Sturzgefahr: Frisch sanierte Radrennbahn zu glatt

Die Anlage im Sportforum wurde für 1,4 Millionen Euro erneuert. Ein Verein berichtet nun von großen Problemen, ein anderer sieht keine Defizite. Das Rathaus reagiert dennoch.

Die Brüstung marode, der Belag mit Rissen durchzogen: Lange bot die Radrennbahn im Sportforum ein trauriges Bild. Ohne eine Sanierung müsse man die Anlage schließen, hatte der Leiter des Sportforums Sebastian Fritzsch vergangenes Jahr gesagt. Das wäre für viele Radsportler, unter ihnen Ex-Bahnrad-Weltmeister Joachim Eilers vom Chemnitzer Polizeisportverein (CPSV), ein herber Rückschlag gewesen. Umso größer war die Freude, als der Stadtrat die Sanierung der 67 Jahre alten Anlage beschloss. Rund 1,4 Millionen Euro investierte die Stadt in die Erneuerung des 333 Meter langen Zement-Ovals. Baubeginn war im Juni 2016, die Fertigstellung für Ende Juli dieses Jahres geplant. Eine offizielle Übergabe hat allerdings bisher nicht stattgefunden.

Seit einigen Tagen trainieren indes bereits Sportler auf der Anlage - mit großen Schwierigkeiten. "Der Belag ist zu glatt", sagt Ralph Müller. Die Sportler könnten nicht alle Bereiche der Bahn befahren, ergänzt der Trainer des CPSV, einem der Hauptnutzer der Sportstätte. Müller zufolge ist es zu einem - glimpflich verlaufenen - Sturz gekommen, der auf die glatte Oberfläche zurückzuführen sei. Der Verein, sagt der Coach, habe deswegen die Rennserie "Pokal der Oberbürgermeisterin", die kommenden Mittwoch beginnen sollte, abgesagt - aus Sicherheitsgründen. Bei dieser Serie treten jeden Mittwoch bis Ende September Nachwuchsradfahrer zwischen 11 und 16 Jahren gegeneinander an.

Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig bestätigt Probleme mit der frisch sanierten Bahn. "Es gibt Bearbeitungsbedarf, um die Oberfläche so herzustellen, dass sie für die Radfahrer optimale Bedingungen bietet", sagte sie. Auf Nachfrage präzisiert Stadtpressesprecher Robert Gruner die Aussagen Ludwigs: Zum einen sei die Oberfläche der Bahn vor allem in den beiden Neigungskurven in den oberen Bereichen zu glatt, "sodass die Sportler im Kurvenausgang bei entsprechender Geschwindigkeit wegrutschen". Die Probleme treten vor allem bei niedriger Geschwindigkeit - beispielsweise beim Ausrollen - auf, erklärt ein Sportler. Bei hohem Tempo presse die Fliehkraft die Fahrer dagegen in die Kurve, sodass sie nicht weggleiten.

Zum anderen, erläutert Gruner, blende die Bahn je nach Sonneneinstrahlung. Wer die Schuld an beiden Problemen trägt, lässt das Rathaus auf Nachfrage offen. Diese Defizite hätten sich zudem erst nach Fertigstellung der gesamten Bahn gezeigt, heißt es.

Die Sportstätte sei weiterhin nutzbar, allerdings mit Einschränkungen, erklärt der Pressesprecher. Die Mängel sollen demnach beseitigt werden. Dafür werde in den kommenden Tagen auf einer Probefläche auf der Bahn eine Mattierungsschicht aufgetragen. Diese könne nach 24 Stunden getestet werden. Sind die Sportler zufrieden, soll die gesamte Bahn im oberen Bereich mit dieser Schicht überzogen werden, so das Rathaus. Ein genauer Zeitraum dafür könne aber noch nicht benannt werden. Auch lasse sich derzeit nicht sagen, wer die Kosten für die Nacharbeiten tragen muss und wie hoch diese sind.

Ralph Müller vom CPSV berichtet, er sei gestern Morgen bei einem Gespräch mit Vertretern der Stadtverwaltung und der Baufirma über die geplanten Nachbesserungen informiert worden. "Das war ein positives Signal", meint der Coach.

Beim RSV Chemnitz, dem zweiten Hauptnutzer der Bahn, sieht man indes keine gravierenden Mängel. "Aus unserer Sicht ist die Bahn in Ordnung", sagt Vereinsvorsitzender Thomas Lippold. Die überwiegend jungen Sportler des RSV würden allerdings in der Regel auch nicht so weit oben auf der Bahn fahren wie die Profis. Das für den 2. September geplante Steherrennen finde jedenfalls statt, so Lippold. Bei Steherrennen folgt ein Radfahrer einem Motorrad im Windschatten - mit sehr hohem Tempo. (mit tre)


Kommentar: Peinlich

Große Teile der Chemnitzer Sportszene hatten zuletzt Grund zur Freude. Da fließt kommunales Geld für die Überdachung der Eislaufbahn, für ein neues Schwimmbad, für die Sanierung des Hauptstadions im Sportforum - und nicht zuletzt für die Radrennbahn. So weit, so gut. Wenn die Stadt allerdings schon so viel investiert, sollte sie den Bau genau planen und überwachen. Dazu gehört auch der regelmäßige und intensive Austausch mit den Sportlern. Die nun aufgetretenen Defizite an der Radrennbahn sind jedenfalls peinlich und wären mit großer Wahrscheinlichkeit vermeidbar gewesen.

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1Kommentare
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  • 2
    0
    Interessierte
    10.08.2017

    Irgendwie gibt es neuerlich immer Probleme , egal , ob es Autobahnen , Flughäfen , Straßenbahnen , Schulen oder Kindergärten sind oder Überflieger , oder es stürzen Dächer ein ...



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