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Zwei Männer im Alter von 21 und 25 Jahren sind vor dem Landgericht Chemnitz wegen gemeinschaftlichen Totschlags angeklagt.

Foto: Härtelpress

Toter Syrer im Stadtpark - Blutiges Ende einer Freundschaft

Vor dem Landgericht hat der Prozess um den Tod eines 21-Jährigen begonnen. Zwei Landsleute haben die Tat eingeräumt. Es geht um eine junge Frau, um Eifersucht und gekränkte Ehre.

Von Michael Müller
erschienen am 16.04.2018

Bevor sie sich entfremdet hatten, sollen Mohamed N. und Obaida A. eine Zeit lang beste Freunde gewesen sein. Beide stammten aus Syrien, lebten erst seit einiger Zeit in Chemnitz. Obaida A. ist heute 21 Jahre alt, Mohamed N. seit gut einem halben Jahr tot. Seine Leiche wurde am Morgen des 11. September 2017 mit mehreren Messerstichen in einem abgelegenen Winkel am Rande des Stadtparks entdeckt. Sein Kumpel von einst muss sich mit einem weiteren Landsmann bis Ende Mai vor dem Chemnitzer Landgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden schmächtigen jungen Männern gemeinschaftlichen Totschlag vor. Ihnen drohen im Falle einer Verurteilung lange Haftstrafen.

Zum Prozessauftakt am Montag ließen die beiden Angeklagten ihre Verteidiger Erklärungen verlesen, in denen sie weitgehend übereinstimmend ihre Sicht auf die Ereignisse jenes Sonntagabends darlegten. Demnach hatten sich Mohamed N. und Obaida A. spät abends zu einer Aussprache im Stadtpark verabredet. Obaida A. erschien nicht allein zu dem Treffen, sondern ließ sich von einem Landsmann begleiten, dem jetzigen Mitangeklagten. Der soll sich zunächst im Hintergrund gehalten haben, griff dann aber schlichtend ein, als das Gespräch eskalierte. Dabei sei er von Mohamed N., den er bis dahin kaum kannte, übel beleidigt worden.
 

Am Morgen danach: Kriminalisten sichern im Stadtpark Spuren des Verbrechens. Am späten Abend des 10. September vergangenen Jahres war dort ein 21-jähriger Syrer durch Messerstiche tödlich verletzt worden. Rettungskräfte konnten nur noch dessen Tod feststellen.

Foto: Härtelpress/Archiv

Was folgte, beschrieb Verteidiger Uwe Sabel am Montag als eine Art Reflex angesichts der ehrverletzenden Bemerkungen: Ein-, vielleicht auch zweimal habe Obaida A.s Begleiter seinem Gegenüber unvermittelt ein Messer in den Bauch gerammt, das er aus seiner Küche mitgebracht hatte. Vorsichtshalber, wie es hieß. Die Tatwaffe will der Angeklagte später in einen Teich geworfen haben - sie wurde aber nie gefunden.

Nach dem Angriff hatte das Opfer offenbar noch um Hilfe gerufen und sich ein Stück vom Tatort fortbewegt. Obaida A., der erst im Nachhinein bemerkt haben will, dass ein Messer im Spiel war, habe noch einen Notarzt rufen wollen, sagte seine Verteidigerin. Sein Begleiter habe ihm aber aus Angst vor der Polizei davon abgeraten: Mohamed N. könne sich selbst helfen; er habe ihn nur "geritzt". Doch der 21-Jährige starb kurz darauf, er verblutete in der Dunkelheit. Um 22.30 Uhr soll er sich noch einmal per Handy bei seiner Freundin gemeldet haben. "Die haben mich mit Messern geschlagen", das waren offenbar seine letzten Worte.

Die Frau, auf deren Telefon die Botschaft eingegangen war, soll ein wesentlicher Grund dafür gewesen sein, warum sich in den Monaten zuvor das Verhältnis zwischen den beiden einstigen Freunden so verschlechtert hatte. Obaida A. hatte sich in die junge Frau verliebt - nicht ahnend, dass diese bereits seit längerem mit seinem Freund Mohamed liiert ist. Das Paar hatte die Beziehung geheim zu halten versucht. Bis eines Tages alles aufflog und Mohamed N. dem Freund unter Tränen alles gestand.



Foto: Grafik: Ariane Bühner

Die junge Frau, die ganz in der Nähe des späteren Tatortes zu Hause ist, soll daraufhin versucht haben, die Freundschaft der beiden weiter zu untergraben. Offenbar mit Erfolg. Am Ende schickten sich die Männer wechselseitig beleidigende Nachrichten auf ihre Handys, forderten sich gegenseitig heraus. Eine der Botschaften, abgesetzt bereits Wochen vor dem tödlichen Streit, könnte auf eine Tötungsabsicht hindeuten, sagte am Montag einer der mit dem Fall betrauten Ermittler.

Die Staatsanwaltschaft geht ohnehin davon aus, dass Obaida A. und dessen Begleiter die Tötung von Mohamed N zumindest ins Kalkül gezogen hatten, als sie sich mit ihm im Stadtpark verabredeten. Dies aber bestreiten beide Angeklagten vehement. Obaida A., der erst am folgenden Tag aus dem Internet von Mohamed N.s Tod erfahren haben will, leide bis heute unter dem Verlust seines einstmals besten Freundes, ließ er seine Verteidigerin am Montag erklären. Sein Begleiter an jenem verhängnisvollen Abend spricht vom schlimmsten Fehler seines Lebens.

Der Prozess wird in der kommenden Woche fortgesetzt.

 
© Copyright dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH
 
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Kommentare
2
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 18.04.2018
    20:40 Uhr

    1758910: Bei klärenden Gesprächen nehme ich immer ein Messer mit. Ist ?voll normal?.

    0 2
     
  • 16.04.2018
    18:43 Uhr

    ArndtBremen: Da trifft man sich also zu einem kärenden Gespräch im Stadtpark und hat ganz zufällig auch noch ein Messer dabei, mit dem man natürlich Niemandem etwas antun wollte. Für wie blöd lassen wir uns noch verkaufen?

    1 6
     

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