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Das Auto ist das Verkehrsmittel Nummer 1 in Chemnitz. Trotz augenscheinlicher Zunahme von Radfahrern im Stadtbild und einem Ausbau des Nahverkehrsangebots bleiben die Ziele der Verkehrsplaner zur Stärkung umweltfreundlicherer Alternativen bislang unerreicht. Foto: Andreas Seidel

Foto: Andreas Seidel

Warum Chemnitz auf absehbare Zeit Autostadt bleiben wird

Fahrrad, Bus und Bahn spielen weit weniger eine Rolle als in anderen Städten. Laut Experten hat das vor allem eine Ursache.

Von Michael Müller
erschienen am 16.03.2018

Das selbst gesteckte Ziel städtischer Verkehrsplaner war anspruchsvoll: Vor allem mithilfe eines attraktiven Nahverkehrs und dem Ausbau des Radwegenetzes sollte der Anteil privater Autos, Motorräder und Mopeds am Verkehr in Chemnitz binnen zehn Jahren unter die 50-Prozent-Marke gedrückt werden. Nicht zuletzt, um die Stadt und ihre Einwohner zu entlasten - von Lärm, Abgasen und sonstigen problematischen Begleiterscheinungen motorisierter Mobilität.

Doch die Rechnung ging nicht auf. Ganz im Gegenteil. Laut Erhebungen war der Anteil des "Motorisierten Individualverkehrs" mit 56Prozent zuletzt so hoch wie nie zuvor. Werte in diesem Bereich findet man in Deutschland sonst in eher ländlich geprägten Gegenden, nicht aber in Städten der Größe und Topografie von Chemnitz. Der Anteil von Bus und Bahn und dem Fahrrad ging hingegen zurück.

In einer aktuellen Analyse der verfehlten Ziele des städtischen Verkehrs-Entwicklungsplans wird nun versucht, dem Phänomen auf den Grund zu gehen. Liegt das hohe Kfz-Aufkommen am traditionellen Ruf von Chemnitz als Autofahrerstadt? Oder sind die vielen breiten Straßen im Zentrum zu einladend?

In ihrer Auswertung machen die Verkehrsexperten neben den vielen Pendlern vor allem einen Faktor für das Chemnitzer Phänomen verantwortlich: den hohen Altersdurchschnitt der Bevölkerung. Jeder vierte Einwohner ist mindestens 65 Jahre alt; in Dresden und Leipzig liegt der Anteil nur bei etwa 20 Prozent. Fast zwei Dritteln der Haushalte in dieser Altersgruppe wiederum steht heute mindestens ein Pkw zur Verfügung - 2008 noch war es nur etwas mehr als jeder zweite Haushalt.

Und wer über ein Auto verfügt, der nutzt es auch. "Senioren von heute pflegen erkennbar andere Mobilitätsstile als frühere Generationen, was sich unter anderem in einer stärkeren Nutzung des privaten Pkw in dieser Altersgruppe niederschlägt", heißt es in der aktuellen Bewertung. Wer im Arbeitsleben immer über ein Auto verfügt habe, behalte das gewohnte Mobilitätsverhalten zumeist auch im Ruhestand bei - zunehmend bis ins hohe Alter.

Die Überalterung zeigt sich noch in einer weiteren Chemnitzer Besonderheit: Der bundesweite Trend, dass es immer mehr Haushalte ohne eigenen Pkw gibt, schlägt sich hierzulande kaum nieder. Zwar kamen auch in Chemnitz zuletzt bereits rund 60Prozent der Unter-25-Jährigen ohne Pkw aus (2008 waren es noch gut 40Prozent). In der Gesamtbilanz schlägt sich diese Entwicklung allerdings kaum nieder. Der Grund: die gewachsene Automobilität der zahlenmäßig weitaus größeren Altersgruppe der Senioren.

Das Fazit der Verkehrsplaner fällt denn auch ernüchternd aus: Chemnitz werde im Verhalten seiner Bürger von einigen Entwicklungen moderner, urbaner Mobilität auf absehbare Zeit weiterhin abgekoppelt bleiben, heißt es. Die Stadt ähnele beim Verkehr eher dem Ruhrgebiet und anderen "altindustriellen, von Schrumpfung und Entdichtung geprägten" Regionen als den meisten europäischen Großstädten.

 
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Warum Chemnitz auf absehbare Zeit Autostadt bleiben wird
Kommentar: Nicht nur aus Gewohnheit
 
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10
Kommentare
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Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 17.03.2018
    09:58 Uhr

    Steuerzahler: Entschuldigung! Natürlich Feierabend heißt es richtig!

    0 2
     
  • 16.03.2018
    23:30 Uhr

    Steuerzahler: Da hat wohl die Schikane der Verkehrsplaner gegenüber den PKW-Nutzern durch Beseitigung von Fahrspuren, Entfernung von Haltebuchten, Ampelbeeinflussung usw. nicht zur Disziplinierung beigetragen. Vielleicht sollten die Verantwortlichen ihre Wochenendeinkäufe mit öfftl. Verkehrsmitteln machen und vielleicht einmal unregelmäßigen Dienst, um dann zu später Zeit mit öfftl. Verkehrsmitteln den Geoetabend anzutreten. Dann kommen sie auch auf andere Gedanken.

    0 4
     
  • 16.03.2018
    23:17 Uhr

    Hankman: Ich kann Thesen wie "breite Straßen ziehen Autofahrer an" nicht nachvollziehen. Ich fahre mit dem Auto, um schnell und bequem von A nach B zu kommen - und nicht, weil die Straßen breit sind. Ich würde bestimmt öfter mal Bus oder Straßenbahn fahren; aber ich arbeite abends lange - und nach 21 Uhr hat man lange Wartezeiten, weil der Takt natürlich nicht mehr so dicht ist wie am Tag.

    Als Hindernis für den Nahverkehr in Chemnitz sehe ich die zum Teil sehr lange dauernden Baumaßnahmen an. Gerade der Umbau der Zentralhaltestelle zieht sich seit Jahren hin - verbunden mit wiederholter Änderung der Linienführungen, die einen überfordern können. Es gibt aber auch Positives: Mit den Straßenbahnlinien kommt man schnell voran (und, ja, es gibt viel zu wenige!), die Tram-Linien ins Umland sind eine interessante Innovation. Und die Ringbuslinie 82 ist eine sehr gute Idee. Vielleicht werden die CVAG-Angebote ja besser genutzt, wenn die Zentralhaltestelle fertig ist ... irgendwann.

    1 2
     
  • 16.03.2018
    17:32 Uhr

    christophdoerffel: Gerade bei der Verkehrsplanung herrscht in Chemnitz aber auch eine extreme konservative Kleingeistigkeit. Man schaue sich nur die neue Reichenhainer Straße an. Statt den shared Space Gedanken zwischen Südbahnhof und Friedhof umzusetzen, ein einziges verampeltes Flickwerk, das hauptsächlich den Autofahrern durch die neue Fraunhofer Straße entgegen kommt, auch wenn die Bahnlinie echt gut geworden ist. Dem für den Campus wichtigen Rad- und Fußverkehr wurde nichts Gutes getan.

    1 8
     
  • 16.03.2018
    15:06 Uhr

    Interessierte: Ich hatte gerade über Sie geurteilt , ging aber leider nicht durch ..., vielleicht kommts noch .....

    13 3
     

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