Verhärtete Fronten im Streit um Zukunft der Buslinien 21 und 31

Für einen Halt am künftigen neuen Zugang zum Hauptbahnhof sollen sich die Routen auf dem Sonnenberg ändern. Immer mehr Varianten scheinen möglich.

Sonnenberg.

So viel Aufwand haben Stadt und Verkehrsbetrieb CVAG vor einer Linienänderung noch nie betrieben. In mittlerweile drei Bürgerforen wurde bereits darüber diskutiert, wie die Busse der Linien 21 und 31 künftig fahren sollen, wenn eines Tages der bis zur Dresdner Straße verlängerte Bahnsteigtunnel am Hauptbahnhof fertiggestellt sein wird. Doch eine einvernehmliche Lösung ist noch immer nicht in Sicht. Denn es geht nicht nur um längere Fahrzeiten und Wege zur Haltestelle, sondern auch um die Frage, wie sich die denkbaren neuen Routen jeweils auf die Entwicklung der betroffenen Straßenzüge auswirken.

Bei der Linie 21 geht es im Wesentlichen um zwei Varianten: Soll sie über die Hainstraße fahren oder an der Sachsen-Allee vorbei komplett die Dresdner Straße entlang? Bei erster Variante müsste die Verbindung zur Dresdner Straße statt wie bisher künftig über die Fürstenstraße über die Lessing-, Peter- oder Gießerstraße erfolgen, um am Ausgang des Tunnels in Höhe Gießerstraße stoppen zu können. Im Falle der Linie 31 stellt sich nur die Frage, über welche dieser drei Querstraßen der Umweg führen soll, den die Busse künftig fahren müssen, um ebenfalls am neuen Zugang zum Hauptbahnhof zu halten. Die Berechnungen der CVAG reichen von drei Minuten mehr Fahrzeit (über Gießerstraße) bis zu mindestens sechs Minuten (über Lessingstraße).

Gegenwind gibt es vor allem bei Überlegungen, die Linien über die Gießerstraße zu führen. Stadtteil-Initiativen schreiben dieser noch überwiegend durchgehend bebauten Straße ein vergleichsweise hohes Entwicklungspotenzial zu - bis hin zu einer Art Flaniermeile. Busverkehr werde sich da eher störend auswirken, befürchten sie. Zumal beide Buslinien im Zehn-Minuten-Takt verkehren - was bis zu 24 Busse pro Stunde zur Folge hätte.

Im Rathaus werden diese Bedenken nur bedingt geteilt. Im Gegenzug könne man die Gießerstraße ja vom Durchgangsverkehr entlasten, zur Tempo-30-Zone machen, mit einem extrabreiten Fußweg und viel Grün, meint Verkehrsplaner Michael Focken vom Tiefbauamt.

Als Kompromiss wird nunmehr diskutiert, für die Verbindung zwischen Dresdner und Hainstraße zwei verschiedene Querstraßen zu nutzen - die Peterstraße etwa für die Linie 31, die Lessingstraße für die Linie 21. Ob diese Rechnung aufgeht, ist allerdings fraglich. Nicht nur wegen der höheren Kosten, sondern auch, weil bei dieser Variante nicht nur eine, sondern zwei zusätzliche Ampeln auf der Dresdner Straße nötig wären - an beiden Einmündungen. Angesichts einer Reihe schwerer Verkehrsunfälle auf dem breiten, zum Schnellfahren einladenden Abschnitt zwischen Sachsen-Allee und Dresdner Platz hätte so mancher Bewohner des Sonnenbergs an solch einem "Ausbremsen" zwar sicher nichts auszusetzen. Doch könnten die Folgen für den Verkehrsfluss durchaus erheblich sein. Zumal, wenn eines Tages doch noch ein durchgehender Innenstadtring in Richtung Reitbahnviertel entstünde - und damit die Bedeutung der Dresdner Straße weiter zunähme.

Angesichts der komplizierten Lage erscheint es da beinahe vorteilhaft, dass sich der Ausbau des Bahnsteigtunnels verzögert. Auf eine erste Ausschreibung hin hatte sich kein Bauunternehmen um den Auftrag beworben. Nun soll im Herbst ein neuer Anlauf unternommen werden. Im Frühjahr kommenden Jahres dann, so Baubürgermeister Michael Stötzer, könnten die Arbeiten beginnen.


Kommentar: Grenzen der Mitsprache

Rathaus und CVAG haben aus dem Ärger um das neue Liniennetz offenbar gelernt: Überaus geduldig werden Einwohnern der betroffenen Stadtteile mögliche künftige Routen der Buslinien 21 und 31 vor- und zur Diskussion gestellt. Doch nach drei Bürgerforen wird auch mehr und mehr deutlich: Die eine, alle befriedigende Variante wird wohl nicht zu finden sein. Wo immer die Busse später entlang fahren werden, wird es sowohl Gewinner als auch Verlierer geben.

Und die Diskussion zeigt noch etwas: Bürgerbeteiligung in ihrer derzeitigen Form hat ihre Grenzen. Zwar können Argumente ausgetauscht und Stimmungsbilder eingefangen werden. Abstimmungen, etwa über Vorzugsvarianten, mangelt es aber erheblich an demokratischer Legitimation. Dennoch sollte die Stadt die Debatte ernst nehmen.

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