Vier Herzen und ein großes Problem

Jana Kießl ist alleinerziehende Mutter von drei körperbehinderten Mädchen im Alter von 17 Jahren. Wegen Arztterminen und Therapien sind die Drillinge nahezu täglich unterwegs. Doch das fällt immer schwerer.

Die erfahrene Ärztin war sich sicher, als sie mit dem Ultraschallgerät über Jana Kießls Bauch fuhr: "Das wird nicht nur eins." Na gut, dann eben Zwillinge, dachte sich die junge Frau. Doch auch dabei blieb es nicht - gleich drei Mädchen auf einen Schlag sollten es werden. Im Frühjahr 2000 erblickten Alina, Vanessa und Sabrina das Licht der Welt. Neun Wochen früher als geplant.

Mutter Jana hatte nach unauffälliger Schwangerschaft plötzlich Fieber bekommen. Zu riskant für die Drillinge in ihrem Bauch, entschieden die Ärzte. Sie holten die Babys vorzeitig per Kaiserschnitt auf die Welt. Es gab Komplikationen, mit deren Folgen die mittlerweile 17 Jahre alten Mädchen bis heute leben.

Vanessa, die Zweitgeborene, hat seit ihrer Pubertät eine Spastik im linken Fuß. Nach ihrem Realschulabschluss im Sommer absolviert sie derzeit ein Freiwilliges Soziales Jahr in einem Chemnitzer Krankenhaus, erzählt Jana Kießl. "Sie möchte später gern eine Ausbildung im Pflegebereich machen."

Alina kam seinerzeit als Erste auf die Welt, mit einer Spastik in den Beinen. Seit ihrem neunten Lebensjahr ist sie Epileptikerin. Erst nach einer Operation lernte sie laufen - im Schulanfängeralter. Noch heute ist sie auf Begleitung angewiesen. Eine sogenannte Orthese ermöglicht es ihr, selbstständig zu gehen.

Für Sabrina, die Jüngste, ist aber auch daran nicht zu denken. Sie erlitt während ihrer Geburt eine Hirnblutung. Erst mit sieben Jahren konnte sie aufrecht stehen; später lernte sie an der Körperbehindertenschule, sich mithilfe eines Rollators oder anderer Gehhilfen fortzubewegen. Seither stand beinahe jedes Jahr irgendeine Operation an. Bis Sabrina es schaffte, wenigstens mit Gehstöcken allein unterwegs zu sein.

Vor zwei Jahren dann der Rückschlag: Sabrina kann ihre linke Hand nicht mehr öffnen. Seit Sommer vergangenen Jahres verkrampft ihr Körper mehrmals am Tag komplett, mitunter über Stunden hinweg. "Die Ärzte sind ratlos", schildert Jana Kießl. Selbst eingehende Untersuchungen an der Uniklinik in Leipzig blieben ohne Erfolg.

Durch die Verschlechterung ihrer gesundheitlichen Situation ist Sabrina mittlerweile auf einen Elektrorollstuhl angewiesen. Doch das schwere Gerät lässt sich in keinem normalen Auto transportieren. Wenn Termine beim Arzt oder Rehabilitationsbehandlungen anstehen, was beinahe täglich der Fall ist, ist die 17-Jährige mit einem Klapprollstuhl unterwegs. Von dort heraus ins Auto hinein und wieder zurück muss sie jedes Mal gehoben werden. Für alle Beteiligten eine zunehmend beschwerliche Prozedur. Jana Kießl hat mit ihren 38 Jahren bereits drei Bandscheibenvorfälle hinter sich.

An die Anschaffung eines rollstuhlgeeigneten Autos, das den Alltag von Sabrina, ihren Schwestern und ihrer Mutter erheblich erleichtern würde, war bislang nicht zu denken. Wegen der Betreuung ihrer Töchter kann Jana Kießl nicht mehr als 30 Stunden pro Woche arbeiten gehen. Der Lohn der alleinerziehenden Mutter geht beinahe komplett für die Miete drauf. Der Alltag wird über Kinder- und Pflegegeld finanziert. Ab Frühjahr fällt der Unterhaltsvorschuss vom Staat weg, die Drillinge werden dann 18 Jahre alt.

Nun hofft der Verein "Leser helfen", mit Unterstützung der Leser der "Freien Presse" vielleicht doch noch eine Lösung zu finden. Das Ziel einer Spendenaktion in den kommenden Wochen ist es, Familie Kießl das dringend benötigte Fahrzeug zu finanzieren.

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