"Urbs Caroli Marxi" - Chemnitz bei Wikipedia

Beim Onlinelexikon warten die Einträge über die Stadt mit überraschenden Informationen auf - da können sogar Chemnitzer noch etwas lernen.

Wikipedia ist gegenwärtig das meistbenutzte Online-Nachschlagewerk - so ist es auf der Seite des Internet-Lexikons zu lesen. Jeder Nutzer kann einen Beitrag erstellen oder bearbeiten. Einträge in verschiedenen Sprachen zu ein und demselben Thema werden verlinkt, enthalten aber oft ganz unterschiedliche Informationen, da sie von verschiedenen Autoren verfasst wurden. Was bietet dieses globale Lexikon zu Chemnitz? Einträge zur Stadt gibt es in 79Sprachen, darunter in Englisch, Spanisch und Französisch, aber auch Exoten wie Esperanto oder Katalanisch sind dabei.

Deutsche Seite: Umfassend. Auf der deutschen Seite erfahren Nutzer viele Details zu Geografie und Geschichte der Stadt, auch über Bevölkerung, Politik und insbesondere Wirtschaft informieren lange Absätze. Abgerundet wird der Eintrag mit vielen Sehenswürdigkeiten sowie Sportlern. Englische Seite: Cricket-affin. Auch die englische Seite informiert umfassend. Die bauliche Entwicklung der Innenstadt wird hier mit der des Potsdamer Platzes in Berlin verglichen: Wie in der Hauptstadt entstand um Kaufhof, Galerie Roter Turm und Peek & Cloppenburg ein komplettes neues Stadtviertel. Außerdem darf unter Sportvereinen der Chemnitzer Rugby- und Cricket-Club nicht fehlen - der es nicht in die deutsche Version geschafft hat. Ebenfalls nur auf der englischen Seite ist ein Verweis auf eine BBC-Seite zu lesen: 2006 berichtete der britische Nachrichtensender, dass Chemnitz die geringste Geburtenrate der Welt gehabt habe. Dass Deutschland die geringste weltweit hatte, stimmt. Die wenigsten Geburten gab es in der Bundesrepublik nach Auskunft des Statistischen Bundesamtes aber in Suhl mit 5,7 Lebendgeburten pro 1000 Einwohnern, gegenüber Chemnitz mit 7,1.

Spanische Seite: Fauna-orientiert. Der spanische Eintrag ist sehr viel kürzer, was auch daran liegen könnte, dass der Absatz zur Geschichte beim Zweiten Weltkrieg beginnt. An städtischen Transportmitteln wird allein auf den Flughafen Leipzig-Halle verwiesen. Sehenswürdigkeiten werden genau zwei genannt: der botanische und der arktisch-alpine Garten in Glösa, in dem vom Aussterben bedrohte Pflanzenarten gezüchtet werden.

Französische Seite: Sächsisch. Auf der französischen Seite wird die Historie ganz weggelassen, und wirtschaftlich kommt Chemnitz etwas monoton daher: Allein das Unternehmen VW ist aufgeführt. Sehenswürdigkeiten werden hier etwas mehr geboten als auf der spanischen Seite: Industriemuseum, Kunstsammlungen, Tietz und Sowjetischer Soldatenfriedhof Chemnitz-Reichenhain werden genannt und sogar verraten, wie denn die "sculpture de la tête de Karl Marx" im Volksmund genannt wird: "Nischel". Das ist für frankophone Besucher vielleicht auch einfacher auszusprechen als "Karl-Marx-Kopf". Exotische Sprachen: Marxi-Stadt. Die Informationen auf Katalanisch sind ebenfalls knapp. Zudem wird unter dem Eintrag auf den nicht so einladenden deutschen Focus-Artikel "Chemnitz - DDR-Museum in bester Lage" verlinkt. Der Beitrag von 1995 hält, was der Titel verspricht und beginnt: "In Chemnitz sollte man nicht nachts eintreffen. Vor dem Bahnhof hocken Betrunkene auf der Treppe und krakeelen über ihren Rotweintüten und Wermutflaschen. Die Straße der Nationen ist menschenleer". Aufgelistet sind außerdem die drei Chemnitzer Berühmtheiten: Rennrodlerin Sylke Otto, Fußballer Frank Rost und Franz Mayerhoff (1864-1938), Dirigent und Komponist.

Sogar auf Esperanto gibt es eine Seite. Sie verweist auf zwei Esperanto-Sprecher in Chemnitz - die beide aus dem vorvorigen Jahrhundert stammen. In die Bar Esperanto an der Carolastraße wird allerdings nicht eingeladen.

Die lateinische Seite verrät, dass "Chemnicium" auch "Urbs Caroli Marxi" hieß. Ansonsten ist die Seite eher wortkarg - aber wie auch auf Latein erklären, dass sich das "Spitzentechnologiecluster Energieeffiziente Produkt- und Prozessinnovationen in der Produktionstechnik der TU Chemnitz und des Fraunhofer Instituts für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik (IWU) ... im sächsischen Landesexzellenzwettbewerb" durchgesetzt hat, wie im deutschen Text zu lesen?

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
1Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

  • 0
    0
    saliko
    23.01.2016

    Sehr niedlich, was Frau Schwesinger zusammengetragen hat.
    Allerdings ist mir unverständlich, wie sie Esperanto als Exoten einstufen kann. Weltweit gibt es laut Prof. Amri Wandel wohl 3 Mio. Esperanto-Sprecher. Bei Wikipedia zählt Esperanto, gemessen an der Anzahl der Artikel, zu einer der großen Sprachen.
    Derzeit setzt sich insbesondere in den USA die Erkenntnis durch, dass Esperanto als Weltsprache wohl eine gute Alternative zu Englisch ist.



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...