendruck, der beim Versuch ein solches Etikett zu entfernen, Spuren hinterlässt. Durch Scan des QR-Code mit einem Smartphone oder Abfrage der Produkt-Seriennummern im Internet, kann der Installationsort ermittelt werden. Moullion will jetzt prüfen, ob er seine Anlage so besser sichern kann.

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