Warum Ampeln jetzt Sensoren erhalten

Projekt soll Daten über Verkehr sowie Luftfeuchtigkeit und Temperatur in Chemnitz liefern - Erfolg von Freiwilligen abhängig

Insgesamt 27 Sensoren werden in den nächsten Tagen in Chemnitz montiert. Die Arbeiten gehören zu einem wissenschaftlichen Test-, Forschungs- und Entwicklungsprojekt, das parallel in Chemnitz und Reutlingen (Baden-Württemberg) läuft. Die Technik könnte auch dazu beitragen, den Stadtverkehr künftig anders zu gestalten. "Freie Presse" beantwortet dazu die wichtigsten Fragen.

Weshalb wird die Sensortechnik in Chemnitz installiert?

Es gibt mehrere Einsatzmöglichkeiten. So könnte die Technik dazu genutzt werden, Ampelschaltungen später dauerhaft optimal auf tatsächliche Verkehrsströme anzupassen. Das zumindest ist nach Auskunft von Hubert Güntner, Mitarbeiter der an der technischen Umsetzung des Projekts beteiligten Firma Swarco, eine der Nutzungsmöglichkeiten. Dafür werden die Sensoren laut Güntner bereits in der Stadt Freisingen bei München genutzt. Auch Stadt- und Verkehrsplanern können die Daten bei der Gestaltung von Straßen- und Wegführungen helfen. Ebenso sei es möglich, die Anzahl von Menschen auf einem bestimmten Areal zu einer bestimmten Zeit zu ermitteln oder bei Baustellen und Straßensperrungen alternative Strecken zu empfehlen.

Wie viele und welche Sensoren gibt es an welchen Stellen?

Nach Angaben von Cornelia Siegel, Referentin im Bürgermeisteramt, werden insgesamt 27 Sensoren installiert. Zwei davon sind sogenannte Umweltsensoren. Sie messen Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Es gibt drei Schwerpunktgegenden, in denen die Technik etwa an Ampelanlagen montiert wird. Dazu gehören die Innenstadt, der Brühl und der Campus der Technischen Universität. Standorte sind auch an der Kreuzung Augustusburger Straße/Bahnhofstraße, Brückenstraße/Straße der Nationen, Theaterstraße/Innere Klosterstraße, Stadthallenpark, Annaberger Straße/Bahnhofstraße sowie Carolastraße/Bahnhofstraße. Die Umwelt-Daten-Sensoren be- finden sich in den Kreuzungsbereichen Theaterstraße/Bahnhofstraße/ Zwickauer Straße und Zschopauer Straße/Bahnhofstraße.

Wann soll die Montage aller Sensoren abgeschlossen sein und ab wann funktionieren sie?

"Wir rechnen mit etwa drei Wochen Gesamtinstallationszeit", sagt Hubert Güntner. Der Betrieb der Sensoren sei sofort nach Installation gewährleistet.

Was steckt in den Sensoren-Kästen in Schuhkartongröße?

Ein Bluetooth-Scanner und ein Modem sind die wichtigsten Bestandteile, so Güntner. Das Modem funktioniert mit einer Chip-Karte, ähnlich der eines Mobiltelefons, die sich im Gegenteil zum Handy aber nicht für Telefonzwecke nutzen lässt.

Wie funktioniert der Sensor?

Er sendet permanent Anfragen an bluetoothfähige Geräte in der Nähe, also an solche, die eine Funkdatenübertragung auf kurzen Strecken ermöglichen. Ist bei diesen die Bluetooth-Funktion eingeschaltet, wird eine dem jeweiligen Gerät zugeordnete Nummer an den Sensor gesendet, verschlüsselt und per Funk an einen Server der Firma Swarco geschickt. Projekt-Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts in Stuttgart schicken dann eine Software zu Swarco, die bestimmte Daten abfragt, verarbeitet und das Ergebnis wieder an das Institut zurückschickt. Einen Zugriff auf die Rohdaten habe dabei laut Güntner weder die Firma Swarco noch das Institut. Alle vom Sensor erfassten Daten werden nach 24 Stunden gelöscht. Damit, versichert Güntner, sei ein Rückschluss auf die Person, von der die Daten kommen, nicht möglich.

Über welchen Zeitraum soll das Projekt laufen?

Es ist inklusive einer ersten Testphase eine Laufzeit von einem Jahr geplant, erklärt Cornelia Siegel. Ob die Technik danach von der Stadtverwaltung übernommen oder abgebaut wird, ist nicht geklärt.

Wie viel Geld investiert die Stadt für das Projekt?

Es kostet die Stadt keinen Cent, sagt Siegel. Denn es wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert. Das Ministerium gibt dafür - inklusive des parallel dazu laufenden Pilot-Projekts in Reutlingen - insgesamt rund drei Millionen Euro aus.

Welchen Vorteil haben Chemnitzer von dieser Datensammlung?

Etwa im Herbst wird eine App verfügbar sein. Damit können Nutzer ihre Wege nachverfolgen und Kritik über Beförderungsmöglichkeiten per Bahn, Bus oder Rad äußern. Informationen dazu sollen noch folgen.

Wovon hängt der Erfolg des Projekts ab?

Vor allem davon, wie viele Chemnitzer sich daran beteiligen, indem sie die Bluetooth-Funktion, etwa ihrer Handys, aktivieren, sagt Siegel.

Wer darf die Ergebnisse der Forschung einsehen?

Zunächst werden Verwaltung und Verkehrsbetriebe die Ergebnisse analysieren und für ihre Arbeit nutzen. Was den Bürgern davon zugänglich werden soll, dazu gibt es noch Gesprächsbedarf. (reu)

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