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In einem Horch, Baujahr 1939, am Roten Turm: Carl H. Hahn, Ex-Vorstandschef von VW und Chemnitzer Ehrenbürger.

Foto: Andreas Seidel

Umstrittene Würdigung: Das sagt Ehrenbürger Hahn dazu

Der 91-Jährige hat sich zur Kritik an einer Ehrung seines Vaters geäußert. Die Linke fordert derweil ein Eingreifen der Stadt.

Von Michael Müller
erschienen am 11.09.2017

Das angekündigte Grußwort der Oberbürgermeisterin, es fiel ersatzlos aus. Auch stellvertretend ließ sich niemand aus dem Rathaus blicken, als am Roten Turm gestern Mittag eine Ehrung vollzogen wurde, die in der Stadt zu den umstrittensten der zurückliegenden Jahre zählt: Carl Hahn (1894-1961), einst Vorstand der Auto Union AG, gehört nunmehr zum Kreis "Großer Chemnitzer", an die der Rotary Club mit einer Ausstellung im Roten Turm und mit sogenannten "Denk-mal!-Platten" auf dem Fußweg davor erinnert. Die Platte für Hahn und eine weitere für den in Chemnitz geborenen Begründer der modernen Altertumsforschung Christian Gottlob Heyne (1729-1812) wurden im Beisein von etwa 100 Gästen enthüllt.

Der NS-Opferverband VVN/BdA und die Ratsfraktion der Linken hatten in der vergangenen Woche darum gebeten, die Ehrung für Hahn abzusagen. Der Grund: Das in die Kriegsrüstung der Nazis involvierte Unternehmen beutete Studien zufolge Fremd- und Zwangsarbeiter sowie KZ-Häftlinge in fünfstelliger Zahl aus. Mehrere Tausend fanden in dieser Zeit den Tod.

Rotary-Chef Michael Wagner zeigte in seiner Begrüßungsrede Verständnis für die Kritik. Es gehe bei der Ehrung aber nicht um die Auto Union, sondern um den Unternehmer Carl Hahn, betonte er. Es gebe keinen Grund, diesen nicht zu ehren. Hahn, so Wagner, habe durch sein unternehmerisches Wirken viele Arbeitsplätze in Chemnitz gesichert und zuvor das DKW-Werk in Zschopau zum damals größten Motorrad-Hersteller der Welt gemacht.

Hahns heute 91-jähriger Sohn Carl H. Hahn - bis 1993 Vorstandschef von Volkswagen und seit 1994 Chemnitzer Ehrenbürger - äußerte in einer längeren Ansprache, die Auto Union habe sich gegenüber "Fremdarbeitern" seiner Ansicht nach besser verhalten als viele andere Unternehmen. Selbst KZ-Häftlinge seien ärztlich betreut worden. Man habe "im Krieg seine Pflicht erfüllt", aber auch versucht, "das Schreckliche etwas weniger schrecklich zu machen - aber es war immer noch schrecklich genug." Ihm und den anwesenden Mitgliedern der Familie sei es jedenfalls eine große Freude, dass seinem Vater diese Ehrung zuteil werde.

Ob es dabei bleibt, scheint keineswegs ausgemacht. Die Linke fordert die Stadtverwaltung in einer Erklärung auf, nun "dafür zu sorgen, dass die auf öffentlichem Grund verlegte Gedenkplakette für Carl Hahn sen. schnellstmöglich wieder entfernt wird." Unter Verweis auf Hahns Verdienste beim Aufbau der sächsischen Automobilindustrie werde seine Rolle in der Zeit des Dritten Reichs bewusst ausgeblendet, ignoriert oder als unbedeutend verharmlost, sagte Stadtchef Nico Brünler.

Informationen über die Initiative des Rotary Clubs unter www.grosse-chemnitzer.de

 
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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Kommentare
8
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 14.09.2017
    09:10 Uhr

    Vandanser: Hinterfragt vom 11.9.17: Besser hätte ich es auch nicht schreiben können. Nur mal als Ergänzung: wie sieht es mit der Raumfahrt aus? Will man nun auch DIE verdammen, nur weil W. v. Braun den Anstoß dazu gab und auch die V1/V2 entwickelt hat? Man kann den Spaß auch übertreiben. Erfinder und Entwickler, egal aus welcher Gesellschaftsordnung sind und bleiben Erfinder. Gleichl ob dasw nun jemanden paßt oder nicht!

    0 5
     
  • 13.09.2017
    09:53 Uhr

    cn3boj00: Carl Hahn's Verdienst bestand vor allem in der Mitwirkung bei der Rettung der DKW Werke in Zschopau und der daraus hervorgehenden Gründung der Auto Union, deren Sitz dann nach Chemnitz verlegt wurde. Hauptakteure waren aber Rasmussen und Bruhn, denn Hahn war nur Verkaufsleiter. Ob er damit ein verdienter Chemnitzer geworden ist muss jeder für sich entscheiden. Sein Wirken in Chemnitz dauerte gerade von 1936 bis 1948. Er ist weder hier geboren noch hier gestorben. Er hat 1948 die Auto Union nach Ingolstadt "mitgenommen". Heute weiß kaum noch jemand außerhalb von Sachsen, dass die Auto Union ein sächsisches Unternehmen war und wofür die 4 Ringe stehen.
    Hahn war immer nur der zweie Mann im Unternehmen. Er habe im Krieg "seine Pflicht getan", aber die Verantwortung für das, was dabei passierte, trug wohl vor allem Wehrwirtschaftsführer Bruhn, der Chef der Auto Union.
    Insofern sehe ich gar nicht mal die Rolle der Auto Union unter Hitler als das Problem, sondern kann auch kein wirkliches Verdienst erkennen, das er für Chemnitz vollbracht hat. Wenn doch darf man das gern einmal näher erläutern.

    1 2
     
  • 11.09.2017
    17:10 Uhr

    Freigeist14: Und wer von den Heimatfront-Verstehern erklärt uns,wer die Unternehmen angewiesen hat,die angeforderten Zwangsarbeiter schlecht oder grausam zu behandeln ,selbstverständlich gar nicht zu bezahlen und nur unzureichend zu ernähren?Während Volksdeutsche noch gut aus der Heimat der Verschleppten versorgt werden konnten.

    7 1
     
  • 11.09.2017
    12:40 Uhr

    485997: Schlimm, dass die Kommunisten immer wieder die Agenda setzen. Darf man jetzt an keine historisch bedeutsamen Unternehmen und Unternehmer mehr erinnern, weil sie im Krieg wie nahezu alle anderen bedeutenden Unternehmen auch Zwangsarbeiter einsetzten?
    Dann sähe es in Deutschland aber ganz düster aus. Aber was will man von den Chemnitzer Genossen schon erwarten, die selbst einen harmlosen Bärenbrunnen, der zufällig in der NS-Zeit entstand, als "Nazi-Brunnen" diffamieren sich aber gleichzeitig für die Wiederaufstellung eines Brunnens aus sozialistischer Produktion einsetzen.

    6 15
     
  • 11.09.2017
    12:22 Uhr

    Zahlemann: @hkremss: Wieviele Mitläufer gibt es denn heute? Deutschland ist militärisch heute wieder in der ganzen Welt vertreten und es gibt genug die das Gut heißen. Selbst die Grünen stimmen heutzutage für die Militäreinsätze.
    Wenn es irgendwann dann kracht und in der Folge daraus eine neue Regierung die Macht übernimmt, dann wollen doch die meisten auch nichts mehr von den Schandtaten der Vergangenheit wissen. Einige von denen werden erneut versuchen auf der Suppe wieder ganz oben zu schwimmen und ihre Hände in Unschuld waschen.
    Wie war das nochmal - Von deutschem Boden darf nie wieder ein Krieg ausgehen!

    0 10
     
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