Warum auf dem Arbeitsmarkt das Umland die Stadt Chemnitz abhängt

Während ringsum beinahe Vollbeschäftigung herrscht, weist Chemnitz aktuell die höchste Quote in Sachsen auf. Und das ist nicht die einzige Auffälligkeit.

Die Lage: Im Grunde sind es gute Zahlen, die die Agentur für Arbeit für den Chemnitzer Arbeitsmarkt zu vermelden hat. Mit zuletzt im Jahresschnitt offiziell 7,6Prozent (2016: 8,4 Prozent) ist die Arbeitslosenquote in Chemnitz so niedrig wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Zum Jahreswechsel waren in der Stadt weniger als 8800 Menschen arbeitslos gemeldet. Zum Vergleich: Anfang 2017 waren es noch mehr als 10.000. Vor allem für Ältere und Langzeitarbeitslose weisen die Statistiken für die vergangenen zwölf Monate mit 20 bzw. 13 Prozent deutliche Rückgänge bei der Erwerbslosigkeit aus. Zudem hat sich die Dauer der Arbeitslosigkeit verringert. Wer kürzlich seine Arbeit verloren hat, findet im Schnitt innerhalb von 17Wochen einen neuen Job. Im Jahr zuvor dauerte das noch drei Wochen länger.

Weniger freie Stellen: Im gesamten vergangenen Jahr wurden von Arbeitsagentur und Jobcenter rund 7700 neue Stellenangebote registriert - mehr als 1000 weniger als im Jahr zuvor. Angelika Hugel, die Vorsitzende der Geschäftsführung der hiesigen Agentur für Arbeit, sieht darin eine Kehrseite der insgesamt guten Lage auf dem Arbeitsmarkt. "Mit sinkender Arbeitslosigkeit dauert es auch länger, die passenden Bewerber für freie Stellen zu finden", erläutert sie. In der Folge gehe auch die Zahl neuer Stellenangebote zurück. Mit im Schnitt 2400 freien Jobs liege die Arbeitskräftenachfrage aber weiterhin auf sehr hohem Niveau. Fast alle zuletzt erfassten Stellen waren sozialversicherungspflichtig, gut 87 Prozent unbefristet.

Weniger Abgänge in Arbeit: Längst nicht jeder Arbeitslose, der in der Statistik nicht mehr auftaucht, hat auch eine neue Beschäftigung gefunden. Unterm Strich besetzte jeweils nur einer von vier Arbeitslosen, die 2017 als "Abgänge" verbucht wurden, tatsächlich eine Stelle auf dem ersten Arbeitsmarkt. Die Gesamtzahl dieser Fälle ging sogar erneut um mehrere Hundert zurück - von 7500 im Vorjahr auf 6900. Den weitaus größten Anteil derer, die aus der Statistik fallen, machen Krankmeldungen sowie Wechsel in Ausbildungs- und sonstige Trainingsmaßnahmen aus. In Letzterem sehen Analysten ein Indiz für einen erhöhten Qualifizierungsbedarf.

Unterbeschäftigung: Sie kennzeichnet in den Augen vieler Kritiker das wirkliche Ausmaß der Arbeitslosigkeit weit besser als die "reinen" Arbeitslosenzahlen, da hier auch Menschen etwa in Schulungs- und Trainingsmaßnahmen mitgezählt werden. In Chemnitz erhöht sich die Zahl der Betroffenen ohne reguläre Beschäftigung dadurch auf aktuell knapp 12.400.

Stadt-Land-Gefälle: Während im unmittelbaren Umland von Chemnitz mancherorts im Grunde bereits Vollbeschäftigung herrscht, geht die Arbeitslosigkeit in der Stadt deutlich langsamer zurück. Der Abstand zu den Nachbarlandkreisen hat sich im Verlauf des vergangenen Jahres sogar weiter erhöht. Das Erzgebirge steht mit einer Arbeitslosenquote von mittlerweile unter fünf Prozent bereits mehr als zwei Prozentpunkte besser da als Chemnitz, das im Dezember mit 7,1 Prozent neben Ostsachsen die landesweit höchste Quote aufwies. Heiko Wendrock, Sprecher der Chemnitzer Arbeitsagentur, begründet dies nicht zuletzt mit einem hohen Anteil an Beschäftigten von außerhalb, die in Chemnitz arbeiten. Der Anteil dieser sogenannten Einpendler liege bei rund 45 Prozent und damit deutlich höher als etwa in Dresden oder Leipzig. Die Beschäftigung Auswärtiger in Chemnitz wirke sich positiv auf die Arbeitslosenquote in deren Heimatregion aus, nicht aber auf die Quote für den städtischen Arbeitsmarkt. Zugleich, so Wendrock, mache sich die vergleichsweise kleinteilige und vielfältige Chemnitzer Wirtschaftsstruktur bemerkbar, die weniger stark auf konjunkturelle Schwankungen reagiere.

Wie soll es weitergehen? Agenturchefin Hugel rechnet für 2018 mit einer stabilen Entwicklung. Besonders im Fokus der Vermittlungs- und Qualifizierungsbemühungen stünden Menschen mit erschwertem Zugang zum Arbeitsmarkt, kündigte sie an. Dazu zählten insbesondere Ältere, Langzeitarbeitslose, Zuwanderer, Menschen mit Handicap und Jugendliche ohne abgeschlossene Berufsausbildung.

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