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Tempo-Blitzer bringen immer weniger ein

Die Bußgelder, die die Stadt wegen Fahrens mit zu hoher Geschwindigkeit einnimmt, gehen deutlich zurück. Das hat zwei wesentliche Gründe, wie eine Bilanz des Ordnungsamtes zeigt.

Von Michael Müller
erschienen am 06.01.2018

Stationäre Tempo-Blitzer: Die Anzahl der an den Anlagen registrierten Verstöße ist innerhalb von zwei Jahren um mehr als ein Drittel zurückgegangen, von einstmals knapp 80.000 auf weniger als 50.000 im vergangenen Jahr. Mehrere Blitzer waren wegen technischer Probleme (Stollberger Straße landwärts), Bauarbeiten (Frankenberger Straße) bzw. infolge eines Unfalls (Dresdner Straße) längere Zeit außer Betrieb - zum Teil über Monate hinweg. Zudem schlägt mehr und mehr der sogenannte Gewöhnungseffekt zu: Die Standorte von Blitzern, die in den ersten Jahren noch wie reinste Gelddruckmaschinen funktionierten, sind vielen Autofahrern mittlerweile bekannt. Sie passen ihre Geschwindigkeit entsprechend an - zumindest dort. Besonders deutlich wird dieser Effekt an der Annaberger Straße in Harthau: Löste die dort in einer Tempo-30-Zone stationierte Anlage 2015 im Schnitt noch fast 70-mal pro Tag aus, so waren es im vergangenen Jahr nur noch 40-mal. Damit liefert dieser Blitzer aber immer noch in etwa ein Zehntel aller Bußgeldeinnahmen aus Tempo- und Rotlichtverstößen - pro Tag etwa 1000 Euro.

Mobile Blitzer: Auf sie gehen mittlerweile rund 58 Prozent aller festgestellten Geschwindigkeitsverstöße zurück. Im vergangenen Jahr erwischten die Messfahrzeuge des Ordnungsamtes pro Arbeitstag rund 290 Temposünder, übers Jahr hinweg insgesamt fast 73.000 - so viele wie seit Jahren nicht. Insgesamt waren laut Rathaus sechs Fahrzeuge im Einsatz. Schwerpunkte seien Tempo-30-Strecken und Straßen an Schulen gewesen sowie - nach Beschwerden von Bürgern - Straßen, die als Umleitungsstrecken dienten.

Rotlicht-Verstöße: Acht reine Rotlicht-Blitzer sind an Ampelkreuzungen im Stadtgebiet installiert. Sie lösen pro Tag im Schnitt 12-mal aus und damit deutlich seltener als Anlagen zur Geschwindigkeitsüberwachung. Wenn es dort blitzt, dann tut es den Betroffenen aber oft richtig weh: Es drohen empfindliche Bußgelder - im Durchschnitt pro Verstoß 136Euro, Tendenz steigend- und zusätzlich Fahrverbote sowie Punkte in Flensburg. Mit rund 646.000Euro bewegten sich die Einnahmen der Stadt 2017 drei Prozent über Vorjahresniveau. Die Anzahl der Verstöße (einschließlich knapp 300 von der Polizei angezeigter Fälle) nahm geringfügig um 0,7 Prozent zu. Der Anstieg wäre vermutlich höher ausgefallen, wenn Baustellen die Blitzer an der Müllerstraße (100Tage) und an der Wartburgstraße (298Tage) nicht längere Zeit arbeitslos gemacht hätten.

Superblitzer: Auf die Anlage an der Kreuzung Zwickauer/Goethe-/Barbarossastraße, die sowohl Rotlicht- als auch Geschwindigkeitsverstöße registriert, haben sich viele Autofahrer mittlerweile eingestellt. Die Anzahl der dort festgestellten Verstöße hat sich innerhalb von drei Jahren von einstmals gut 6000 pro Jahr auf knapp 3200 nahezu halbiert. Die daraus resultierenden Einnahmen gingen von knapp 250.000 Euro auf rund 135.000 Euro zurück. Was gleichgeblieben ist: Pro Verstoß werden dort gut 40 Euro fällig.

Ausgaben der Stadt: Im Spätsommer hat das Ordnungsamt ein neues Radar-Messfahrzeug in Betrieb genommen, das ein älteres Modell abgelöst hat. Kosten: 121.000 Euro. Ein weiteres Fahrzeug dieser Art soll in diesem Jahr folgen. Die laufenden Kosten für die Wartung aller Messanlagen gibt die Stadt mit rund 38.000 Euro an. Hinzukommen laufende Kosten für das Erstellen der Bußgeldbescheide. Sie werden vom Rathaus nicht näher beziffert, da die zuständigen Mitarbeiter auch Parkknöllchen und andere Ordnungswidrigkeiten bearbeiten.

Gesamtbilanz: Aus Tempo- und Rotlichtverstößen nahm die Stadt im vergangenen Jahr 3,6 Millionen Euro ein - so wenig wie seit fünf Jahren nicht. Die Höhe der Einnahmen pro Tag sank erstmals wieder auf unter 10.000 Euro.

Die gute Nachricht zum Schluss: Trotz der rückläufigen Bilanz sollen keine zusätzlichen Blitzer angeschafft und der Einsatz der Messfahrzeuge nicht ausgeweitet werden. Umsetzungen stationärer Geschwindigkeitsmesser sind laut Ordnungsamt nicht geplant. Bei Anlagen zur Rotlicht-Überwachung gebe es dazu zumindest "noch keine Vorstellungen", heißt es.

 
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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Kommentare
5
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 07.01.2018
    10:22 Uhr

    Zeitungss: Nichts gegen Verkehrsüberwachung, ich kann damit leben. Für den Einsatz der Bitzer gibt es umfangreiche Wirtschaftlichkeitsberechnungen, ob mobil oder fest. Die zu erwartenden Einnahmen sind im Haushalt fest eingeplant und in der Regel auch schon ausgegeben. Schulen usw. werfen da wenig ab und deshalb setzt man auf andere Standorte.
    Kleines Beispiel. Zwickau Flugplatz vierspurige Bundesstrasse, früher 60 heute 50, beste Tarnmöglich für die Gerätschaften und die ständig klamme Stadtkasse schließen den Kreis.
    Das Verfahren ist überall gleich und Rotblitzer nehme ich von meiner Betrachtung aus.

    0 6
     
  • 06.01.2018
    22:41 Uhr

    SternC: Es könnten noch viel mehr Blitzer stehen.... v.a. Rotlichtblitzer!

    3 3
     
  • 06.01.2018
    19:50 Uhr

    MarioB: Finde es ja auch richtig wenn der Verkehr überwacht wird, aber warum wird dann meist da geblitzt wo gar keine Schule oder Kita in der Nähe ist, habe es selber letzte Woche wieder gesehen da wird zBsp. an der Reineckerstr., Hofer Str oder Hechlerstr. geblitzt und da wo viele Kinder unterwegs sind und mehrere Schulen an der Straße entlang stehen z Bsp. an der Fürstenstr. im Yorkgebiet da hab ich lange kein Blitzer gesehen. Meiner Meinung nach sind manche Standorte für mobile Blitzer schon recht fragwürdig.
    Mario Berger

    2 10
     
  • 06.01.2018
    08:47 Uhr

    HHCL: Ist doch schön, wenn die Verkehrserziehung Früchte trägt. Es ist schon erstaunlich, wie offen die Kommune zugibt, dass es um die Einnahmen geht (allein schon der Begriff in diesem Zusammenhang) und nicht um den sicheren Straßenverkehr. Der fällt nur nebenbei mit ab.

    Wenn ich mir die Graphik oben ansehe, scheint mir das aber eher eine statistische Schwankung zu sein. Alle dargestellten Einnahmen pendeln um die 3 Millionen Marke. Mal 300.000 mehr (2015), mal knapp 200.000 weniger (2017). Das hat keinerlei Aussagekraft auf die nächsten Jahre. Dafür ist die Messreihe viel zu kurz. Ein kalter Sommer macht noch keine Eiszeit.

    0 12
     
  • 06.01.2018
    04:51 Uhr

    bicicleta: Da es der Stadt ja nicht ums Geldverdienen geht, sondern nur um die Verkehrssicherheit, ist doch alles in schönster Ordnung. Oder? :-)

    0 18
     
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